Hörbuchcover
Autor: Gregory Smith
Sprecher: Charles Rettinghaus
Länge: 08 Std. 50 Min. (ungekürzt)
Anbieter: Random House Audio, Deutschland
Originaltitel: Final Price
Preis: 20,95 € (9,95 € im Flexi-Abo von Audible.de)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Shamus Ryan ist Autoverkäufer in der verschlafenen Kleinstadt Wilmington. Doch hinter der dauerlächelnden Fassade lauert ein eiskalter Psychopath, der sich bitter an denjenigen Kunden rächt, die ihren Wagen bei der Konkurrenz kaufen. So steht der hünenhafte Detective Chang zunächst vor einer rätselhaften, scheinbar zusammenhanglosen Mordserie. Er weiß nur: Der Killer ist völlig wahnsinnig und wird nicht aufhören. Er zieht seinen ehemaligen Partner hinzu: den hochneurotischen Nelson Rogers, der jedoch die außergewöhnliche Gabe besitzt, in Tatorten und dem Gefühlshaushalt anderer Menschen wie in einem Buch zu lesen. Gemeinsam versuchen sie, Shamus zu stoppen, bevor es noch weitere Opfer gibt.

Meine Hörbuchbesprechung:
Shamus Ryans Leben spielt sich zu großen Teilen in einem Honda-Autohaus in der US-Kleinstadt Wilmington ab. Von morgens bis abends schlägt er sich in seinem Job als Verkäufer mit nervigen Kunden und scheinheiligen Kollegen herum. Hinter dem kollegialen und auf den ersten Anschein angenehmen Betriebsklima verbirgt sich nämlich ein knallharter Konkurrenzkampf, in dem alle Mitarbeiter verbissen um Prämien und Ansehen streiten. An einer großen Tafel im Angestelltenbereich kann stets jeder ablesen, wer bei den verkauften Wagen gerade vorne liegt – und was anderes interessiert Shamus‘ Chef auch überhaupt nicht. Was Ryan also richtig auf die Palme bringt, sind Kunden, die stundenlang seine Aufmerksamkeit beanspruchen und dann doch nichts kaufen oder aber lieber bei der minimal günstigeren Konkurrenz zuschlagen. In solchen Fällen brennen dem charmanten Verkäufer die Sicherungen durch und er stattet seinen Klienten wenig später einen speziellen Hausbesuch ab – der für seine unfreiwilligen Gastgeber immer äußerst unangenehm verläuft…

Frustrierter Autoverkäufer dreht durch und bringt nervige Kunden um

Natürlich bleiben die blutigen Morde nicht lange unentdeckt, doch die Polizei ist nicht in der Lage, die Verbrechen miteinander in Verbindung zu bringen. Nur das völlig überzogene Maß an Brutalität deutet für Detective Paul Chang und seinen Partner Nelson Rogers daraufhin, dass alle Morde vom gleichen Täter begangen wurden. Allerdings müssen sich die beiden nicht nur mit einem offenbar wahnsinnigen Serienkiller, sondern auch mit den Schatten ihrer Vergangenheit herumschlagen, seitdem vor Jahren ein Entführungsfall einen tragischen Ausgang nahm. Als wäre das noch nicht genug, machen auch noch ihr nerviger Vorgesetzter und ein hartnäckiger Journalist ihnen die Ermittlungen schwerer als sie ohnehin schon sind…

Gregory Smith: Vom Autoverkäufer zum Thrillerautor

Vielen, die in der Dienstleistungsbranche arbeiten, wird die Situation bekannt vorkommen: Man quält sich gefühlte Ewigkeiten mit anstrengenden Kunden herum, gibt sich die größte Mühe ihre Ansprüche zu erfüllen und kommt ihnen auch in finanzieller Hinsicht sehr entgegen – und kurz vor dem langersehnten Abschluss macht der Kunde doch noch den Absprung und der ganze Aufwand war umsonst. Noch ärgerlicher ist es dann, wenn genau dieser potenzielle Kunde dann lieber zur Konkurrenz um die Ecke geht, die das ohnehin schon sehr gute Angebot alleine deshalb nochmal unterbietet, um dem Rivalen eins auszuwischen. Nicht selten möchte man diesen Menschen dann vor Rage den Hals umdrehen, aber so läuft nun einmal das Geschäft. Von solchen Kunden war offenbar auch der Autokäufer Gregory Smith aus Wilmington, Delaware, genervt und so stellte er sich die Frage, was wohl passieren würde, wenn einer dieser geplagten Verkäufer plötzlich Rot sieht und komplett ausrastet – und schon war vermutlich die Idee zu seinem Debütroman „Aus der Spur“ geboren.

Augen auf beim Autokauf!

So ist dann auch die Hauptfigur Shamus Ryan Autoverkäufer und darf sogar in der Heimat des Autors (Wilmington) sein Unwesen treiben. Dabei führt er sich gleich einmal mit einem blutigen Mord ein, indem er ein asiatisches Pärchen kaltblütig und mit größtem Vergnügen hinrichtet. Das Motiv für diesen Ausraster bleibt für den Hörer zunächt unklar, doch schon wenig später darf er Ryan an einem typischen Arbeitstag begleiten und bekommt somit ein Gespür für die angespannte Gefühlswelt des Verkäufers. Während seine Kollegen ein Auto nach dem anderen an den Mann bringen, schlägt sich Shamus seit Stunden mit einem fetten (man möchte fast böse sagen: „typisch amerikanischen“) Ehepaar herum, welches ein Modell nach dem anderen ausprobiert, Probefahrten macht, Shamus unzählige Male zwecks Preisnachlässen zu seinem Chef rennen lässt um letztlich doch mit unverschämten Preisvorstellungen das Autohaus zu verlassen. Als der unausstehliche Mann ihm dann wenig später telefonisch unter die Nase reibt, bei Ryans Hauptkonkurrenten für satte 27 Dollar weniger zugeschlagen zu haben, hat er damit sein Todesurteil unterschrieben.

Amüsante Verkaufsgespräche und durchgeknallte Hauptfiguren

Man merkt, dass der Autor Gregory Smith lange in der Automobilbranche zu Hause war, denn die Verkaufsgespräche sind für mich das absolute Highlight von „Aus der Spur“. Ich hätte stundenlang zuhören können, wie Shamus Ryan sich sprichwörtlich „den Arsch aufreißt“, um seine Verkaufsbilanz zu erfüllen, ihn seine wirklich nervigen Interessenten aber immer wieder abblitzen lassen. Smith liefert hier äußerst amüsante Szenen, die vor allem aufgrund der bitterbösen Gedankengänge und geistigen Kommentare von Ryan sehr viel Spaß machen. Man ist sogar fast geneigt, Mitleid mit dem armen Kerl zu bekommen, wenn dieser nicht in regelmäßigen Abständen Menschen abschlachten würde. Nicht weniger durchgeknallt sind aber auch die beiden anderen Hauptfiguren, Detective Chang und sein Partner Nelson. Beide haben vor Jahren in New York einen medienwirksamen Entführungsfall komplett in den Sand gesetzt und wurden zur Strafe nach Delaware versetzt. Nelson hat es sogar noch etwas härter getroffen: Er wurde nach den Ereignissen für verrückt erklärt und aus dem Polizeidienst entlassen – was Chang aber nicht davon abhält, ihn als Berater ständig zu den Tatorten mitzunehmen. Beide Ermittler haben wie Shamus Ryan nicht mehr alle Tassen im Schrank, denn während Chang sich mit seinem inneren Drachen herumschlägt, der ihn zuweilen zu unkontrollierten Wutanfällen veranlasst, bekommt es Nelson mit diversen Neurosen zu tun – ist aber unschlagbar im Einschätzen von Menschen.

Viel Action, wenig Story

Das klingt nun alles nach einer Menge Spaß, ganz so großartig ist „Aus der Spur“ dann aber leider doch nicht. So sind die Macken der Charaktere und das sich daraus ergebende Verhalten zwar amüsant, richtige humoristische Knaller liefert Gregory Smith aber nur sehr selten. Außerdem kommt die Story nicht über eine durchschnittliche 08/15-Serienkiller-Geschichte hinaus und besteht zudem überwiegend aus Wiederholungen. Wieder und wieder schlägt sich der Hörer mit Shamus durch Verkaufsgespräche, woraufhin anschließend wieder ein Kunde auf die Todesliste gesetzt wird. Aufgrund der hohen Frequenz der Morde ist das zwar kurzweilig, bietet aber keinerlei Überraschungen. Auch die Ermittlerperspektive kommt ohne erfrischende Einfälle daher und nervt oft mit den ständigen Revierkämpfen zwischen Chang und seinem Chef, der den durchgeknallten Nelson (verständlicherweise) nicht in die Fallarbeit mit einbeziehen möchte. Das führt dann alles auf das unvermeidbare und wenig originelle Ende hin, das leider etwas unspektakulär ausfällt.

Der Sprecher:
Gelesen wird „Aus der Spur“ von Charles Rettinghaus, der einem im Hörbuchbereich auch nicht allzu oft über den Weg läuft. Die Stimme kennt man jedoch sicherlich als deutsche Synchronstimme von Robert Downey Jr. oder Jamie Foxx. Rettinghaus hat mich mit seiner Lesung weitestgehend positiv überrascht, denn eine solche Vielseitigkeit hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Vor allem in Ryans Verkaufsgesprächen kann der Sprecher sein volles Potenzial entfalten und sorgt so für ein paar wirklich großartige Momente. Leider sind dann ausgerechnet die drei Hauptfiguren etwas langweilig geraten und klingen ehrlich gesagt alle gleich. Hier wäre eine etwas nuanciertere Ausarbeitung der Charaktere sicherlich wünschenswert gewesen. Abgesehen davon bietet das Hörbuch aber eine wirklich unerwartet gute Sprecherleistung.

Schlussfazit:
Gregory Smith hat mit seinem Romandebüt „Aus der Spur“ einen kurzweiligen Thriller hingelegt, dem es aber noch an einigen Stellen zu einem richtig guten Vertreter seines Genres fehlt. Gut gefallen hat mir die überspitzte Herangehensweise an die sonst eher ernste Serienkiller-Thematik, was in manchen Momenten an Paul Cleaves „Der siebte Tod“ oder die US-TV-Serie „Dexter“ erinnert – wenngleich die Klasse dieser Vorbilder bei weitem nicht erreicht wird. Die durchgeknallten Charaktere sorgen zwar für ein paar wirklich amüsante Szenen, leider kann die weitestgehend uninspirierte Story da nicht mithalten.

Kurzweilig und mit guten Ansätzen, aber lahmer Story

Es wirkt manchmal fast so, als hätte sich der Autor beim Schreiben nicht so richtig entscheiden können, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Für eine schwarzhumorige Komödie ist das Buch insgesamt nicht lustig genug, für einen ernstzunehmenden Thriller fehlt es hingegen aber eindeutig an Spannung, denn als Hörer hat man das Schema sehr schnell raus und bekommt dann nur noch Wiederholungen geboten, bis das Prozedere schließlich mal ein Ende finden muss. Wenn man Geschichten aus der Serienmörder-Perspektive mag und die Figuren gerne auch etwas übertrieben sein dürfen, dann bekommt man mit „Aus der Spur“ ein paar unterhaltsame Stunden geboten, die aber wohl nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. Nicht schlecht, aber man hätte deutlich mehr daraus machen können.

Meine Wertung: 6/10

Informationen:
Das Hörbuch „Aus der Spur“ von Gregory Smith hat eine Länge von 8 Std. und 50 Min. und ist ungekürzt für 20,95 Euro bei audible.de erhältlich. Kunden mit Flexi-Abo bezahlen wie gewohnt nur 9,95 Euro. Weitere Infos gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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