Buchcover
Autor: J.A. Konrath
Umfang: 302 Seiten
Verlag: AmazonCrossing
Erscheinungstermin: 07. August 2012
Originaltitel: Shaken
Preis: Taschenbuch 9,99 €/eBook 4,99 €

Klappentext:
Chicago Cop Jacqueline „Jack“ Daniels hat Dutzende von gefährlichen Kriminellen im Laufe ihrer Karriere gejagt und gefangen. Aber jetzt ist sie im Begriff, ihren Meister zu finden.
Nun wird Jack endlich die Chance haben, eine 25-jährige Jagd nach dem grausamen Serienmörder Mr. K zu beenden. Leider nicht zu ihren Bedingungen.
Als Jack gefesselt und geknebelt in einem Lagerraum erwacht, weiß sie mit schrecklicher Sicherheit, wer ihr Entführer ist.
In weniger als zwei Stunden wird sie auch erfahren, dass manchmal die Guten nicht gewinnen.

Meine Buchbesprechung:
Jacqueline Daniels ist 49 Jahre alt und hat 25 davon zu großen Teilen in die Jagd nach Mr. K, dem vielleicht schlimmsten Serienmörder in der Geschichte Amerikas investiert. Dieser hat in seiner „Karriere“ weit über hundert Menschen brutal ermordet und dabei keine erdenkliche Tötungsmethode ausgelassen. Sein Markenzeichen ist ein Gummiball, den er seinen Opfern in den Mund steckt, um sie anschließend zu Tode zu foltern. Obwohl die Handschrift des Mannes allen Polizeibehörden des Landes bekannt ist, hat es doch noch niemand geschafft, dem Killer auch nur annähernd auf die Spur zu kommen.

Eine erfahrene Ex-Polizistin in der Gewalt von Amerikas schlimmsten Serienkiller

Auch die Laufbahn von „Jack“ Daniels stand immer unter dem Einfluss von Mr. K, seit sie zu Beginn ihres Polizeidienstes in einigen seiner Morde ermittelte. Ihren Job als Lieutenant in Chicago hat sie zwar mittlerweile an den Nagel gehängt, doch auch als private Ermittlerin hat sie der Fall nie losgelassen. Nun, 25 Jahre nachdem Mr. K das erste Mal ihren Weg gekreuzt hat, ist sie endlich am Ziel angekommen: Sie befindet sich in einem Raum mit dem Serienmörder – Jack ist jedoch gefesselt und geknebelt und hat keine Ahnung, wie sie dort überhaupt hingekommen ist…

Story beginnt direkt mit dem Showdown

Als erfahrener Thriller-Leser kennt man in der Regel das Grundschema der beliebten Serienmörder-Geschichten. Es gibt ein paar Morde, ein oder mehrere Ermittler jagen den genialen Killer, am Ende gibt es das große Finale und der Mörder wird entweder geschnappt oder getötet. J.A. Konrath steigt mit seinem Roman „Mr. K“ direkt am Showdown ein und überspringt das Vorgeplänkel zu großen Teilen. Die Hauptfigur, Ex-Lieutenant und Privatermittlerin Jacqueline „Jack“ Daniels wacht benommen in einem dunklen Raum auf, stellt fest, dass sie offenbar entführt und gefesselt wurde und merkt aufgrund der vorgefundenen Umstände recht schnell, wer sie in seiner Gewalt hat: Der legendäre Serienkiller „Mr. K“, Amerikas schlimmster Abschaum und raffinierter Killer, den sie fast in ihrer gesamten Polizeikarriere wie besessen gejagt hat.

Handlung erstreckt sich über drei verschiedene Story-Ebenen

Nun wäre es aber bei aller Freude über den dramatischen Einstieg schon ein wenig schade, wenn der Autor seinen Lesern die Vorgeschichte vorenthalten würde – macht er glücklicherweise auch nicht, denn J.A. Konrath erzählt seine Serienkiller-Story auf drei verschiedenen Ebenen. Da ist zum einen die Gegenwart, in der Jack Daniels verzweifelt versucht, aus ihrer Gefangenschaft zu entkommen. Ein weiterer Handlungsstrang spielt 21 Jahre zuvor im Jahr 1989 und schildert Daniels‘ Ermittlungen in ihrem ersten großen Fall. Bei einer Undercover-Aktion stößt sie auf die Leichen von mehreren Frauen und ermittelt fortan verdeckt als Angestellte in einem Escort-Service. Handlungsebene Nr. 3 spielt drei Jahre vor Jacks Entführung, als sie „Mr. K“ bereits dicht auf der Spur ist und die Morde einem möglichen Tatverdächtigen zu Last legen möchte. Kapitelweise wechselt Konrath nun zwischen den Erzählsträngen und da die Abschnitte in der Regel sehr kurz ausfallen, springt man als Leser ständig in den Jahren vor und zurück.

Das klingt nun ein wenig kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht, denn dem Autor gelingt es recht gut, diese Ebenen voneinander abzugrenzen – zumal sich diese inhaltlich anfangs auch nicht allzu sehr überschneiden. Im Jahr 1989 ist von „Mr. K“ noch gar nicht die Rede und Jack hat keine Ahnung von dem, was in ihrer Karriere noch an Grausamkeiten auf sie warten wird. Stattdessen erlebt der Leser eine ambitionierte und selbstbewusste junge Polizistin, die sich in der Männerwelt behaupten will und alles für eine schnelle Beförderung opfert – u.a. setzt sie dadurch auch ihre Beziehung aufs Spiel. Im Jahr 2007 bekommt das Kind dann endlich einen Namen und alles steht im Zeichen der Jagd auf „Mr. K“. Daniels und ihr Partner haben einen bestimmten Mann unter Verdacht, können ihm die Morde aber nicht wirklich zur Last legen und suchen daher fieberhaft nach handfesten Beweisen. In den Gegenwartspassagen passiert in der ersten Buchhälfte bis auf die verzweifelten Befreiungsversuche der Entführten eigentlich nicht viel, das ändert sich aber im späteren Verlauf, als dann noch die Perspektive ihrer Freunde und Kollegen dazukommt, die nach Jack suchen und sie retten wollen. Der Vorteil dieser drei Handlungsebenen ist ganz klar der, dass die Geschichte dadurch sehr kurzweilig ist und man praktisch drei kleine Storys mit jeweils einem eigenen Showdown hat.

Bereits der siebte Band der Thrillerreihe um Jacqueline „Jack“ Daniels

Allerdings wirkt die Figurenkonstellation in den Handlungssträngen manchmal etwas verwirrend. Die Protagonisten sind zwar häufig die gleichen, allerdings haben sich diese im Laufe der Zeit teilweise radikal verändert. Die Gründe für diese Verwandlungen bleiben dem Leser aber leider vorenthalten, wodurch man manchmal das Gefühl hat, dass in der Geschichte etwas wichtiges fehlt. So ist zum Beispiel Jacks extrem korpulenter Partner 21 Jahre vorher noch rank und schlank, hier wäre es sicherlich interessant gewesen zu erfahren, wie es zu der enormen Körperfülle kommen konnte. Möglicherweise wurde dies aber auch bereits in den Vorgängerbänden enthüllt, denn wie ich erst während der Lektüre herausgefunden habe, ist „Mr. K“ bereits der siebte Band der Reihe um Jacqueline Daniels. Leider sind die sechs Vorgänger aber nicht in deutscher Sprachfassung erschienen, sodass Neueinsteigern wie mir ganz offensichtlich manche Entwicklungen und Erklärungen schlicht und einfach fehlen.

J.A. Konrath = Jack Kilborn = brutal & humorvoll

Was man als Leser auch noch wissen sollte, ist die Tatsache, dass der Autor Joseph Andrew Konrath auch unter dem (vermutlich deutlich bekannteren) Pseudonym Jack Kilborn (z.B. „Angst“) schreibt – und wer schon mal eines dieser Werke gelesen hat, der weiß ungefähr, worauf man sich bei „Mr. K“ gefasst machen muss. Das Buch ist unglaublich kompromisslos und zeichnet sich durch ein hohes Maß an Brutalität aus, das für zarte Gemüter den Rahmen des Erträglichen vermutlich deutlich überschreitet. Das fängt der Autor aber ein wenig durch den aus meiner Sicht sehr gelungenen Humor ab, der nicht selten herzhafte Lacher zur Folge hat. Gerade die bissigen und sarkastischen Dialoge machen richtig Spaß und bilden einen willkommenen Gegenpol zu den geschilderten Grausamkeiten.

Schlussfazit:
„Mr. K“ von J.A. Konrath ist kein tiefgründiger Kriminalroman, der mit detaillierter Ermittlungsarbeit oder sorgfältiger Charakterzeichnung brilliert. Die Figuren bleiben allesamt etwas oberflächlich und auch in Sachen Story hat man sicherlich schon Anspruchsvolleres gelesen. Macht aber nichts, denn das Buch bietet gleich drei rasante Handlungsstränge mit jeder Menge Nervenkitzel und noch dazu humorvolle Dialoge und knallharte Sprüche. Hart geht es auch in Bezug auf die geschilderte Gewalt zu, denn Mr. K wäre schließlich nicht Amerikas meist gefürchteter Serienkiller, wenn er sich bei seinen Morden nicht äußerst einfallsreich zeigen würde.

Brutaler, hochspannender und witziger Serienkiller-Thriller

Wer also einfach mal Lust auf ein paar spannende Stunden ohne großes Nachdenken hat und dafür Abstriche in Sachen Tiefgang machen kann, der wird mit Konraths bitterbösem Serienmörder-Thriller bestens bedient. Ein wenig schade ist zwar die etwas lückenhafte Erzählung, die gerade in Bezug auf die Figurenkonstellation oft Kenntnisse der Vorgängerromane voraussetzt, doch dafür bietet das Buch ein extrem konsequentes Finale, welches den Puls noch einmal in ungeahnte Höhen schießen lässt. Wer also die Titel von Jack Kilborn oder die Cody-McFadyen-Bücher mag, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an „Mr. K“ Gefallen finden. Bleibt zu hoffen, dass AmazonCrossing nachträglich auch noch die vorherigen Bände in Deutschland herausbringt, denn Jack Daniels und ihr Team machen ganz klar Lust auf mehr.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Mr. K” von J.A. Konrath ist bei AmazonCrossing erschienen und hat einen Umfang von 302 Seiten. Das Buch ist für 9,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es direkt bei Amazon.de.

Kommentar verfassen:

2 Antworten zu diesem Beitrag