Autorin: Mara Laue
Umfang: 358 Seiten
Verlag: Goldfinch Verlag
Erscheinungstermin: 02. April 2012
Preis: Taschenbuch 12,95 €/eBook 7,99 €

Klappentext:
Kieran MacKinnon saß zwanzig Jahre im Gefängnis wegen Mordes an seiner Freundin. Völlig betrunken soll er sie eines Nachts am Strand erstochen haben, die Beweise sprechen dafür, er kann sich an nichts erinnern.
Jetzt kehrt er zurück in seine Heimat auf die Insel Skye und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch bald darauf wird wieder eine Frauenleiche gefunden. Und wie damals liegt eine Whiskyflasche mit Kierans Fingerabdrücken neben ihr …

Meine Buchbesprechung:
Zwanzig Jahre ist es her, seit Kieran MacKinnon das letzte Mal einen Fuß auf die schottische Insel Skye gesetzt hat, den Ort, an dem er geboren wurde und seine gesamte Kindheit verbrachte – bis eine Nacht sein Leben für immer veränderte. Nach einer wilden Partynacht wachte der 18-jährige Kieran damals am Strand von Broadford auf – neben einer leeren Whiskyflasche und auf der Leiche seiner Freundin Allison MacLeod. Der Körper des Mädchens war mit Messerstichen übersät, außerdem wurde ihr die Kehle durchgeschnitten. Für die Polizei war der Fall eindeutig: Kieran hat im Alkoholrausch die Kontrolle verloren und nach einem Streit seine Freundin getötet. Die Beweise sprachen ebenso eine eindeutige Sprache und so wanderte MacKinnon wegen Mordes für zwanzig Jahre ins Gefängnis.

Ein (zu Unrecht?) verurteilter Mörder auf seinem Weg zurück in ein normales Leben

Nun hat Kieran seine Strafe abgesessen und kehrt zurück in seine Heimat, wo er entgegen aller Widrigkeiten wieder Fuß fassen will. Dazu gehört nicht nur ein Platz zum Wohnen, sondern auch ein Job, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Auf seine Eltern kann er dabei nicht zählen, denn diese haben ihn nach der Verurteilung aus ihrem Clan verstoßen und wollen auch zwanzig Jahre danach nichts mehr mit ihm zu tun haben. Nur sein Onkel Angus und sein Bruder Paddy stehen ihm unterstützend zur Seite: Angus verschafft Kieran eine vorübergehende Bleibe und Paddy sorgt dafür, dass er in der auf Skye beheimateten Talisker Whisky Destillerie einen Arbeitsplatz bekommt. Auch wenn bereits zwanzig Jahre seit dem Mord an Allison MacLeod vergangen sind, so lässt Kieran seine Vergangenheit immer noch nicht los. Bereits kurz nach seiner Ankunft stirbt ein alter Mann an einem Herzinfarkt, da er in Kieran den Broadford-Killer erkennt und eine tödliche Panikattacke bekommt. Auch die Inselbewohner machen ihm das Leben zur Hölle und bringen deutlich zum Ausdruck, dass der verurteilte Mörder auf Skye alles andere als willkommen ist…

Ein schottischer Traditionswhisky als Inspiration für einen Roman

„Talisker Blues“ ist der neue Roman der deutschen Autorin Mara Laue, die seit Jahren Fantasy- und Science-Fiction-Storys sowie Kriminalgeschichten veröffentlicht. Die Inspiration für das Buch lieferte der titelgebende Talisker Whisky, der dann in der Geschichte eine auch nicht unwesentliche Rolle spielt. Zum einen bestimmt er den Schauplatz des Romans, denn Laue hat ihre Story rund um die berühmte Talisker-Destillery auf der Insel Skye platziert, die als größte Insel der Inneren Hebriden vor der Westküste Schottlands liegt. Außerdem ist der Talisker auch in den Fall des ermordeten Mädchens involviert. Die Hauptfigur hatte nämlich kurz vor der Tat fast eine gesamte Flasche getrunken und vom Alkohol benebelt seine Freundin brutal ermordet – so zumindest die offizielle Version von Polizei und Justiz.

Grundsympathische Hauptfigur – ist so ein Mensch zu einer grausamen Bluttat fähig?

Dass diese Darstellung aber nicht ohne letzte Zweifel ist, wird dem Leser sehr schnell klar. So kann sich Kieran MacKinnon, der vermeintliche „Broadford-Killer“, auch zwanzig Jahre danach immer noch nicht an den Mord erinnern, so sehr er sich auch bemüht hat, seine Erinnerungslücken zu füllen. Eigentlich ist er auch gar nicht der Typ für so ein Verbrechen, denn Kieran war in seiner Kindheit als freundlicher Junge bekannt, der zwar häufiger in Schlägereien verwickelt war, aber immer nur, um seinen nach einem Unfall verkrüppelten Bruder zu verteidigen. Während seines langjährigen Gefängnisaufenthalts hat Kieran jedoch seine Schuld akzeptiert, schließlich waren die Beweise damals derart eindeutig, dass es keine andere Erklärung für Allisons Tod geben kann. So wie Mara Laue ihren Charakter zu Beginn vorstellt, schreit der Fall aber bereits laut nach einem zu Unrecht verurteilten Unschuldigen, dem irgendwie übel mitgespielt wurde. Kieran wird nämlich als herzensguter Mann dargestellt, der eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Im Gefängnis war er ein vorbildlicher Häftling, er hat seine Schuld trotz inneren Zweifeln akzeptiert, steht für seine vermeintliche Tat gerade und tritt zudem nach seiner Rückkehr überall äußerst freundlich, zuvorkommend und als wohlerzogener Mann auf, der Werte wie Anstand und Moral verkörpert. Da hat man als Leser trotz seiner Verurteilung fast schon zwangsläufig Mitleid, als Kieran überall auf Ablehnung stößt und zur Krönung noch ein alter Mann aus purer Angst vor dem „Broadford-Killer“ an einem Herzinfarkt verstirbt.

Ein zermürbender Kampf gegen viel Widerstand und für die Gerechtigkeit

Anschließend begleitet man MacKinnon bei seinem Versuch, wieder im richtigen Leben Fuß zu fassen und sich an die zurückgewonnene Freiheit zu gewöhnen. Er bekommt mit Hilfe seines Bruders einen Job als Hilfskraft in der Whisky-Destillerie und rettet im Vorbeigehen einer jungen Biologin das Leben, die nach einem Bootsunfall bewusstlos auf dem Wasser trieb und ohne das Eingreifen des Ex-Häftlings vermutlich ertrunken wäre. Natürlich zeigt sich Catriona MacDonald dafür äußerst dankbar und da die Frau zudem noch äußerst attraktiv ist, ahnt der Leser bereits, was als nächstes kommen wird. Die beiden kommen sich langsam näher und es sieht fast so aus, als würde Kieran auf seinem Weg in ein normales Leben Erfolg haben. Allerdings schwebt über allem bereits die Ahnung, dass es dem Rückkehrer dann aber doch nicht ganz so leicht gemacht wird. Im Ort spricht sich langsam herum, dass der „Broadford-Killer“ nach Skye zurückgekehrt ist und somit wendet sich das Blatt, was schließlich in dem im Klappentext angekündigten neuerlichen Mord gipfelt. Warum man hier allerdings wieder einmal fast die gesamte Geschichte auf dem Buchrücken verraten musste, ist für mich nicht nachvollziehbar. Bis es nämlich zu dem zweiten Mord kommt, sind bereits zwei Drittel des Romans vorbei – das geht meiner Meinung nach weit über das hinaus, was ein Klappentext über den Inhalt eines Buches verraten sollte.

Vorhersehbare Geschichte und naive Charaktere…

Das ist im Fall von „Talisker Blues“ aber zugegebenermaßen nicht ganz so schlimm, da die Geschichte ohnehin schrecklich vorhersehbar ist. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei welchem man derart treffsicher die nächsten Entwicklungen vorraussagen konnte wie bei Mara Laues Schottland-Krimi. Bereits nach den ersten Seiten bestehen eigentlich kaum noch Zweifel an der Unschuld von Kieran MacKinnon und so geht es eigentlich nur noch um die Frage, wer tatsächlich für den Mord an Allison MacLeod verantwortlich ist. Da die Anzahl der Charaktere in dem Buch aber sehr überschaubar ist, kommt man recht schnell auf die richtige Fährte, auch wenn die Autorin noch etwas plump versucht, ein paar falsche Hinweise zu verteilen. Dazu kommt dann noch, dass die Hauptfiguren alle furchtbar naiv und blauäugig sind, allen voran Catie MacDonald. So hat diese offenbar überhaupt keine Bedenken, ihre Zeit mit einem verurteilten Mörder zu verbringen, noch dazu in einem abgelegen stehenden Wohnwagen am Strand der Insel. Warum auch, schließlich ist Kieran doch so nett und zurückhaltend, da wird schon nichts passieren…

… mit denen man aber trotz aller Klischees gerne mitfiebert

Das Gute an „Talisker Blues“ ist jedoch, dass die Geschichte trotz aller Klischees hervorragend funktioniert. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass die beiden Hauptfiguren Kieran MacKinnon und Catie MacDonald einfach wahnsinnig sympathisch sind. Obwohl es Kieran trotz zwanzig Jahren Gefängnis völlig an Ecken und Kanten fehlt und auch dessen traumatische Erlebnisse während der Haft nur zaghaft angedeutet werden, lässt man sich als Leser bereitwillig auf dessen Seite ziehen und fiebert über die gesamte Story mit ihm mit – wenn eh schon alle gegen den Rückkehrer sind, kann ein Verbündeter ja nicht schaden. Und so geht es dann gemeinsam gegen rachsüchtige Angehörige des Opfers, verbohrte Schwiegereltern in spe oder verbissene Polizisten. Auch die Tatsache, dass die Liebesgeschichte zwischen Kieran und Catie zuweilen schon etwas schwülstig daherkommt, fällt überraschenderweise überhaupt nicht negativ ins Gewicht.

Packende Atmosphäre und tolles Schottland-Feeling

Ein weiterer großer Pluspunkt der Geschichte ist das Setting. Die Insel Skye ist als Schauplatz hervorragend gewählt und wird von Mara Laue auch sehr anschaulich beschrieben. Ob einsamer Strand, felsige Klippen oder unruhiges Gewässer – man kann sich die Orte leicht bildlich vorstellen, noch dazu passt das rauhe Klima bestens zur eher düsteren Thematik. Auch die Eigenheiten der Insel und ihrer Bewohner werden von der Autorin gut eingefangen. Man erfährt einiges über die Traditionen der Skyemen und die drei großen Clans der MacLeods, MacDonalds und MacKinnons und bekommt auch einen kleinen Gälisch-Schnupperkurs geboten. Neben den inhaltlichen Aspekten sorgt aber auch Laues flüssiger Schreibstil dafür, dass sich das Buch sehr leicht konsumieren lässt.

Schlussfazit:
„Talisker Blues“ ist sicherlich kein unglaublich gut konstruierter Kriminalroman, dafür ist die Geschichte um Kieran MacKinnon viel zu vorhersehbar und zu einfach gestrickt. Aufgrund der Darstellung der Hauptfigur als Traum aller Schwiegermütter hat man von Anfang an kaum Zweifel an dessen Schuld und auch die Auflösung ist für routinierte Krimileser keine große Überraschung. Trotzdem hat mich das Buch richtig gefesselt und dafür gesorgt, dass ich es nur ungern aus der Hand gelegt habe.

Leichte Krimi-Unterhaltung mit Rosamunde-Pilcher-Touch

Dazu tragen in erster Linie die wirklich grundsympathischen Hauptfiguren und die tolle Atmosphäre bei. Eigentlich ist der Roman auch erst zum Ende hin ein richtiger Kriminalroman, zuvor schwankt die Handlung eher zwischen Drama und Insel-Romanze. Wer also einen Krimi mit Tiefgang und komplexen Charakteren sucht, ist bei Mara Laues Buch vermutlich nicht so gut aufgehoben. Wem dagegen der Sinn nach leichter und trotz aller Vorhersehbarkeit spannender Unterhaltung steht, der ist mit dieser düsteren Rosamunde-Pilcher-Variante bestens bedient. Gerade für Schottland-Fans ist „Talisker Blues“ allemal eine Empfehlung wert.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Der Titel „Talisker Blues“ von Mara Laue ist im Goldfinch Verlag erschienen und hat einen Umfang von 358 Seiten. Das Buch kann für 12,95 € hier bestellt werden. An dieser Stelle auch vielen Dank an den Goldfinch Verlag und Bloggdeinbuch.de, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!


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