Autor: Sebastian Fitzek, Johanna Steiner
Sprecher: Simon Jäger, Sascha Rotermund, David Nathan, Tanja Geke, Tilo Schmitz, Erich Räuker, Oliver Siebeck, Nana Spier
Länge: 07 Std. 18 Min. (ungekürzt)
Anbieter: Audible GmbH
Preis: 20,95 € (9,95 € im Flexi-Abo von Audible.de)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Strafverteidiger Robert Stern staunt nicht schlecht, als er sieht, wer der geheimnisvolle Mandant ist, mit dem er sich auf einem abgelegenen und heruntergekommenen Industriegelände treffen soll: Simon, ein zehnjähriger Junge, zerbrechlich, todkrank – und fest überzeugt, in einem früheren Leben ein Mörder gewesen zu sein. Doch Robert Sterns Erstaunen wandelt sich in Entsetzen und Verwirrung, als er in jenem Keller, den Simon beschrieben hat, tatsächlich menschliche Überreste findet: ein Skelett, der Schädel mit einer Axt gespalten. Und dies ist erst der Anfang. Denn Simon berichtet nicht nur von weiteren, vor Jahren hingerichteten Opfern, schon bald wird auch die Gegenwart mörderisch…

Meine Hörspielbesprechung:
Robert Stern ist 45 Jahre alt, lebt in Berlin und ist ein erfolgreicher Strafverteidiger. Bei der Staatsanwaltschaft wird er gefürchtet, da er in seiner Karriere schon zahlreiche Anklagen niedergeschmettert und so manchen Kriminellen vor dem eigentlich verdienten Knastaufenthalt gerettet hat. Im privaten Bereich hat Robert jedoch weniger Glück gehabt. Zwar sah er vor zehn Jahren gemeinsam mit seiner Frau einer rosigen Zukunft als kleine Familie entgegen, doch der gemeinsame Sohn starb damals nur wenige Stunden nach der Geburt an plötzlichem Kindstod. Die Beziehung hat diesen schweren Schicksalsschlag nicht überstanden und während seine jetzige Ex-Frau mittlerweile wieder verheiratet ist und zwei gesunde und quirlige Töchter hat, hat sich Robert Stern völlig zurückgezogen und nimmt abseits seines Berufslebens kaum noch am gesellschaftlichen Leben teil.

Ein 10-jähriger Krebspatient als Reinkarnation eines Serienkillers?

Einer seiner wenigen sozialen Kontakte ist die Krankenschwester Carina, seine ehemalige Geliebte, die mit einem besonderen Anliegen an Robert herantritt. Sie bittet ihren Ex-Freund, einen ihrer Bekannten anwaltlich zu vertreten und bestellt ihn zu diesem Zweck auf ein verlassenes Industriegelände. Dort angekommen erlebt Stern eine Überraschung, denn der potenzielle Mandant ist ein zehnjähriger Junge, der obendrein mit einer abenteuerlichen Geschichte aufwarten kann. Der schwerkranke Simon, der an einem inoperablen Gehirntumor leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat, behauptet nämlich steif und fest, an eben diesem einsamen Ort einen Menschen brutal ermordet zu haben. Das klingt für Robert eigentlich schon merkwürdig genug, doch als Simon dann noch erklärt, dass dieses Verbrechen bereits 15 Jahre zurückliegt, will der vielbeschäftigte Anwalt den Fall schon als Zeitverschwendung abtun. Doch zu seiner und Carinas Überraschung finden die drei in einer Kellerruine die verweste Leiche eines Mannes, der vor langer Zeit genau so gestorben ist, wie Simon es ihm soeben berichtet hat…

Ungekürzte Hörspiel-Umsetzung des Fitzek-Bestsellers – parallel zum Kinostart der Buchverfilmung

„Das Kind“, der dritte Thriller des Berliner Bestsellerautors Sebastian Fitzek, ist momentan in aller Munde – und das, obwohl das Buch bereits vor vier Jahren veröffentlicht wurde. Allerdings wurde der erfolgreiche Roman nun von Regisseur Zsolt Bács in enger Zusammenarbeit mit dem Autor verfilmt und läut seit Mitte Oktober in den deutschen Kinos. Darüber hinaus kommt dem Werk noch von anderer Stelle besondere Aufmerksamkeit zu, denn die Romanvorlage wurde vom führenden Hörbuchportal Audible.de in Zusammenarbeit mit Oliver Rohrbecks Lauscherlounge auch noch vertont – und zwar nicht als normales Hörbuch, sondern als ungekürztes Hörspiel mit einer Länge von über sieben Stunden. Und obwohl ich den Titel damals bereits in der Hörbuchfassung gehört habe, kam ich als Fitzek-Fan natürlich nicht umhin, mir diese außergewöhnliche Produktion ebenfalls zur Gemüte zu führen.

Mysteriöser Storyauftakt – Esoterik-Thriller oder realistischer Psychoschocker?

Wie man anhand der kurzen Inhaltsangabe bereits erahnen kann, beginnt die Story von „Das Kind“ recht mysteriös. Ein 10-Jähriger sucht sich über Umwege einen bekannten Star-Anwalt und behauptet allen Ernstes, vor 15 Jahren einen Mann mit einer Axt erschlagen und darüber hinaus noch viele weitere Menschen ermordet zu haben. Kein Wunder, dass Robert Stern, die Hauptfigur des Thrillers, das Ganze für einen lahmen Jungenstreich hält und schon genervt zu seinen „richtigen“ Fällen zurückkehren will. Als der kleine Simon seine beiden Begleiter dann aber zu der Leiche führt, sind Protagonist und Hörer wohl gleichermaßen verdutzt. Ist der todkranke Junge tatsächlich ein wiedergeborener Serienkiller, der vor mehr als einem Jahrzehnt seine blutige Spur durch die deutsche Hauptstadt gezogen hat? Für die daraufhin eingeschaltete Polizei stellt sich der Fall aber deutlich bodenständiger dar. Sie traut der Geschichte des Anwalts nicht so recht und würde den ungeliebten Widersacher nur allzu gerne selbst in der Rolle des Angeklagten sehen – allerdings fehlt für mehr als eine eindringliche Vernehmung Sterns jeglicher Beweis für dessen Verwicklung in den Mord.

Eine Überraschung jagt die nächste – kaum Zeit zum Durchschnaufen

Dieses Szenario alleine ist bereits recht interessant und geheimnisvoll, doch einem Sebastian Fitzek scheint dies als Nervenkitzel noch nicht auszureichen. So schockt er seine Hauptfigur und die Hörer kurz darauf ein zweites Mal: Als Stern nach diesem aufregenden und ereignisreichen Tag nämlich nach Hause kommt, findet er im Postfach eine DVD seines Online-Filmverleihs, doch als er diese in den Player legt, erlebt er eine erneute böse Überraschung. Auf der DVD befindet sich nämlich kein Spielfilm, sondern ein zehn Jahre altes Video, das seinen Sohn Felix und dessen letzte Minuten auf der Kinderklinik zeigt – und anschließend einen etwa zehnjährigen Jungen, der das gleiche Muttermal aufweist wie das Baby in den Szenen zuvor. Darüber hinaus meldet sich eine verzerrte Stimme, die Stern anweist, den wahren Mörder des Mannes zu finden, falls er seinen tot geglaubten Sohn wiedersehen möchte – und für Robert beginnt ein nicht enden wollender Albtraum, der ihn immer tiefer in einen Sumpf von abscheulichen Verbrechen zieht…

Packende Geschichte vor einem ernsten Hintergrund

Was Sebastian Fitzek im ersten Drittel des Buches an Überraschungen und Wendungen auffährt, ist wie aus einem Lehrbuch für einen mitreißenden und packenden Psychothriller. Man hat als Hörer kaum Zeit, sich von einem Schock zu erholen, da holt Fitzek bereits zum nächsten Tiefschlag aus. Überdies lässt der Autor seine Geschichte auch noch vor einem sehr ernsten und schwer verdaulichen Hintergrund ablaufen, denn in seiner Story dreht sich viel um Kinderhandel mit all seinen abstoßenden Facetten. Fitzek taucht hier tief in das Milieu der Pädophilen ein und berichtet von alltäglichen Verbrechen im Untergrund, die einem schlichtweg den Atem rauben – so schwer vorstellbar ist das Ausmaß dieses Sumpfes, der schon hinter harmlos erscheinenden Annoncen am schwarzen Brett des nächsten Supermarktes lauert. Wie viel davon tatsächlich Tag für Tag so abläuft und was der Fantasie des Autors entsprungen ist, lässt sich dabei schwer sagen – schockierend ist das aber allemal. Irgendwann ab der Mitte der Geschichte nimmt Fitzek dann ein wenig das halsbrecherische Tempo raus und „Das Kind“ pendelt sich auf einem guten Spannungsniveau ein, welches das Buch bis zum überraschenden Schluss halten kann. Dass dabei nicht immer alles ganz glaubwürdig ist und gerade die (trotzdem sehr gelungene) Auflösung doch arg konstruiert erscheint, ist absolut zu verschmerzen und tut der Unterhaltung keinen Abbruch.

Die Sprecher:
Die Geschichte alleine ist bereits die Aufmerksamkeit wert, doch mein eigentlicher Kaufgrund war ja wie eingangs erwähnt die Produktion selbst. Meine Hörspielerfahrung beschränkte sich bisher meist auf einstündige Krimis oder Horrorgeschichten (wie z.B. der Sherlock-Holmes-Reihe von Titania), doch eine ungekürzte Umsetzung eines Sebastian-Fitzek-Romans durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Vor allem, da Audible und die Lauscherlounge unter der Leitung von Hörspielmacherin Johanna Steiner wirklich das Who-is-who der deutschen Sprecherriege aufgefahren haben. Dass Simon Jäger dabei die Rolle des Erzählers übernimmt, ist dabei eigentlich selbstverständlich – schließlich ist dieser Stamm-Sprecher der Fitzek-Thriller.

Versammelte Sprecher-Elite und klasse Geräuschkulisse

Darüber hinaus haben sich für den Titel mit Sascha Rotermund (als Robert Stern), Tanja Geke (Carina), Erich Räuker, Nana Spier und David Nathan noch weitere absolute Top-Sprecher versammelt, sodass das Hörspiel zu einem echten Leckerbissen für Thrillerfans wird. Gerade die Hauptrollen, darunter auch David Kunze als Simon Sachs, sind perfekt besetzt und sorgen für Kopfkino vom allerfeinsten. Meine persönlichen Favoriten sind jedoch Tilo Schmitz als Sterns knurriger und etwas zwielichtiger Kumpel Borchert sowie (welch Überraschung!) David Nathan als grandios verschnupfter Kommissar. Auch was die Soundeffekte betrifft, gibt es nichts zu meckern. Prasselnder Regen, hektische Actionszenen oder scheppernder Autounfall – die Geräuschkulisse passt stets perfekt zur jeweiligen Handlung und sorgt dafür, dass sich der Hörer wie ein Teil der Geschichte fühlen darf. Falls sich jemand darüber wundert, warum das Hörspiel knapp sieben Stunden, das Hörbuch aber gut neun Stunden lang ist, der sei darauf hingewiesen, dass z.B. Füllwörter wie „sagte Stern“ oder „schrie Carina“ natürlich im Hörspiel nicht gelesen werden müssen und so einige Kleinigkeiten gestrichen werden konnten. Auch sei der Hinweis erlaubt, dass natürlich nicht die volle Laufzeit aus reinem Hörspiel besteht, sondern Simon Jäger als Sprecher selbstverständlich den Hauptteil der Titellänge einnimmt.

Schlussfazit:
Ein Thriller von Sebastian Fitzek als ungekürzte Hörspielproduktion – ist das Resultat so gut, wie man es von dieser Kombination erwarten darf? Die Antwort lautet klipp und klar: JA! Die Story ist ohnehin schon spannend und dramatisch, doch in dieser außergewöhnlichen Umsetzung mit tollen Geräuscheffekten und einem Großteil der besten deutschen Sprecher wird das Buch zu einem ganz besonderen Erlebnis, das man sich als Thrillerfan einfach nicht entgehen lassen darf.

Packender Thriller in einer grandiosen Hörspielproduktion

Ein wenig schade ist lediglich, dass man sich für diese Produktion nicht unbedingt Fitzeks bestes Werk vorgenommen hat, sondern mit „Das Kind“ einen zwar guten bis sehr guten, aber keinen überragenden Thriller wie z.B. „Der Seelenbrecher“ ausgewählt hat. Das mag aber auch sicherlich daran liegen, dass dieser gerade in den Kinos läuft und die Wahl somit recht naheliegend war. Trotzdem gibt es von mir eine eindeutige Hörempfehlung: Bitte kauft euch alle diesen Titel, dann dürfen wir in Zukunft vielleicht in den Genuss weiterer ungekürzter Hörspiele von diesem Ausmaß und dieser Qualität kommen. Gute Story, überragende Umsetzung – das ergibt zusammen ein sehr gutes Hörspiel, das man einfach gehört haben MUSS!

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
Das Hörspiel „Das Kind“ von Sebastian Fitzek hat eine Länge von 7 Stunden und 18 Minuten und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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