Autor: Moritz Matthies
Sprecher: Christoph Maria Herbst
Länge: 05 Std. 09 Min. (gekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
„Gestatten? Mein Name ist Ray. Seit ich denken kann, will ich Privatdetektiv werden. Im Grunde, das wird jedem einleuchten, gibt es keinen Job, für den ein Erdmännchen besser geeignet wäre. Überwachen und Observieren gehören quasi zu unserer genetischen Grundausstattung. Gleiches gilt für Spuren lesen und Herumschnüffeln. Ich bin der geborene Schnüffler. Nur dass meine Fähigkeiten hier im Zoo völlig verkannt werden. Besser gesagt: wurden. Denn heute ist Phil aufgetaucht. Und so, wie es aussieht, braucht er unsere Hilfe.“

Meine Hörbuchbesprechung:
Ray lebt mit seiner Familie im Berliner Zoo und ist ein Erdmännchen. Seine Tage verbringt er in der Regel mit seinem cleveren Bruder Rufus, der als einziger in seiner Sippe lesen und schreiben kann, und gemeinsam übernehmen die beiden pflichtbewusst das Überwachen des Erdmännchengeheges und der Aktivitäten im Zoo. Viel gibt es dort jedoch nicht zu beobachten, denn der normale Alltag ist eigentlich alles andere als spannend – bis Ray in einer Nacht plötzlich zwei Schüsse hört. Die Neugier des Möchtegern-Detektivs ist damit entfacht und das vorlaute Erdmännchen stürzt sich Hals über Kopf in die Ermittlungen.

Vorlautes Erdmännchen und betrunkener Privatdetektiv ermitteln in Entführungsfall

Dabei bekommt er unerwartete Unterstützung, denn am nächsten Tag taucht vor dem Gehege ein Mann auf, der in alkoholisiertem Zustand – warum auch immer – Erdmännisch versteht. Der leicht verwahrloste Typ stellt sich als Phil vor, der zudem noch als Privatdetektiv tätig ist. Als dieser die Erdmännchen dann auch noch im Fall eines verschwundenen älteren Mannes um Mithilfe bittet, kann Ray sein Glück kaum fassen und sieht seine große Chance gekommen. Endlich kann er sein Schnüfflertalent ausspielen und seiner Familie zeigen, wer in dem Clan die Hosen anhat…

Moritz Matthies oder doch Tommy Jaud?

„Ausgefressen“ ist das Romandebüt des deutschen Autors Moritz Matthies – zumindest will uns das der Verlag so verkaufen. Allerdings ist der Name des Autors ein Pseudonym, hinter dem sich ein bekannter deutscher Comedyautor verstecken soll. Über die wahre Identität des Schöpfers gibt es keine näheren Informationen, es wird jedoch spekuliert, dass der Erdmännchen-Krimi von keinem geringeren als Tommy Jaud geschrieben wurde. Wenn man mal das „Ausgefressen“-Titelmotiv mit dem Buchcover der Jaud-Komödie „Hummeldumm“ vergleicht, erscheint der Verdacht nicht völlig unbegründet.

Erdmännchen Ray: frech, selbstbewusst und hoffnungslos verliebt

Tierkrimis erfreuen sich ja seit geraumer Zeit großer Beliebtheit und nach Schafen, Katzen oder Mäusen hat nun eine Gruppe von Erdmännchen ihren großen Auftritt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht wie erwähnt der freche Ray, der sich selbst für ganz schön genial hält, sich aber von seiner Familie nicht entsprechend gewürdigt fühlt. Auf den freigewordenen Posten als Clanchef hat er daher eher geringe Chancen, denn als Favorit gilt sein Bruder Rocky, der zwar ein ziemlicher Muskelprotz, ansonsten aber nicht gerade der Hellste ist. Dummerweise sind damit auch Rays Erfolgsaussichten beim weiblichen Geschlecht weitestgehend überschaubar. Die Erdmännchenweibchen sind ihm zwar weitestgehend egal, doch im Gehege nebenan wohnt das bezaubernde Chinchilla-Weibchen Elsa, der Ray völlig verfallen ist.

Als dann aber der betrunkene Privatermittler Phil auftaucht, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Dieser sucht nach einem Mann, der vor seinem Verschwinden zuletzt im Zoo gesehen wurde. Da Ray mit der Information über die nächtlichen Schüsse auftrumpfen kann, holt der Detektiv die Erdmännchen mit ins Boot, was für Ray gleich zwei Vorteile hat. Er kann seiner gesamten Familie sowie Elsa zeigen was in ihm steckt und für die Mithilfe lässt Phil auch noch ein paar Delikatessen und technische Spielereien wie Smartphones oder Musikboxen springen, mit denen der langweilige Erdmännchenalltag der Vergangenheit angehört.

Knallbunte und urkomische Charaktere, durchschnittlich spannender Krimiplot

Moritz Matthies legt mit seiner aberwitzigen Geschichte einen furiosen Auftakt hin. Dabei steht zunächst weniger die eigentliche Story im Mittelpunkt, sondern vielmehr die diversen Zoobewohner, welche alle auf unterhaltsame Weise vorgestellt werden. Dabei kommt aber kaum jemand gut weg, denn egal ob grenzdebile Flamingos oder dümmliches Nashornpärchen – die meisten Tiere werden nicht gerade als intellektuelle Leuchten dargestellt. Das ist zwar ganz schön abwertend, hat aber einen hohen Unterhaltungswert, vor allem da Ray die Tollpatschigkeit seiner Nachbarn gerne ausnutzt. Ist der Rundgang durch den Zoo dann abgeschlossen, widmet sich Matthies verstärkt dem Kriminalfall. Nach und nach tauchen diverse Leichen auf, welche das Rätsel um den verschwundenen alten Mann noch zusätzlich erschweren. Leider geht der Story aber nach rund der Hälfte mächtig die Puste aus. Der Krimiplot ist eher wenig originell und lässt auch nicht viel Raum zum Mitraten, dafür verteilt der Autor einfach zu wenig Anhaltspunkte. Zudem verlagert sich in der Buchmitte der Schauplatz aus dem Zoogelände heraus, wodurch ungünstigerweise auch die große Stärke der Geschichte, nämlich die urkomischen Tiere, auf der Strecke bleiben. Die Gags zünden nun nicht mehr ganz so häufig und die anfangs vorhandene Spritzigkeit geht mehr und mehr verloren. Leider wirken sich auch die Kürzungen nicht immer positiv auf das Hörbuch aus, so wirken manchen Szenenwechsel ein wenig sprunghaft und zu abrupt.

Der Sprecher:
Kommen wir nun zum alles überragenden Pluspunkt dieses Hörbuches, nämlich dem Sprecher Christoph Maria Herbst, der den meisten wohl durch seine Paraderolle in der Pro7-Serie „Stromberg“ bekannt sein dürfte. Für mich persönlich war „Ausgefressen“ das erste Hörbuch mit diesem Erzähler, doch nach dieser sensationellen Lesung wird es mit Sicherheit nicht das letzte bleiben.

Grandioser Christoph Maria Herbst sorgt für Hörspiel-Charakter

Christoph Maria Herbst verfügt über ein schier unglaubliches Repertoire an verschiedenen Stimmlagen. Egal ob rotzfreches Erdmännchen, aufgedrehter Flamingo, zorniges Nashorn, verführerische Chinchilla-Dame oder bedrohlicher Gorilla-Mafioso – alle Charaktere klingen bei Herbst grundverschieden und sind in der Regel fast lustiger als die eigentlichen Witze. Manchmal sind die Stimmen sogar so stark verstellt, dass man überhaupt keine Ähnlichkeit mehr zur normalen Sprechstimme des Erzählers erkennen kann. Diese Lesung hat absoluten Hörspielcharakter, noch dazu weil Herbst nicht nur verschiedene Stimmlagen, sondern auch noch unzählige Dialekte nahezu in Perfektion beherrscht. Mann kann diese Sprecherleistung eigentlich gar nicht hoch genug loben – sie zählt unbestritten zu den besten, die ich bisher erlebt habe.

Schlussfazit:
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir das Hörbuch „Ausgefressen“ ohne den Sprecher Christoph Maria Herbst wohl niemals angeschafft hätte, denn ich bin weder ein großer Freund von Krimis mit Tieren als Hauptdarsteller, noch greife ich in der Regel freiwillig zu gekürzten Hörbuchfassungen. Und wenn man dann den Erzähler mal weglässt, ist diese Erdmännchen-Story auch nicht viel mehr als ein passabler Krimi mit überschaubarem Spannungslevel und einem ganz annehmbaren Humor. Dieser ist zwar wenig anspruchsvoll, bietet aber durchaus ein paar gelungene Sprüche und viel Ironie, sodass das Publikum solide unterhalten wird.

Anspruchsloser Urlaubskrimi mit mäßiger Story aber viel Witz

In diesem Fall kann ich aber nur dringend zur Hörbuchversion raten, selbst wenn diese nur in gekürzter Form erhältlich ist. Doch durch die Lesung von Christoph Maria Herbst wird „Ausgefressen“ enorm aufgewertet und aus der eher unspektakulären Geschichte entsteht ein wirklich lustiges Hörbuch. Leider sorgt die schwächere zweite Hälfte der Handlung aber auch dafür, dass Herbst sein Potenzial nicht mehr ganz abrufen muss, denn dessen Vielfalt ist plötzlich nicht mehr gefordert. Trotzdem ist dieser freche Erdmännchen-Krimi aber ein empfehlenswertes Hörbuch für den Sommerurlaub, der trotz der tierischen Hauptfiguren aber nur bedingt für ein jüngeres Publikum geeignet ist – dafür ist der Humor von Moritz Matthies wohl stellenweise ein wenig zu schlüpfrig.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Das Hörbuch „Ausgefressen“ von Moritz Matthies hat eine Länge von 5 Stunden und 9 Minuten und ist gekürzt für 15,95 € bei audible.de erhältlich. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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