Autor: Kurt Tucholsky
Sprecher: Manfred Zapatka
Länge: 04 Std. 30 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Ein junges Liebespaar, Kurt und Lydia, mietet sich für seinen Sommerurlaub im Seitenflügel des Schlosses Gripsholm in Schweden ein. Sie lassen die Seele baumeln, sind glücklich und albern, mit sich selbst beschäftigt und amüsieren sich über spießige Touristen. Zwischenzeitlich stellt sich Besuch ein, zunächst von Kurts Freund Karlchen, dann von Lydias Freundin Billie, woraus sich eine Nacht zu dritt entwickelt. Nach Billies Abreise lernen Kurt und Lydia auf einem Spaziergang die kleine, tief verstörte Ada kennen, die in einem nahegelegenen Kinderheim untergebracht ist. Ihr Leben ist weit von der Leichtigkeit und Freiheit des Liebespaars entfernt, die Unterdrückung des Mädchens durch eine grausame Direktorin konfrontiert das Paar mit einer dunkleren Seite des Lebens.

Meine Hörbuchbesprechung:
Ihr kennt das bestimmt: Man stößt im Internet auf Gutscheincodes für kostenlose Hörbuchdownloads und nutzt schnell die Gelegenheit, bevor der Aktionszeitraum wieder abgelaufen ist. Dabei spielt die Qualität des Titels erst einmal nicht die größte Rolle, stattdessen wird das Hörbuch ohne zu Zögern in die ohnehin schon prall gefüllte Bibliothek gepackt – quasi für schlechte Zeiten. So häufen sich nach und nach immer mehr Audiobooks, die man sich selbst nie gekauft hätte und die einen eher mäßig interessieren. Beim gelegentlichen Aufräumen und Sortieren der Bibliothek kommt einem dann immer wieder der Gedanke, dass man den Stapel der Gratis-Downloads auch mal langsam abarbeiten müsste, was man dann irgendwann auch mal macht. Beim Hören gibt es dann in der Regel zwei Möglichkeiten: entweder entdeckt man überraschenderweise eine echte Perle, auf die man sonst nie gekommen wäre – oder aber man sieht sich darin bestätigt, dass man den Titel lange Zeit unbeachtet gelassen hat. Die Hörbuchversion von Kurt Tucholskys „Schloss Gripsholm“ gehört für mich persönlich eher zur zweiten Sorte…

Eine sommerliche Liebesgeschichte auf Bestellung

Dabei fängt die Geschichte eigentlich vielversprechend an, denn das Hörbuch beginnt mit einem (fiktiven) Briefwechsel zwischen dem Autor Kurt Tucholsky und seinem Verleger Ernst Rowohlt, in dem Rohwolt Tucholsky um eine kleine Liebesgeschichte bittet. Dieser ist von der Idee zwar nicht gleich Feuer und Flamme, doch nachdem er kräftig um sein Honorar gefeilscht hat willigt er schließlich doch ein, dem Verleger ein entsprechendes Werk zukommen zu lassen.

Pärchen-Urlaub in einem schwedischen Schloss

Anschließend beginnt die eigentliche Handlung rund um den Ich-Erzähler Peter, der mit seiner Freundin Lydia – die er immer nur „Prinzessin“ nennt – den Sommerurlaub in Schweden verbringt. Der Hörer begleitet die beiden auf dem Weg von Berlin nach Skandinavien, sowohl auf der Fähre wie auch auf der Zugfahrt. In Schweden machen sich Peter und Lydia mithilfe eines Dolmetschers auf der Suche nach einem Quartier und landen schließlich im Schloss Gripsholm, wo sie sich für rund drei Wochen einmieten. Dort erleben sie dann ein paar unbeschwerte und erholsame Sommertage und bekommen unter anderem auch Besuch von Peters Freund Karlchen und Lydias Freundin Billie, die den Urlaub des Paares ein wenig aufmischen.

Unspektakuläre Aneinanderreihung von Anekdoten

Das alles klingt jetzt nicht wirklich spektakulär – und ist es leider auch nicht. Nach dem wirklich erfrischenden Prolog mit dem sehr unterhaltsamen Briefwechsel zwischen Tucholsky und Rowohlt bietet „Schloss Gripsholm“ eine Geschichte, die für mich persönlich vor allem eines war: belanglos. Eine wirkliche Handlung ist kaum vorhanden, stattdessen reihen sich Anekdoten aneinander, von denen eine uninteressanter als die andere ist. Mal geht das Paar spazieren, dann wird gebadet, über dies und das geredet und man merkt dem Werk durchweg an, dass es sich hierbei um eine Gelenheitsarbeit handelt, die mehr oder wenig auf Bestellung verfasst wurde.

Locker-leichter Schreibstil mit Humor aber auch anstrengenden Dialekten

Dabei merkt man der 1931 erschienenen Erzählung ihr hohes Alter nicht einmal unbedingt an. Tucholskys Schreibstil ist locker-leicht und gespickt mit durchaus amüsanten Dialogen, deren Humor durchweg recht angenehm ist. Leider gibt es jedoch sehr viele Passagen, die in einem plattdeutschen Dialekt geschrieben sind, welche für Nicht-Kundige kaum verständlich sind und auf die Dauer die Geduld des Hörers sehr strapazieren.

Steigerung in der zweiten Erzählhälfte

In der zweiten Hälfte gibt es dann aber eine angenehme Überraschung, denn plötzlich ist dann doch noch so etwas wie eine Handlung zu finden. Während eines Spazierganges stoßen Peter und Lydia nämlich auf ein kleines Mädchen, welches in einem benachbarten Kinderheim lebt und unter der strengen Erziehung der herrischen Leiterin Frau Adriani leidet. Das Paar zeigt sich betroffen vom Unglück des Kindes und unternimmt Anstrengungen, es aus den Zwängen des Heimes zu befreien. Durch diese Episode gewinnt die Geschichte enorm und so sind die letzten beiden Stunden deutlich annehmbarer als der zähe und belanglose Anfang.

Der Sprecher:
Gelesen wird „Schloss Gripsholm“ vom deutschen Schauspieler Manfred Zapatka, den ich als Hörbucherzähler zwar noch nicht kannte, dessen Gesicht mir aber aus dem Fernsehen durchaus bekannt vorkam. Zapatka ist dann auch der große Pluspunkt des Hörbuches, denn an seiner Lesung gibt es nicht wirklich viel zu kritisieren.

Gut aufgelegter Erzähler täuscht über langatmige Passagen hinweg

Der Sprecher trifft den Ton der Vorlage sehr gut und kann den leichten Humor und die ironischen Dialoge gut an den Mann bringen. Auch die anspruchsvollen Plattdeutsch-Passagen meistert Zapatka ohne Probleme, zudem rettet er den Hörer auch ein wenig über die langweilige Anfangsphase hinweg.

Schlussfazit:
Ich kann nicht sagen, ob es an der Geschichte selbst liegt oder an meinem persönlichen Geschmack, doch leider hat mich Kurt Tucholskys „Schloss Gripsholm“ nicht wirklich gepackt. Der Erzählstil des Autors ist zwar recht angenehm und überzeugt durch Witz und Ironie, doch leider ist die Story selbst größtenteils belanglos. Die erste Hälfte des Hörbuches kann man sich fast komplett schenken und erst als die Episode um das Kinderheim beginnt, nimmt die Geschichte langsam etwas an Fahrt auf.

Nette Lektüre für einen lauen Sommerabend – mehr aber auch nicht

Positiv hervorzuheben ist aber der Sprecher Manfred Zapatka, der fast das Optimum aus der Vorlage herausholt und die überwiegend uninteressanten Anekdoten noch recht ansprechend verpackt. Eine totale Enttäuschung ist „Schloss Gripsholm“ zwar keinesfalls und für einen lauen Sommerabend sicherlich einen Blick wert, doch über mehr als das Urteil „ganz nett“ kommt das Hörbuch in meinem Ansehen auch nicht hinaus.

Meine Wertung: 5/10

Informationen:
Das Hörbuch „Schloss Gripsholm“ von Kurt Tucholsky hat eine Länge von 04 Std. und 30 Min. und ist ungekürzt für 15,95 Euro bei audible.de erhältlich. Kunden mit Flexi-Abo bezahlen wie gewohnt nur 9,95 Euro. Weitere Infos gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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