Autor: Lissa Price
Sprecher: Annina Braunmiller
Länge: 09 Std. 16 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Nach dem Ausbruch eines tödlichen Virus gibt es nur noch sehr alte und junge Menschen. Mittellos kämpfen die 16-jährige Callie und ihr kleiner Bruder auf der Straße ums Überleben. Callie entschließt sich daher zu dem Undenkbaren: Sie verleiht ihren Körper an einen alten Menschen, dessen Bewusstsein übernimmt ihren Körper und kann so wieder jung sein. Doch alles verläuft anders als geplant…

Meine Hörbuchbesprechung:
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Weltbevölkerung nach einem verheerenden Krieg dramatisch geschrumpft. Bei einem Sporenangriff wurden Millionen von Menschen mit einem tödlichen Virus infiziert, ein entwickeltes Gegenmittel wurde zunächst den beiden schwächsten Altersgruppen zur Verfügung gestellt: Kindern bzw. Jugendlichen und Senioren. Bevor man jedoch weiteren Impfstoff produzieren konnte, hatte die Epidemie schon alle anderen Menschen dahingerafft. Somit besteht die Gesellschaft Amerikas nur noch aus jungen und sehr alten Menschen, den titelgebenden „Starters“ und den stark in die Jahre gekommenen „Enders“. Wer von den Minderjährigen Glück hatte, konnte sich noch zu seinen Großeltern retten, alle anderen führen ein Leben in Armut und Hunger und leben auf der Straße oder in leerstehenden Häusern.

Die Vermietung des eigenen Körpers als Ausweg aus der Armut

Zur letztgenannten Gruppe gehört auch die 16-jährige Callie, die mit ihrem kleinen Bruder Tyler und ihrem gemeinsamen Freund Michael von der Hand in den Mund lebt. Um den an einer Lungenerkrankung leidenden Tyler helfen zu können, landet Callie schließlich bei Prime Destinations, einer sogenannten Bodybank mit einem äußerst lukrativen Geschäftsmodell. In dem nicht ganz legalen Business können junge Starters ihren gesunden Körper an steinreiche Enders vermieten, die sich in ihrem hohen Alter noch einmal jung fühlen wollen. Obwohl Callie das Geschäft nicht ganz geheuer vorkommt, geht sie den Deal mit Prime Destinations schließlich ein, denn wenn sie ihren kranken Bruder retten will, bleibt ihr keine andere Möglichkeit. Doch der Körpertransfer funktioniert nicht wie gedacht und so landet Callie plötzlich mitten in einer gefährlichen Verschwörung…

Dystopien – der neue Trend im Jugendbuch-Genre

Spätestens seit den Mega-Erfolgen von Suzanne Collins‘ „Die Tribute von Panem“-Trilogie liegen Dystopien mit einem düsteren Zukunftsszenario voll im Trend. Darauf setzt offenbar auch die Drehbuchautorin Lissa Price, deren erster Roman „Starters“ zurzeit als das höchstgehandelte Debüt der letzten Jahre bezeichnet wird. Dabei sind die Parallelen zu den Panem-Büchern zunächst sehr offensichtlich. Eine jugendliche Protagonisten, die als Ernährerin ihrer Familie fungieren muss und gegen die böse Obrigkeit kämpft, in diesem Fall gegen die wohlhabenden Enders, welche die Not der Minderjährigen ausnutzen und die jungen Körper für ihre Zwecke missbrauchen.

Faszinierende Grundidee: Alte reiche Menschen mieten sich Schönheit und Gesundheit

Dabei ist die Grundidee von „Starters“ jedoch durchaus interessant. Ein dubioses Unternehmen bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, im Gegenzug für eine Menge Geld ihren Körper an schwächliche aber unermesslich reiche Greise zu vermieten. Lassen sich die verarmten Kids auf das zweifelhafte Geschäft ein, wird ihnen ein kleiner Mikrochip in den Nacken implantiert, ihr Körper durch kosmetische Behandlungen erheblich aufgewertet und anschließend das Bewusstsein eines Enders auf den Spenderkörper übertragen. Ursprünglich dient dieses Konzept natürlich nur dazu, den alten Menschen einen Kick zu verschaffen und es ihnen zu ermöglichen, in einem vitalen und attraktiven Körper nochmal die Sau rauszulassen. Doch man muss nicht besonders kreativ sein, um auf die Idee zu kommen, diesen Körpertausch zu missbrauchen, und das hauptsächlich für zwei Zwecke: Sex und Verbrechen. Das ist laut den Geschäftsbedingungen von Prime Destinations zwar untersagt, doch ob sich der Kunde daran auch hält, ist wieder eine andere Geschichte.

Undercover im eigenen Körper gegen eine weitreichende Verschwörung

So läuft dann auch Callies Körpertausch nicht wie geplant und sie wacht schließlich in einem Nachtclub auf, weil die Mieterin offenbar die Verbindung zu ihrem Körper verloren hat. Für die 16-jährige beginnt nun ein riskantes Spiel, denn sie muss fortan vortäuschen, eine alte Frau in einem gemieteten Körper zu sein. Interessant wird die Sache für den Hörer dadurch, dass auch Callie immer wieder Blackouts hat, in denen dann die Mieterin erneut am Zug ist. Schnell kristallisiert sich heraus, dass diese nichts Gutes im Schilde führt und die Jugendliche muss nun praktisch Undercover im eigenen Körper hinter die Pläne der Alten kommen.

Packendes Finale entschädigt für zähen Mittelteil

So weit, so gut, doch leider gestaltet sich diese Spurensuche zunächst äußerst spannungsarm. Man hat beinahe den Anschein, als ginge es in der Story nur darum, als armes Straßenmädchen in den elitären Kreisen Partys zu feiern, tolle Kleider zu tragen und mit ebenso attraktiven Typen zu flirten. Die Gefahr scheint lediglich darin zu bestehen, enttarnt zu werden und wieder zurück in die Armut geschickt zu werden, fernab von High-Heels, Cocktails und heißen Dates. Wie zu befürchten war, darf natürlich auch der Traumprinz nicht fehlen und so wird es zuweilen schon etwas schnulzig. Erst im letzten Drittel nutzt Lissa Price dann endlich das Potenzial ihrer guten Ausgangsidee und entwickelt eine durchaus packende Verschwörungsgeschichte mit einigen überraschenden Wendungen.

Die Sprecherin:
„Starters“ wird in der deutschen Hörbuchfassung von der deutschen Theaterschauspielerin und Synchronsprecherin Annina Braunmiller gelesen, welche wohl vor allem für ihre Synchronisation von Kristen Stewart in den „Twilight“-Filmen sowie die Lesung der entsprechenden Hörbücher von Stephenie Meyer bekannt ist. Für mich war „Starters“ der erste Titel mit Braunmiller als Sprecherin und insgesamt hat mir ihre Leistung trotz kleiner Schwächen gut gefallen.

Facettenreiche Sprecherleistung, jedoch manchmal etwas zu übertrieben

Die Sprecherin liest facettenreich und vielseitig und kann so den diversen Charakteren auch klar unterscheidbare Stimmen verleihen. Die Lesung ist glaubwürdig und bringt die Emotionen der 16-jährigen Hauptfigur gut rüber, allerdings wirkte ihre Stimme auf mich an manchen Stellen etwas übertrieben dramatisch und beinahe schon hysterisch. Das passte zwar schon einigermaßen zur jeweiligen Situation, ist für die Ohren aber nicht immer angenehm. Alles in allem aber eine routinierte Leistung, mit der es Braunmiller hinter Tanja Geke und Vera Teltz in meine persönliche Top 3 der weiblichen Sprecherinnen geschafft hat.

Schlussfazit:
„Starters“ von Lissa Price ist eine durchaus gelungene Dystopie, der aber in meinen Augen an manchen Stellen noch etwas zum ganz großen Wurf fehlt. Die Ausgangsidee ist zwar sehr faszinierend, doch leider nutzt die Autorin erst sehr spät das volle Potenzial des Körpertausches aus. Zu lange hält sich die Geschichte mit Belanglosigkeiten wie schmalzigen Nachtclub-Flirts oder den Annehmlichkeiten eines Luxuslebens auf und verliert so einiges an Fahrt. Zudem kommt die Liebesgeschichte teilweise schon arg klischeehaft rüber und nimmt einen zu großen Teil der Story ein.

Gute Zukunftsvision mit verschenktem Potenzial

Kurz bevor ich jedoch Gefahr lief, ein wenig das Interesse an „Starters“ zu verlieren, bekommt Price dann aber doch noch die Kurve und liefert eine überzeugende und dramatische Schlussphase ab, die mich dann doch wieder in den Bann gezogen hat. Doch trotz des guten Endes bleibt irgendwie das Gefühl, dass bei dem Buch noch mehr drin gewesen wäre. Vielleicht etwas detailliertere Hintergrundinformationen zum folgenreichen Sporenkrieg, etwas weniger Lovestory und ein bisschen mehr Tiefgang und „Starters“ hätte zum Top-Titel werden können. So ist das Debüt von Lissa Price wohl doch eher etwas für die weibliche Fraktion im Teenager-Alter und fällt im Vergleich zur „Panem“-Reihe deutlich ab. Da aber noch ein paar Fragen offen bleiben, darf man sich trotzdem schon einmal auf die Fortsetzung „Enders“ freuen, die Ende des Jahres in den USA erscheinen soll.

Meine Wertung: 7/10

Information:
Das Hörbuch „Starters“ von Lissa Price hat eine Länge von 09 Stunden und 16 Minute und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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