Autor: Norbert Horst
Umfang: 352 Seiten
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2011

Klappentext:
Thomas Adam, 50, genannt Steiger, ist Mitglied des Einsatztrupps der Dortmunder Polizei. Vor kurzem untersuchte er den Sexualmord an einem jungen Mädchen. Der Täter war schnell gefasst und durch eindeutige Spuren überführt. Trotzdem hat Steiger Zweifel. Zum Ärger seiner Dienststelle ermittelt er weiter und stößt auf zwei ähnliche Fälle. Handelt es sich um einen Serienmörder? Und wie kommen die Spuren an die Tatorte, die auf andere Täter hinweisen? Die Wahrheit ist so ungeheuerlich, dass der Fall selbst dem abgebrühten Steiger an die Nieren geht.

Zum Roman:
Der Fall ist wasserdicht: Bakary Yameogo, ein Asylbewerber aus Burkina Faso, ist der Mörder und Vergewaltiger von Caroline Thomas, einem jungen Mädchen von der Straße. Spermaspuren am und im Körper des Opfers, Faserspuren und Gebissabdrücke des Afrikaners an Carolines Arm – an der Schuld Yameogos besteht für Polizei und Gericht nicht der geringste Zweifel. Folglich wird der Angeklagte auch zu lebenslanger Haft verurteilt und der Fall somit abgeschlossen. Doch als Kriminalpolizist Thomas Adam, von allen nur „Steiger“ genannt, bei einem Außeneinsatz einen Messerstecher verhaftet, trifft er dabei zufällig auf eine junge Zeugin, die nicht zum Mordprozess erschienen ist. Nur aus Neugier befragt er das Mädchen zum bereits abgeschlossenen Fall und wird durch die Aussage der Rumtreiberin stutzig. Diese gibt an, das Opfer zu einem Zeitpunkt gesehen zu haben, zu dem die Polizei schon von ihrer Entführung ausgegangen ist. Doch wenn Caroline Thomas erst später verschleppt wurde, hat Bakary Yameogo ein ziemlich wasserdichtes Alibi, schließlich befand er sich an den entsprechenden Tagen in Untersuchungshaft. Außerdem hat die Zeugin noch zwei merkwürdige SMS von der Toten erhalten, die ebenfalls Steigers Neugier wecken.

Nun ist Thomas Adam zwar nicht gerade ein Vorzeigepolizist, ganz im Gegenteil: Ein Disziplinarverfahren folgt auf das nächste, Dienstanweisungen werden schon einmal ignoriert und auch vor dem persönlichen Konsum von Betäubungsmitteln schreckt Steiger nicht zurück. Doch Adam hat plötzlich dieses Bauchgefühl, dass an dem Mordfall Thomas irgendwas faul ist. So geht er während seiner Arbeit im örtlichen Einsatztrupp eigenen Nachforschungen nach, was bei Kollegen und Vorgesetzten aber nicht gerade auf Begeisterung stößt. Schließlich ist der Fall abgeschlossen und die Polizei hat genug offene Fälle und daher nicht die Ressourcen für überflüssige Ermittlungen. Steiger lässt aber nicht locker und findet mühsam weitere Ungereimtheiten sowie ähnliche Mordfälle in der Umgebung, welche vergleichbar abgelaufen sind. Auch hier wurden junge Straßenmädchen entführt, missbraucht und ermordet und auch hier wurde schnell ein Täter gefunden und verurteilt.

„Splitter im Auge“ ist kein reißerischer Thriller, wie man es von amerikanischen Autoren kennt. Stattdessen trifft hier die Bezeichnung „Kriminalroman“ voll zu. Ein überwiegender Teil der Handlung besteht aus routinemäßiger Polizeiarbeit wie Zeugenbefragungen, Vollstreckung von Haftbefehlen, Streifenfahrten usw. Lediglich von Zeit zu Zeit wird der Einsatztrupp der Dortmunder Polizei auch einmal zu Kapitalverbrechen hinzugezogen. Diese „bodenständige“ Polizeiarbeit macht die Geschichte glaubwürdig, was wahrscheinlich daran liegt, dass der Autor Norbert Horst im „richtigen“ Leben ebenfalls Polizist ist. Blutrünstige und übertriebene Schilderungen sucht man hier vergeblich.

Auch die Charaktere sind solide und realistisch. Der Fokus liegt hier natürlich klar auf Thomas Adams. Der 52-Jährige Dortmunder Polizist muss sich neben seinen Nachforschungen auch noch mit anderen Problemen herumschlagen. Sein Vater, zu dem er kein besonders gutes Verhältnis hatte, ist gerade verstorben und hat ihm in seinem Testament offenbart, dass Steiger noch einen Halbbruder hat. Auf dem Revier steht er unter massiver Beobachtung seiner Vorgesetzten, da Adams schon früher öfter durch Eskapaden aufgefallen ist. Seine einzigen Freunde sind ein Kollege bei der Polizei sowie die Prostituierte Eva. Klar erfindet Norbert Horst das Rad hier nicht neu und so reiht sich Thomas „Steiger“ Adams in die lange Reihe von kaputten Ermittlern mit mehr oder weniger gescheiterten Existenzen ein. Ihm zur Seite steht die aufstrebende Polizistin Jana Goll, die zwar mit den Methoden ihres Partners nicht immer einverstanden ist, ihm aber trotzdem den Rücken freihält. Über mehr als eine Nebenrolle kommt sie aber auch nicht hinaus.

Von Zeit zu Zeit wechselt der Autor die Perspektive und schildert das Geschehen aus Sicht eines mysteriösen Mannes, der Jagd auf junge Mädchen macht. Der Leser begleitet ihn bei seinen Erkundungsfahrten, immer auf der Suche nach einem geeigneten „Objekt“ für die Befriedigung seiner dunklen Bedürfnisse. Ebenso springt Horst regelmäßig in die Vergangenheit, zu einem Geschwisterpaar in den 80er-Jahren. Was es damit auf sich hat, wird aber erst zum Schluss aufgelöst, erfahrene Krimileser kommen aber recht schnell dahinter.

Insgesamt bietet das Buch nicht viele Überraschungen, es weiß aber durchaus zu unterhalten. Zwar besteht ein Großteil der Handlung aus recht trockener Ermittlungsarbeit und bis zur Hälfte gibt es offiziell eigentlich nicht mal einen richtigen Fall, trotzdem liest sich der Roman flüssig und an der ein oder anderen Stelle darf man auch mal schmunzeln. Leider ist die Motivation der Hauptfigur für mich nicht ganz ersichtlich. Steiger ist weder besonders zuverlässig noch ehrgeizig. Warum gerade er alle Hebel in Bewegung setzen will, um den Mordfall noch einmal aufzurollen, ist mir nicht ganz schlüssig. Dies wird immer wieder mit seinem Bauchgefühl begründet, das reicht mir jedoch nicht wirklich aus.

Mein Fazit:
„Splitter im Auge“ ist weder besonders kreativ noch übermäßig spannend. Der Kriminalfall ist über weite Strecken eher dröge und nimmt erst im letzten Drittel ordentlich Fahrt auf. Doch trotz dieser Mängel kann man das Buch recht gut „weglesen“ und wird ordentlich unterhalten. Die Charaktere sind größtenteils glaubwürdig und sympathisch, zudem überzeugt das Setting. Schauplätze und Polizeiarbeit wirken authentisch, allerdings hätte man noch ein bisschen mehr „Ruhrpott-Feeling“ schaffen können. Alleine schon die Tatsache, dass Steiger Schalke-Fan unter lauter Dortmundern ist, böte noch mehr Potenzial für die ein oder andere erfrischende Szene. Insgesamt ist „Splitter im Auge“ ein solider Lokalkolorit-Krimi mit einer gelungenen (wenn auch etwas vorhersehbaren) Auflösung. Wer nach einem reißerischen Thriller von Cody McFadyen oder James Patterson mal wieder etwas Bodenständigeres lesen will, darf hier durchaus einen Blick riskieren.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
„Splitter im Auge“ von Norbert Horst ist im Goldmann Verlag erschienen und hat einen Umfang von 352 Seiten. Das Buch ist für 8,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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