Autor: Nele Neuhaus
Umfang: 384 Seiten
Verlag: List Taschenbuch

Klappentext:
Eine Ladung Schrot aus dem eigenen Jagdgewehr beschert dem Frankfurter Oberstaatsanwalt ein schnelles, wenn auch sehr hässliches Ende. Die schöne junge Frau, die tot am Fuß eines Aussichtsturms im Taunus liegt, ist viel zu unversehrt, um an den Folgen eines Sturzes gestorben zu sein. Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine neue Kollegin Pia Kirchhoff sind sich einig: Der erste Todesfall war ein Selbstmord, der zweite jedoch ein Mord. Bald häufen sich sowohl die Motive als auch die Verdächtigen. Doch was hat den Staatsanwalt in den Tod getrieben?

Zum Roman:
Die deutsche Autorin Nele Neuhaus lebt wohl den Traum eines jeden Hobbyschriftstellers. Vor sechs Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Buch, den (nebenbei sehr empfehlenswerten und hochspannenden) Wirtschaftsthriller „Unter Haien“, in einem kleinen Book-on-Demand-Verlag. Das Buch verkaufte sich so gut, dass ein weiterer Kriminalroman folgte. „Eine unbeliebte Frau“ ist der Auftakt der Reihe um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, das mittlerweile fünf Bücher umfasst. Mit ihren Krimis belegt Neuhaus seit Wochen die vorderen Plätze der Bestseller-Listen. Weil mir das Mammutwerk „Unter Haien“ sehr gut gefallen hat, habe ich mir nun auch „Eine unbeliebte Frau“ zu Gemüte geführt.

Zur Handlung: Zunächst wird an einem Sonntag die Leiche des Frankfurter Oberstaatsanwalts Dr. Joachim Hardenbach gefunden. Der Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein übernimmt den Fall und arbeitet dort zum ersten Mal mit seiner neuen Kollegin Pia Kirchhoff zusammen. Alles sieht danach aus, als habe sich der prominente Jurist selbst das Leben genommen. Nur wenig später werden die Ermittler zu einem weiteren Tatort gerufen: Am Fuße eines Aussichtsturmes liegt der tote Körper einer jungen Frau. Auch dieser Tod sieht auf den ersten Blick nach einem Selbstmord aus, doch die Kommissare entdecken bei genauerem Hinsehen Anzeichen für ein Tötungsdelikt. Dieser Verdacht wird von der Obduktion später bestätigt. Im Körper der toten Isabell Kerstner finden sich Spuren eines Narkosemittels. Da dieses u.a. bei der Behandlung von Pferden Verwendung findet, führt die erste Spur zu Kerstners Ehemann, einem bekannten Pferdetierarzt. Da dieser kurz zuvor von seiner jungen und attraktiven Frau verlassen wurde, scheint auch ein entsprechendes Motiv vorhanden…

Doch Dr. Kerstner scheint nicht als einziger Gründe für die Ermordung der Frau zu haben. Denn wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt, liebte Isabell ein Leben in Reichtum und Luxus. Um dies zu erreichen, ließ sie sich auf zahlreiche Affären ein, um daraus Profit zu schlagen. Während ihr Mann seinen Fokus auf die eigene Tierklinik richtete, trieb sie sich auf einem Reiterhof herum, wo sie Pferde für Turniere trainierte und den Männern den Kopf verdrehte. Somit scheint fast jeder der Verdächtigen ein handfestes Motiv zu haben. Sei es eine der ausgenutzten Affären, die betrogene Frau des Hofbesitzers oder wütende Pferdeeigentümer, deren teure Tiere nicht den erhofften Erfolg brachten. Dementsprechend gestalten sich Bodensteins und Kirchhoffs Ermittlungen äußerst schwierig.

Die Geschichte spielt im Taunus, was nebenbei auch die Heimat der Autorin ist. Daher überrascht es nicht, dass Orte und Schauplätze durchweg sehr authentisch und realistisch wirken. Auch das Leben rund um das Pferdebusiness scheint gut recherchiert und glaubwürdig. Auch hier lässt Neuhaus private Erfahrungen einfließen, hegt sie doch seit Jahren eine große Leidenschaft für Pferde. Obwohl ich diese nicht unbedingt teilen kann, gefällt mir das Szenario doch ausgesprochen gut. So wird ein Reiterhof schnell zum Jahrmarkt der Eitelkeiten voller Intrigen und Verschwörungen, bei denen jeder nur auf seinen eigenen Profit aus ist.

Der Krimi ist insgesamt sehr gefällig geschrieben und weiß nahezu über die gesamte Dauer zu unterhalten. Ständig tauchen wieder neue Motive und Verdächtige auf, sodass man mehr als einmal auf eine falsche Fährte geführt wird. Allerdings übertreibt es die Autorin meiner Meinung nach am Ende etwas zu sehr. So wird aus dem Mord an Isabell Kerstner plötzlich ein weitreichendes Netz an Verbrechen, das sogar bis nach Argentinien führt. Fast jeder Protagonist (mit Ausnahme der Kommissare) hat am Ende Dreck am Stecken und das eigentliche Verbrechen gerät etwas in den Hintergrund. Der Selbstmord des Staatsanwalts spielt ebenfalls erst zum Schluss der Story wieder eine Rolle. Auch stören kleine Ungereimtheiten etwas das Lesevergnügen. So taucht im Laufe der Handlung eine weitere Frauenleiche auf, welche zunächst für eine der Beteiligten gehalten wird. Als sich dieser Verdacht jedoch als falsch herausstellt, gerät auch die tote Frau in Vergessenheit und wird nicht wieder erwähnt.

Überzeugen kann der Roman hingegen mit einem sympathischen Ermittlerduo. Zwar ist die Beziehung zwischen Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff zunächst noch etwas distanziert, was aber aufgrund der erstmaligen Zusammenarbeit nicht wirklich überrascht. Im Verlauf des Falls reifen beide jedoch zu einem gut funktionierenden Team. Gelungen ist auch, dass viel auf das Privatleben der Kommissare eingegangen wird, wodurch die Charaktere zusätzliche Tiefe erhalten. Positiv ist auch zu erwähnen, dass ein Großteil der Fallarbeit aus mühsamer und handwerklicher Ermittlungsarbeit besteht. Es müssen unzählige Verhöre geführt und Zeugen befragt werden und viele Spuren verfolgt werden, die dann doch nur ins Leere führen. Das macht die Polizeiarbeit glaubwürdig und unterscheidet Neuhaus‘ Roman von so manch amerikanischem Thriller. Im Vergleich zu diesen ist „Eine unbeliebte Frau“ zudem erfreulich unblutig und damit fast schon ein etwas altmodischer Krimi, was aber keinesfalls abwertend gemeint ist.

Mein Fazit:
„Eine unbeliebte Frau“ ist der meiner Meinung nach gelungene Auftakt einer neuen Krimireihe, welche vor allem durch seine hohe Authentizität und glaubwürdige Charaktere überzeugt. Die Geschichte ist durchgängig spannend und unterhaltsam und hat nur wenige Schwachstellen wie die etwas zu vielen Verstrickungen am Ende. Hier hat die Autorin für mich etwas zu dick aufgetragen, was aber der Unterhaltung nicht schadet. Der Lokalkolorit weiß hingegen zu bezeugen und die gut beschriebenen Schauplätze zeugen von guter Recherche. Erfrischend finde ich übrigens die Aussagen von Nele Neuhaus auf ihrer Website, ihre Bücher seien „keine hohe Literatur. Das sollen sie auch nicht sein, denn sie sollen in erster Linie gute und spannende Unterhaltung bieten.“ Unter diesem Gesichtspunkt kann man sagen: Mission erfüllt. Zwar hat mir „Unter Haien“ insgesamt einen Tick besser gefallen, es ist aber nur eine Frage der Zeit bis auch der nächste Teil der Reihe („Mordsfreunde“) auf meinem Bücherstapel landet.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Eine unbeliebte Frau“ von Nele Neuhaus ist im List Taschenbuch Verlag (Ullstein) erschienen und hat einen Umfang von 384 Seiten. Das Buch ist für 9,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos auf der Verlags-Homepage.


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