Friedhof der Kuscheltiere_Rezi

Für die Familie Creed steht nach vielen Jahren in Chicago ein Neuanfang an: Familienvater Louis hat in Bangor eine Anstellung als Universitätsarzt bekommen und zieht mitsamt seiner Ehefrau Rachel, den beiden Kindern Eileen und Gage sowie Kater Church nach Maine. Die ersten Schritte in der neuen Heimat gestalten sich zwar etwas holprig, doch die neuen Nachbarn der Creeds, das ältere Ehepaar Jod und Norma Crandall, heißt die Neuankömmlinge schnell willkommen und macht ihnen die Eingewöhnung so einfach wie möglich. Dazu gehört auch eine kleine Führung durch den Ort, bei denen Jud u.a. vor den Gefahren der direkt vor dem Haus verlaufenden Hauptstraße Route 15 warnt oder den kleinen Tierfriedhof im Wald und die anliegende indianische Grabstätte zeigt, die seit Jahrzehnten ein ganz spezieller Mythos umgibt und schon häufiger Schauplatz von bizarren Ritualen gewesen sein soll. Von Louis und Rachel werden diese Spukgeschichten zunächst noch belächelt und führen allenfalls zu Diskussion über den Umgang mit dem Tod, doch als plötzlich Kater Church die vielbefahrene Route 15 zum Verhängnis wird, nimmt das Unheil auf einmal seinen Lauf…

Stephen Kings bester und gruseligster Roman?

Würde man eine Umfrage machen und nach den berühmtesten Werken von Bestseller-Autor Stephen King fragen, würden sich wohl ziemlich schnell folgende Top-Antworten herauskristallisieren: „Carrie“, „Shining“, „ES“ und „Friedhof der Kuscheltiere“ – was auch damit zusammenhängen dürfte, dass all diese Horror-Romane nicht nur in Buchform existieren, sondern auch relativ erfolgreich verfilmt wurden. Letzterer gilt dabei nicht nur als kommerziell erfolgreichstes King-Werk, sondern wird vielfach auch als bestes und gruseligstes Buch des Meisters des Horrors bezeichnet.

King’sche Gemütlichkeit in Hälfte eins…

Dabei beginnt „Friedhof der Kuscheltiere“ (der deutsche Titel ist dabei ziemlich irreführend, schließlich geht es in „Pet Sematary“ – so der (bewusst fehlerhafte) Originaltitel – nicht um Kuschel- sondern Haustiere) wie viele Stephen-King-Romane zunächst einmal gemächlich: eine vierköpfige Familie zieht aus der Großstadt Chicago ins beschauliche Ludlow in Maine, wo Dr. Louis Creed eine neue Stelle antritt und sich mit Frau, Kindern und Kater ein neues Leben aufbauen will – wie so oft beim Bestsellerautor wird also auch diesmal eine Kleinstadt zum Schauplatz des Grauens, denn im Prinzip spielt sich die Geschichte fast ausschließlich im näheren Umkreis von nur zwei Häusern ab. Und dabei passiert lange Zeit zunächst wenig Aufsehenerregendes: Man macht sich mit den neuen Nachbarn bekannt, erkundet ein wenig die Umgebung, bringt die ersten Arbeitstage im neuen Job hinter sich und richtet sich das neue Heim gemütlich ein. Grund zum Gruseln gibt es dabei höchstens für extrem zartbesaitete Tierliebhaber, wenn die Handlung mal einen Abstecher zum mysteriösen „Haustier-Fritof“ macht, wo über Jahrzehnte hinweg die Kinder Ludlows ihre verstorbenen Lieblinge vergraben haben – unmittelbar neben einer Begräbnisstätte der Micmac-Indianer. Das ist zwar alles ganz nett, wirklich packend ist die erste Hälfte des Romans aber nun wirklich nicht, doch als eingefleischter Stephen-King-Fan ist man es ja gewohnt, den mitunter etwas ausschweifenden Einleitungen mit Geduld zu begegnen.

… unangenehmes Grauen in Hälfte zwei

Als man sich also schon fragt, ob seltsam lethargisch und zombiehaft wirkende Hauskatzen schon den unheimlichen Höhepunkt dieses Horror-Klassikers darstellen sollen, verpasst Stephen King seinen Lesern plötzlich wie aus dem Nichts einen Schlag in die Magengrube und öffnet dem Grauen in der Mitte des Buches Tür und Tor. Dabei ist der Horror diesmal durchaus ein wenig anderer Natur als sonst, denn King hält sich mit lauten und drastischen Schockeffekten weitestgehend zurück und konfrontiert sein Publikum viel mehr mit den eigenen Ängsten rund um das Thema Tod. Das reicht von banalen Dingen wie der Frage, wie man den eigenen Kindern den Tod erklärt bis hin zum tatsächlichen Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen. „Friedhof der Kuscheltiere“ ist dabei wahrlich kein Buch, bei dem man sich vor lauter Angst unter der Bettdecke versteckt, könnte dafür aber auf ganz andere Weise für schlaflose Nächte sorgen, weil der ernste Hintergrund der Geschichte mitunter noch ein wenig nachhallen dürfte.

Stephen Kings vielleicht schmerzhaftester Roman

Zu der eindringlichen Wirkung des Romans trägt dabei nicht nur Stephen King selbst, sondern auch Hörbuchsprecher David Nathan bei, der dieser Geschichte wie so oft seinen Stempel aufdrückt und wie schon viele King-Werke zuvor zu einem ganz besonderen Erlebnis macht. Zwar wird Nathan dabei nicht ganz so intensiv gefordert wie z.B. von „ES“, trotzdem darf Deutschlands wohl bester und beliebtester Sprecher spätestens zum Ende hin auch wieder seiner dunklen Seite freien Lauf lassen – und wen Nathans Interpretation des kleinen Gage in der Szene, in welcher der Zweijährige mit begeisterten Kinderaugen gemeinsam mit seinem Vater zum ersten Mal in seinem Leben einen Drachen steigen lässt, kalt lässt, der hat an der Stelle seines Herzens wohl nur einen kalten Stein. Insgesamt ist „Friedhof der Kuscheltiere“ also für mich zwar bei weitem nicht Stephen Kings gruseligster Roman (hier liegt in meiner persönlichen Wertung immer noch „Shining“ vorne), noch jener der mich am meisten bewegt hat („The Green Mile“ ist noch emotionaler), dafür ist es aber wohl seine schmerzhafteste Geschichte, weil sie Leser und Hörer mit sehr persönlichen Ängsten und unangenehmen Fragen konfrontiert.

Friedhof der Kuscheltiere
  • Autor:
  • Sprecher: David Nathan
  • Original Titel: Pet Sematary
  • Länge: 16 Std. 51 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Random House Audio
  • Erscheinungsdatum: 1. Mai 2015
  • Preis 29,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Stephen Kings "Friedhof der Kuscheltiere" ist zwar weder der gruseligste noch der emotionalste Roman des Autors, dafür aber der vielleicht schmerzhafteste, weil er es trotz der etwas zähen ersten Hälfte schafft, die Leser mit sehr persönlichen Ängsten um Tod und Verlust zu konfrontieren und auch durch die wieder einmal sehr eindringliche Lesung David Nathans intensiv nachwirkt.

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