TheFold_Rezi

Leland ‚Mike‘ Erikson zählt zu den intelligentesten Menschen Amerikas, hat einen unglaublich hohen IQ und ein eidetisches Gedächtnis – trotzdem verdient er seinen Lebensunterhalt als wenig ambitionierter Englischlehrer an einer High School und ist eigentlich schon zufrieden, wenn er bei seinen Schülern ein wenig Begeisterung für den Unterricht entfachen kann. Seinem Freund Reggie ist dieses ungenutzte Potenzial schon lange ein Dorn im Auge und so hat er bereits mehrfach versucht, Erikson für seinen Arbeitgeber, die Forschungs-Behörde DARPA des amerikanischen Verteidigungsministeriums, anzuwerben – bisher jedoch vergeblich. Als Reggie Mike dann aber bittet, bei einem streng geheimen Projekt als Berater zu fungieren und die Forschungsergebnisse der DARPA-Wissenschaftler zu überprüfen, kann selbst der sture Lehrer nicht mehr ablehnen – denn mit der sogenannten „Albuquerque Door“ ist der Behörde die wohl größte Errungenschaft der Menschheitsgeschichte gelungen…

Mike Erikson – ein begnadetes Genie in der Verkleidung eines durchschnittlichen Highschool-Lehrer

Wenn man Mike Erikson, dem Protagonisten in Peter Clines’ Science-Fiction-Thriller „The Fold“ zum ersten Mal begegnet, wirkt der Mann, der aussieht wie Severus Snape in seinen besten Jahren, wie ein ganz normaler Englischlehrer, der tatsächlich noch Spaß an seinem Beruf hat und zu seinen Schülern nicht nur ein gutes Verhältnis hat, sondern auch den größten Lern-Muffeln der Klasse mit seinem Engagement zumindest einen Teil des Unterrichtsstoffes vermitteln kann. Doch hinter der Fassade des netten High-School-Lehrers verbirgt sich ein hochintelligentes Genie, das mit seinem eidetischen Gedächtnis und einer Sherlock Holmes in nichts nachstehenden Kombinationsgabe das Potenzial hätte, die Welt zu verändern – er will es aus zunächst unerfindlichen Gründen nur nicht, sondern gibt sich mit seinem beschaulichen Durchschnittsleben zufrieden. Da bedarf es schon einer egoistischen List seines Regierungs-Freundes Reggie, um den Mann mit dem kaum noch messbaren Intelligenz-Quotienten dazu zu bringen, die Sommerferien lieber als Berater für die Forschungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums zu verbringen statt sich das dürftige Lehrergehalt als Hilfskraft in einem Freizeitpark (!) aufzubessern. Doch wenn es einem Team von Wissenschaftlern schon mal gelungen ist, eine funktionierende Technologie zur Teleportation zu entwickeln, wird selbst Mike von der Neugier übermannt und erklärt sich letztlich bereit, das streng geheime Forschungsprojekt auf Herz und Nieren zu prüfen.

Sherlock Holmes goes SciFi

Wer auf spektakuläre SciFi-Action mit wilden Dimensionssprüngen und Zeitreisen durch parallele Universen hofft, ist bei „The Fold“ jedoch falsch, denn Peter Clines nimmt sich jede Menge Zeit für die Einführungsphase und stellt in aller Seelenruhe seinen Protagonisten und die eher überschaubare Anzahl an Nebenfiguren vor und macht dabei langsam neugierig auf das „Albuquerque Door“-Projekt, das zwar reibungslos zu funktionieren scheint, bei dem aber doch irgendwie irgendwas faul ist. Was genau die Wissenschaftler verheimlichen, das soll Mike mit seinen Nachforschungen herausfinden, die sich aber äußerst mühsam gestalten. Das DARPA-Team nimmt es mit der Geheimnishaltung sehr genau und steht dem Eindringling äußerst kritisch gegenüber – da hilft auch Mikes sympathische und offene Art nur wenig. Dass diese für den Protagonisten recht mühsame Einarbeitung für die Leser nicht zur Einschlafhilfe wird, dafür sorgt Peter Clines jedoch mit bissigen und herrlich sarkastischen Dialogen und einem recht hohen Nerdfaktor. „The Fold“ ist nämlich voll von literarischen und filmischen Anspielungen und wenn schon die ersten Seiten mit „Game of Thrones“- und „Harry Potter“-Referenzen daherkommen, zeichnet sich früh ab, dass diese Buch eine sehr unterhaltsame Angelegenheit wird. Großer Pluspunkt dabei: Peter Clines macht seine Leser nicht mit der Brechstange auf diese Querverweise aufmerksam, sondern lässt sein Publikum Zitate und ähnliches auf eigene Faust entdecken – so macht das Aufspüren dieser kleinen Highlights gleich doppelt Spaß. Und wer sich fragt, wie Leland Erikson zu dem ungewöhnlichen Spitznamen „Mike“ gekommen ist, der dürfte bei der Aufklärung wohl innerlich kurz aufjauchzen vor Freude.

Packender und höchst amüsanter SciFi-Thriller mit hohem Nerdfaktor

Zwischen all diesen kleinen Späßen dreht Clines aber auch kontinuierlich an der Spannungsschraube und spielt clever mit dem Mysterium um die „Albuquerque Door“, bis dann in der zweiten Hälfte auch der Action-Anteil deutlich zunimmt und den Lesern einige dicke Überraschungen um die Ohren fliegen. „The Fold“ punktet hier mit so mancher sehr origineller Idee und auch das Erzähltempo steigert sich drastisch. Zum Ende hin driftet die Geschichte für meinen Geschmack sogar ein klein wenig zu sehr ins Chaos ab und lässt die Story dabei ein wenig verhungern, trotzdem gelingt dem Autor ein solider Abschluss der Geschichte, der zu meiner großen Freude sogar noch eine kleine Hintertür für eine Fortsetzung offen lässt. „The Fold“ mag zwar nicht gerade mit hohem Anspruch überzeugen und hält auch die wissenschaftlichen Erklärung weitestgehend simpel und zweckmäßig, der Roman ist insgesamt aber einfach ungemein unterhaltsam und amüsant und lebt neben der faszinierenden Story vor allem vom pointierten Humor und den sympathischen Charakteren – ein rundum gelungenes SciFi-Abenteuer mit herrlich nerdigem Charme!

The Fold
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Der Spalt (8. Februar 2016)
  • Umfang: 384 Seiten
  • Verlag: Crown
  • Erscheinungsdatum: 2. Juni 2015
  • Preis Geb. Ausgabe 24,36 €/eBook 13,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Peter Clines liefert mit „The Fold“ einen packenden SciFi-Thriller mit einer clever konstruierten Story, herrlich bissigem Humor und einem charmantem Nerd-Faktor und lebt vor allem von seinem tollen und grundsympathischen Protagonisten, der in Sachen Genialität und Deduktionsgabe selbst einem Sherlock Holmes Konkurrenz macht.

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