Prodigy_Rezi

Nur um Haaresbreite ist Day seiner eigenen Hinrichtung entkommen, musste für die Flucht aber einen hohen Preis bezahlen. Nun befinden sich Day und June auf dem Weg nach Las Vegas, wo sie die Patrioten treffen und anschließend die Suche nach Days Bruder Eden aufnehmen wollen. Währenddessen erreicht die beiden die Nachricht, dass der Elektor gestorben ist und sein Sohn Anden die Nachfolge als Anführer der Republik angetreten hat. Den Rebellen erscheint dies eine günstige Gelegenheit, der Republik einen schweren Schlag zu versetzen und die Bevölkerung in Aufruhr zu bringen, um das daraus resultierende  Chaos für eine Neuordnung des Landes zu nutzen. Zu diesem Zweck sichern die Patrioten Day Unterstützung für die Suche nach Eden zu, verlangen für ihre Hilfe im Gegenzug aber einen hohen Preis: Day und June sollen maßgeblich dazu beitragen, dass die Putschpläne der Rebellen Erfolg haben. Besonders Day kommt dabei eine entscheidende Aufgabe zu: Er soll bei der geplanten Eliminierung des neuen Elektors höchstpersönlich den Abzug drücken…

Von der frisch geglückten Flucht zurück in die Höhle des Löwen

„Prodigy“, der zweite Band der „Legend“-Trilogie von Marie Lu, setzt genau dort an, wo der Auftaktband aufgehört hat: Day, noch immer der meistgesuchte Verbrecher des Landes, und June, ehemals aufsteigender Stern der Republik, sind nach den dramatischen Ereignissen des Vorgängerromans auf der Flucht, werden von ihrer Vergangenheit aber früher eingeholt, als es ihnen lieb ist. Statt unterzutauchen und die Suche nach Days Bruder aufnehmen zu können, bringen sie die Pläne der rebellischen Patrioten wieder direkt in die Höhle des Löwen: Day und June werden von den Widerstandskämpfern eingespannt, um das neu ernannte Staatsoberhaupt zu töten und dadurch die Stärke der Patrioten zu symbolisieren und die Machtverhältnisse im Land umzukehren. Diese neue Mission hat für Leser mit leichten Erinnerungslücken den Vorteil, dass zu Beginn des zweiten Bandes vieles zurück auf Anfang gestellt wird: Natürlich wird im Verlauf des Buches auch die Gesamthandlung vorangetrieben, „Prodigy“ bietet aber dennoch fast so etwas wie eine eigenständige Geschichte.

Day & June oder Day vs. June?

Wie schon in „Legend“ setzt Marie Lu dabei erneut auf die geteilte Erzählweise, sodass sich auch weiterhin die Kapitel von Day und June abwechseln. Das ist vor allem deshalb schon sinnvoll, weil die beiden im Rahmen ihres Auftrages auch recht früh voneinander getrennt werden und wie im ersten Band über die Taten ihres Gegenparts im Ungewissen gelassen werden und stellenweise sogar gegensätzliche Ziele verfolgen, was der Geschichte einen zusätzlichen Reiz verpasst. Zwar hatte ich nach wie vor manchmal kurzzeitig Schwierigkeiten, die beiden Erzählebenen aufgrund der zweifachen Ich-Perspektive auseinanderzuhalten, man hat sich aber recht schnell wieder an dieses eher ungewöhnliche Stilmittel gewöhnt. Zudem erweist sich auch im zweiten Band diese getrennte Erzählweise wieder als großer Trumpf der Reihe, denn es ist einfach spannend, wenn beide unabhängig voneinander ihre Ziele verfolgen, sich dabei womöglich sogar unbewusst gegenseitig im Wege stehen oder einfach nur hilflos sind, weil sie den jeweils anderen nicht über wichtige Informationen in Kenntnis setzen können. Gerade die Mission um die Ermordung des neuen Elektors wird dadurch sehr dramatisch, zumal sowohl die beiden Hauptfiguren als auch die Leser nie genau wissen, wem sie überhaupt trauen können und wer welche Absichten verfolgt. Diese Vertrauensfrage treibt Marie Lu gekonnt auf die Spitze, um dann zum Schluss wieder mit einer großen Überraschung aufzuwarten.

Spannende und erneut clever erzählte Fortsetzung

„Prodigy“ ist also keinesfalls ein uninspirierter Übergangsband, sondern steht dem Trilogie-Auftakt in Sachen Spannung und Dramatik in nichts nach. Zudem gibt es endlich auch mal Einblicke in die Welt außerhalb der Grenzen Amerikas, was weitere unerwartete und interessante Erkenntnisse mit sich bringt. Dass Marie Lu im zweiten Band gleich in doppelter Hinsicht das allseits gefürchtete Liebes-Dreieck zumindest deutlich andeutet, ist dabei zwar nicht unbedingt notwendig, fällt jedoch nicht allzu störend ins Gesicht – vielleicht auch deshalb, weil dadurch die in „Legend“ noch etwas stiefmütterlich behandelte Tess mehr an Tiefe gewinnt und sich zu einer weiteren interessanten Figur entwickelt. Wie schon im ersten Teil ist es zudem zur Abwechslung mal erfreulich, dass auch „Prodigy“ wieder eine weitestgehend in sich abgeschlossene Geschichte bietet – wenngleich Lu natürlich zum Schluss auch ein paar clevere Nadelstiche setzt, welche die Neugier auf den Trilogie-Abschluss „Champion“ geschickt anfeuern. Insgesamt also eine wirklich gelungene Fortsetzung.

Prodigy
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Legend – Schwelender Sturm
  • Reihe: Legend #2
  • Umfang: 356 Seiten
  • Verlag: Penguin
  • Erscheinungsdatum: 29. Januar 2013
  • Preis Taschenbuch 10,10 €/eBook 6,49 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Marie Lu knüpft mit „Prodigy“ nahtlos an die Stärken des Auftaktbandes an und erzählt erneut eine spannende Geschichte, die gerade durch die beiden gegensätzlichen Charaktere und die gesplittete Erzählweise wieder einen hohen Reiz ausübt und auch die Gesamthandlung auf interessante Weise voranbringt.

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