The Most Dangerous Animal_Rezi

Am 20. Dezember 1968 wird im kalifornischen Vallejo in der Nähe von San Francisco ein junges Paar in einem abgelegen geparkten Auto von einem bewaffneten Mann überrascht, der sofort das Feuer eröffnet. David Faraday wird tödlich in den Kopf getroffen, während seine Freundin Betty Lou Jensen beim Versuch zu flüchten von fünf Kugeln in den Rücken getroffen wird. Dieser kaltblütige Doppelmord ist der Auftakt zu einer brutalen Mordserie, die im Jahr 1969 ganz Kalifornien in Angst und Schrecken versetzt. Offiziell werden fünf Menschen getötet und zwei weitere schwer verletzt, Spekulationen zufolge gehen jedoch bis zu 40 Morde auf das Konto des Mannes, der sich in zahlreichen Schreiben an Ermittler und Zeitungen mit den Verbrechen brüstet und als der „Zodiac-Killer“ in die Kriminalgeschichte eingeht. Bis zum heutigen Tag ist die Identität des Serienmörders ungeklärt, der lange Zeit als Hauptverdächtiger gehandelte Arthur Leigh Allen starb 1992 ohne jemals überführt werden zu können. Geht es nach Gary L. Stewart, ist das große Rätsel um den Täter jedoch nun endgültig gelöst, denn auf der Suche nach seinem leiblichen Vater machte Stewart eine schockierende Entdeckung: Sein Vater war der berüchtigte Zodiac-Killer.

Mein Vater, der Zodiac-Killer

Zwar haben schon viele behauptet, das Mysterium um die Identität des Serienmörders nach all den Jahren endlich gelöst zu haben – erst im Jahr 2009 sorgte z.B. die Immobilienmaklerin Deborah Perez mit der Aussage für Aufsehen, IHR Vater sei der Zodiac-Killer gewesen –, in seinem Buch „The Most Dangerous Animal of All“ will Gary L. Stewart aber nun genug Beweise und Indizien vorlegen, die seinen bereits 1984 verstorbenen leiblichen Vater Earl Van Best Jr. eindeutig als Mörder von Betty Lou Jensen, David Faraday und den viele anderen Zodiac-Opfern überführen. Natürlich liegt auch hier schnell die Vermutung nahe, dass Stewart sich mit dieser vermeintlichen Enthüllungsstory ins Rampenlicht drängen möchte und aufgrund des großen öffentlichen Interesses an dem Zodiac-Fall, nicht zuletzt hervorgerufen durch den sehr erfolgreichen gleichnamigen Film mit Robert Downey Jr. und Jake Gyllenhaal aus dem Jahr 2007, die Chance auf leicht verdientes Geld wittert, allerdings hat der Autor durchaus einige gute Argumente für seine spektakuläre Theorie.

Eine verstörende Familiengeschichte als Ausgangspunkt

Bevor sich Stewart aber seinen neuen Beweisen widmet, beschreibt er zunächst jedoch ausführlich die Lebensgeschichte des Mannes, der ihn am 15. März 1963 auf den Stufen eines Appartmentgebäudes ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen hat und den er nun für einen der schlimmsten Serienmörder der USA hält. Was von Stewart mit der verträumt klingenden Überschrift „The Ice Cream Romance“ betitelt wird, ist dabei zwar in erster Linie eine eher tragische Familiengeschichte und hat mit den blutigen Gräueltaten des Jahres 1969 noch wenig zu tun, dennoch wirken schon diese ersten Kapitel bereits ein wenig irritierend und verstörend. Das liegt vor allem daran, dass hier die Beziehung zwischen dem 27-jährigen Earl Van Best Jr. und der erst 13-jährigen Judy Chandler im Mittelpunkt steht – für Earl selbst in erster Linie eine unglückliche Romanze, rechtlich und moralisch gesehen aber ein klarer Vergewaltigungsfall. Glaubt man nun Gary L. Stewart, so hatte diese abenteuerliche Geschichte nicht nur seine eigene Geburt zufolge (was unstrittig sein dürfte), sondern ist zugleich auch die Ursache für die beispiellose Mordserie des Zodiac-Killers. So lässt sich diese unterhaltsam erzählte, inhaltlich angesichts der sicherlich sensationslüsternen Erwartungen der meisten Leser aber noch eher unspektakuläre Geschichte um Stewarts familiäre Hintergründe zwar fast noch etwas abschätzig als Vorgeplänkel abtun, die Ausführungen sind für den späteren Verlauf jedoch absolut notwendig und haben daher eine klare Daseinsberechtigung.

Spannende True-Crime-Story, die aber auch nicht alle Zweifel ausräumen kann

Für die Hobby-Ermittler richtig interessant wird es dann im zweiten Teil „Signs of the Zodiac“: Im Schnelldurchgang fasst Stewart hier die Verbrechen des Zodiac-Killers zusammen und geht auch auf dessen verhöhnendes Katz-und-Maus-Spiel mit der kalifornischen Polizei ein. Dass Stewart die Morde so schildert, dass die Täterschaft seines leiblichen Vaters bereits als sicher vorausgesetzt wird ist dabei zwar manchmal etwas befremdlich, die knapp 100 Seiten geben aber dennoch einen guten Überblick über den Fall und werden vom Autor auch nicht unnötig reißerisch ausgeschmückt. Im letzten Teil „The Truth Deciphered“ führt Stewart dann die ersten beiden Abschnitte zusammen und präsentiert seine vermeintlichen Beweise für die Täterschaft seines Vaters. Während einige der für ihn eindeutigen Hinweise dabei zwar oft nicht mehr als (zugegeben durchaus verlockende) Indizien sind, so kommt man zum Ende des Buches doch immer mehr ins Grübeln, ob Gary L. Stewart nicht nur seine eigene Familiengeschichte entschlüsselt, sondern auch tatsächlich einen der spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte gelöst hat – von vielen der Argumente kann man sich dank zahlreicher Fotos im Bildteil des Buches dabei auch selbst überzeugen lassen. Zwar gelingt auch Stewart letztlich nicht die eindeutige und unwiderlegbare Überführung Earl Van Best Juniors (z.B. durch eine DNA-Probe), er liefert allen Verschwörungsfans diesbezüglich aber geschickt ein gefundenes Fressen. Für an True-Crime-Storys interessierte Leser ist „The Most Dangerous Animal of All“ somit sicherlich einen Blick wert, ob damit der Zodiac-Fall endgültig als gelöst zu den Akten gelegt werden kann, darf aber wohl auch weiterhin bezweifelt werden.

The Most Dangerous Animal of All
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Der Zodiac-Killer: Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand (16. Juli 2015)
  • Umfang: 384 Seiten
  • Verlag: Harper
  • Erscheinungsdatum: 13. Mai 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 14,95 €/eBook 7,51 €
Cover:
Story:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Gary L. Stewart erzählt mit seinem Buch „The Most Dangerous Animal of All“ eine interessante True-Crime-Story und liefert gute Argumente für seine „Mein Vater ist der Zodiac-Killer“-Theorie, dennoch gelingt auch ihm letztlich nicht die Erbringung eines eindeutigen Beweises für die Überführung des Täters.

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