Illusive_Rezi

Einige Jahre in der Zukunft hat ein gefährliches Virus die Menschheit völlig verändert: Nachdem die Epidemie viele Monate unaufhaltsam auf der ganzen Welt Opfer um Opfer forderte, konnte erst der Impfstoff eines amerikanischen Pharmakonzerns dem Massensterben endlich Einhalt gebieten. Neben einigen kleineren Nebenwirkungen löste das Gegenmittel bei einem Bruchteil der Bevölkerung aber auch die Entwicklung außergewöhnlicher Fähigkeiten aus. Doch statt sich damit in den Dienst der Menschheit zu stellen, wurde ein Teil der Begabten zu einer Bedrohung für die restliche Welt, sodass die Regierungen sich zu einem drastischen Schritt gezwungen sahen: Entweder man arbeitet für den Staat, oder wird von diesem als Verräter eingestuft und verfolgt. Einige der neuen „Superhelden“ haben sich aber zu einem anderen Weg entschieden, nämlich den des Verbrechens. So auch die 17-jährige Illusionistin Ciere, die sich mit einer Reihe von clever geplanten Diebstählen über Wasser hält – bis sie dabei einem Mafiaclan in die Quere kommt…

Teenager mit Superkräften als eingespielte Diebesbande

„Illusive“, der Auftakt einer neuen YA-Reihe aus der Feder der jungen Amerikanerin Emily Lloyd-Jones, wird vom Verlag vollmundig als „The X-Men meets Ocean’s Eleven“ beworben – und während dies einerseits ein nicht völlig unpassender Vergleich ist, tut man dem Buch mit diesem Stempel vermutlich keinen großen Gefallen. Man erwartet dadurch nämlich wohl fast zwangsläufig einen Roman voller rasanter Superhelden-Action und mit brilliant durchgeplanten Diebstählen – das bietet „Illusive“ in dieser Form jedoch nur bedingt. Kommen wir zunächst zu den Superkräften: Diese wurden auch bei Emily Lloyd-Jones (wie z.B. schon in Robison Wells „Blackout“) zumindest indirekt durch einen Virus hervorgerufen, da der Impfstoff gegen die tödliche Gefahr aus der vermeintlichen Winzigkeit von 0,003 % der Weltbevölkerung potenzielle Superhelden gemacht hat, die seitdem auf unterschiedliche Weise „gesegnet“ sind. Manche verfügen über telepathische Fähigkeiten, andere über ein perfektes Gedächtnis und wiederum andere z.B. können aus eigener Kraft schweben. Und es versteht sich von selbst, dass manche diese Fertigkeiten vorrangig dazu nutzen, dem Rest der Gesellschaft zu schaden und sich selbst zu bereichern, was von der Regierung natürlich nicht gerade gerne gesehen wird. Als „Immuner“, wie die Menschen mit Superkräften genannt werden, tut man also gut daran, mit seinen Fähigkeiten nicht zu sehr hausieren zu gehen – diese Erfahrung hat auch die Protagonistin Ciere schon in jungen Jahren auf schmerzhafte Weise machen müssen.

Kurzweilige, aber wenig raffinierte Action

Ciere ist Illusionistin und kann daher mit der Kraft ihrer Gedanken optische Täuschungen erzeugen und sich dadurch z.B. in gewisser Hinsicht unsichtbar machen. Das kommt ihr als Mitglied einer Diebesbande von Immunen natürlich sehr gelegen, womit wir dann beim vermeintlichen „Ocean’s Eleven“-Teil des Buches wären. Wer nun aber minutiös geplante Einbrüche erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden, denn zum einen nehmen die Diebstähle selbst nur einen eher geringen Teil der Geschichte ein und sind zum anderen dann auch etwas oberflächlich beschrieben. Zudem hat man es bei „Illusive“ auch nicht mit einer Reihe Meisterverbrecher zu tun, sondern mit einer kleinen Gruppe begabter Teenager, die unter der Leitung eines Mentors ihren illegalen Aktivitäten nachgehen. Nichtsdestotrotz legt das Buch von Beginn an ein gutes Tempo vor und bietet auch genügend Action, obwohl die Ereignisse in der ersten Hälfte noch ein wenig beliebig wirken und man ein wenig den roten Faden der Geschichte sucht. Ab der Mitte des Romans ist „Illusive“ in dieser Hinsicht aber deutlich zielstrebiger und legt dadurch auch spürbar an Spannung zu, welche Emily Lloyd-Jones dann auch bis zum Showdown aufrecht erhalten kann.

Nicht mit dem erwarteten Superhelden-Feeling, aber dennoch unterhaltsam

Somit ist „Illusive“ alles in allem also ein wirklich gelungener Debütroman der Autorin, der die verschiedene Superkräfte gut in eine kurzweilige Geschichte verpackt und mit Ciere und ihrer Diebesbande auch eine Reihe sehr sympathischer Figuren bietet, die allerdings wie so manche Dinge in diesem Buch ein wenig oberflächlich charakterisiert werden. Das gilt wie erwähnt vor allem für die zum einen recht raren und dann auch sehr simplen Raubzüge – hier ist der „Ocean’s Eleven“-Vergleich meiner Meinung nach auf jeden Fall deutlich zu hoch gegriffen. „Illusive“ bietet auch nicht unbedingt die Superhelden-Action, die man vielleicht aus diversen Comic-Universen gewohnt ist – der Großteil der Charaktere lässt sich vorrangig wohl besser als ein Haufen übersinnlich begabter Teenager bezeichnen denn als gestandene Helden. Wer dies im Hinterkopf behält und demzufolge nicht mit übermäßigen Erwartungen an das Buch herangeht, wird mit Emily Lloyd-Jones Debüt sicherlich gut unterhalten.

Illusive
  • Autor:
  • Reihe: Illusive #1
  • Umfang: 416 Seiten
  • Verlag: Little, Brown Books for Young Readers
  • Erscheinungsdatum: 15. Juli 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 16,33 €/eBook 6,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Emily Lloyd-Jones liefert mit ihrem Debütroman „Illusive“ kurzweilige und mit interessanten Superkräften gespickte Action, der trotz sympathischer Charaktere aber manchmal ein wenig Tiefgang und Raffinesse fehlen.

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