Von_meinem_Blut_Rezi

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Myron Bolitar eine kurze aber intensive Affäre mit Terese Collins hatte – seitdem ist der Kontakt zwischen den beiden jedoch völlig abgebrochen. Als Terese dann aus heiterem Himmel Myron anruft, ihn um seine Hilfe bittet und nach Paris einlädt, ist dieser vollkommen verwirrt. Da seine aktuelle Beziehung aber gerade ohnehin in die Brüche geht zögert der Sportagent aber nicht allzu lange und kommt der Bitte seiner Ex-Freundin nach. In Paris gibt es dann jedoch direkt nach seiner Ankunft die erste böse Überraschung, als Myron noch am Flughafen von der französischen Polizei abgefangen wird, die aus unerfindlichen Gründen ein gesteigertes Interesse an seinem Besuch bei Terese Collins hat. Wie Myron von dieser im Anschluss erfährt, handelt es sich bei seiner Reise nämlich nicht nur um eine kleine Gefälligkeit, sondern er soll bei der Suche nach Tereses Ex-Mann helfen, der sich mit ihr unbedingt in Paris treffen wollte, dort dann aber nie eingetroffen ist – den Grund dafür erfahren Myron und Terese wenig später von der Polizei…

Der neunte Auftritt des Sportagenten, Ex-Basketballers und Privatermittlers Myron Bolitar

„Das Spiel seines Lebens“, der erste Band der Myron-Bolitar-Reihe aus der Feder des amerikanischen Autors Harlan Coben, zählte damals zu den ersten Hörbüchern, mit denen ich in Kontakt gekommen bin – seitdem sind der Sport- und Schauspielagent und Hobby-Detektiv mit gescheiterter Profi-Basketball-Karriere Myron Bolitar und sein psychopathischer und stinkreicher Freund Windsor „Win“ Horne Lockwood III für mich zu treuen Begleitern geworden. Die Geschichten sind zwar selten besonders originell und laufen in der Regel nach dem typischen Harlan-Coben-Schema ab (ein verhängnisvolles Ereignis in der Vergangenheit muss Jahre später aufgeklärt werden), sind aber dennoch immer recht spannend und leben vor allem von dem überragenden Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren, wobei gerade der unberechenbare und ernsthaft gestörte Win mit seinen Eskapaden immer wieder für verstörend-lustige Unterhaltung sorgt.

Zwischen Macho-Action und Spurensuche in Paris

Von den beiden Sportskameraden bekommt man dann auch gleich in der Eröffnungsszene ein gutes Bild, als sich Myron und Win nämlich während eines Jugend-Basketballspiels zu einem handfesten Konflikt mit einem der Trainer hinreißen lassen, das wenig später für diesen und seine Freunde äußerst schmerzhaft endet – blöd nur, dass darunter ein hochrangiger Polizist ist und Myron und Win deshalb erst einmal untertauchen müssen. Da kommt der Hilferuf von Myrons Ex-Affäre Terese Collins aus Paris durchaus gelegen… Somit spielt „Von meinem Blut“, der insgesamt neunte Band der Reihe (von denen jedoch bisher nur fünf in einer deutschen Übersetzung erschienen sind), diesmal nicht wie gewohnt in Myron Bolitars New Yorker Umfeld, sondern führt den Agenten nach Europa, wo dieser (wie könnte es anders sein) natürlich wieder in einen heiklen Kriminalfall verwickelt wird. Auch dieser verläuft zunächst nach dem gewohnten Konzept und obwohl man so eine Geschichte von Coben schon gefühlt hundertmal gehört hat, lässt man sich trotzdem wieder recht schnell von der Story mitnehmen und bekommt spannende Unterhaltung mit dem gewohnten Augenzwinkern – also den üblichen Macho-Sprüchen und Raufereien von Myron und Win – geboten. Das muss man nicht unbedingt mögen, wer die Reihe kennt und schätzt wird sich aber hier schnell zuhause fühlen. Vor allem Win ist eine Figur, an der ich mich einfach nicht sattlesen/hören kann – die Mischung aus versnobtem Aristokraten, schamlosem Aufreißer und eiskaltem Killer ist einfach zu komisch.

Spannung in der ersten Hälfte, absurder Schwachsinn in der zweiten

Ungefähr ab der Mitte des Buches verlässt Harlan Coben aber dann die gewohnten Pfade und lässt aus Myron Bolitar zu einer Art Aushilfs-James-Bond mutieren, der im Kampf gegen den Terror durch die Weltgeschichte reist. So ballert dieser sich von einer Schießerei zur nächsten, liefert sich halsbrecherische Verfolgungsjagden und lässt sich auch von lebensgefährlichen Verletzungen nicht wirklich aufhalten. Den Superheldenstatus von Myron Bolitar und dem ebenso unverwundbaren Win ist zwar man mittlerweile gewohnt, dieser passt auch zum ironischen Ton der Bücher. Allerdings wird auch die Story in der zweiten Hälfte derart abenteuerlich, dass es einfach nur noch absurd ist. Abgesehen von den durchaus unterhaltsamen Actionszenen bekommt man hier eine wirklich haarsträubend konstruierte Geschichte geboten, die zwar kurzweilig ist, bei der man sich aber für den Autor fast ein wenig fremdschämt – so bescheuert ist das, was Coben seinem Publikum mit fortschreitender Handlung bietet. Somit hinterlässt „Von meinem Blut“ einen faden Beigeschmack: Einerseits funktioniert das Duo Myron Bolitar/Windsor Horne Lockwood III auch im neunten Anlauf immer noch bestens und der zwar sehr flache aber wunderbar ironische Humor bringt mich immer noch häufig zum Schmunzeln – bei der Story wäre Harlan Coben aber wohl besser bei seinem üblichen Strickmuster geblieben, statt seine Geschichte derart überkonstruiert gegen die Wand fahren zu lassen. Am Hörbuchsprecher Detlef Bierstedt gibt es aber wie gewohnt nichts zu mäkeln, dieser passt mit seiner oft überspitzten und säuselnden Interpretation einfach bestens zu den Charakteren und dem Ton der Reihe.

Von meinem Blut
  • Autor:
  • Original Titel: Long Lost
  • Reihe: Myron Bolitar #9
  • Länge: 9 Std. 43 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Audible GmbH
  • Erscheinungsdatum: 23. September 2010
  • Preis 20,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Mit dem neunten Band seiner Myron-Bolitar-Reihe bietet Harlan Coben den gewohnten Macho-Humor und spannende Action, verzettelt sich dann aber in der zweiten Hälfte im absurden Konstrukt seiner Geschichte.

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