Dracula_Rezi

Den Rechtsanwalt Jonathan Harker verschlägt es nach Siebenbürgen, wo er in beruflicher Funktion den Kauf eines Londoner Hauses durch den Grafen Dracula abwickeln soll. Bereits die Anreise gestaltet sich jedoch recht unangenehm und auch im Schloss des Grafen geht der Spuk weiter, denn der Anwalt entdeckt in den Tagen nach seiner Ankunft immer mehr Auffälligkeiten in der Person seines Gastgebers, die ihn doch deutlich beunruhigen – u.a. einen seltsamen Hunger nach menschlichem Blut oder die Tatsache, dass der Graf gar kein Spiegelbild hat. Als Jonathan Harker ahnt, in welcher Gefahr er sich befindet, ist es für eine Rückkehr nach England jedoch fast schon zu spät und er steckt in einer Falle, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt…

Mein zweiter Versuch mit dem ungeliebten Horror-Klassiker

Ich habe mir Bram Stokers Horror-Klassiker „Dracula“ bereits im letzten Jahr zu Gemüte geführt, damals in der ungekürzten und fast 17 Stunden langen Hörbuchversion (Rezension). Leider war ich von der Originalfassung der inzwischen deutlich mehr als 100 Jahre alten Geschichte alles andere als angetan, vor allem die enorme Langatmigkeit der Erzählung stellte sich für mich als großer Knackpunkt heraus. Auch eine unheimliche Atmosphäre und den damit verbundenen Gruselfaktor haben ich über weite Strecken schmerzlich vermisst. Daher habe ich meine Hoffnungen nun in die Hörspiel-Fassung des Hörverlags gesetzt, die zum einen mit knapp drei Stunden deutlich gestraffter ist und (wie es sich für ein Hörspiel nun einmal gehört) auch atmosphärisch mehr zu bieten haben sollte.

Nicht so langatmig wie das Original, dafür aber recht bruchstückhaft

Um es bereits vorwegzunehmen: Mit der Hörspiel-Umsetzung konnte ich zwar schon eher etwas anfangen, doch Bram Stokers „Dracula“ und ich werden wohl wirklich keine großen Freunde mehr. Das Positive: Langeweile kommt diesmal tatsächlich keine auf, da die zähen und (meiner Meinung nach) überflüssigen Passagen hier glücklicherweise wegfallen. Das Negative: Wenn man die vormals knapp 17 Stunden auf gerade einmal drei herunterstreicht, geht letztlich schon einiges von der ursprünglichen Handlung verloren, die Szenen wirken im Hörspiel also häufig etwas zusammenhanglos. Das ist kein Problem, wenn man die Ur-Fassung kennt, wer jedoch mit dem Hörspiel seine erste Dracula-Begegnung hat, der dürfte womöglich die ein oder andere erklärende Verbindung vermissen.

Ordentliche Produktion mit vermeidbaren Schwächen

Atmosphärisch hat das Hörspiel wie erwartet mehr zu bieten als das Hörbuch, wenngleich ich für eine Sven-Stricker-Produktion schon ein klein wenig enttäuscht bin. Die Geräuschuntermalung ist ordentlich, hebt sich aber qualitativ auch nicht wirklich von anderen Umsetzungen an. Zudem haben mir manche Sachen überhaupt nicht gefallen, etwa die sehr merkwürdigen und für einen klassischen Stoff völlig unpassenden Funk/Modem(?)-Geräusche zwischen den einzelnen Szenen sowie die häufig verwendete Übereinanderlegung von Dialogzeilen – das hat nämlich zur Konsequenz, dass man von zwei Sprechrollen keine der beiden richtig verstehen kann. An den Sprechern gibt es hingegen wenig auszusetzen, hier machen Felix von Manteuffel (Dracula), Gerd Baltus (van Helsing), Andreas Fröhlich (Dr. Seward) und Co. wirklich einen soliden Job. Somit ist die Hörverlag-Umsetzung von „Dracula“ insgesamt eine durchaus ordentliche Hörspiel-Produktion mit ein paar Schwächen, die aber letztlich auch nicht viel daran ändern kann, dass ich Bram Stokers Geschichte einfach nicht besonders spannend finde.

Dracula
  • Autor:
  • Sprecher: Gerd Baltus, Felix von Manteuffel, Andreas Fröhlich, Céline Fontanges, Konstantin Graudus
  • Länge: 156 Minuten
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 26. März 2012
  • Preis 9,99 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Solide Hörspiel-Umsetzung des Horrorklassikers von Bram Stoker, die aber die Schwächen des Originals kaum überspielen kann und zudem teilweise mit seltsamen Geräuscheinlagen für Befremdung sorgt.

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