Monstrumologen-Special

Am Dienstagabend machte die Nachricht die Runde, dass Warner Bros. an einer filmischen Umsetzung von Rick Yanceys Horror-Roman „Der Monstrumologe“ arbeitet, was bei mir zu spontanen Jubelstürmen geführt hat – schließlich hatte ich schon beim Lesen der Bücher die Wunschvorstellung, diese tollen Geschichten einmal auf der großen Leinwand sehen zu dürfen. Dass dieser Wunsch nun tatsächlich Realität wird, ist fast zu schön um wahr zu sein und ich würde am liebsten sofort die Kinos stürmen um die Abenteuer von Will Henry und Dr. Pellinore Warthrop in bewegten Bildern zu sehen – allerdings dauert es bis zum Filmstart wohl noch ein paar Jahre.

Leider habe ich jedoch das Gefühl, dass Rick Yanceys Monstrumologen-Reihe viel zu wenig Beachtung geschenkt wird und kaum jemand die Bücher liest, was wirklich sehr schade ist, weil die vier Bücher meiner Meinung nach zu den besten Buchreihen gehören, die ich in meinem Leben gelesen habe. Deshalb nehme ich die frohe Botschaft von der Verfilmung des ersten Buches nun zum Anlass, um euch die Geschichten ein wenig schmackhaft zu machen – in der Hoffnung, dass zumindest der ein oder andere dann auch endlich mal zu den Romanen greift. Es folgen nun also 5 gute Gründe, Rick Yanceys Monstrumologen-Reihe zu lesen:

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Ich habe in Büchern selten Figuren erlebt, die so lebendig und vielschichtig charakterisiert wurden wie die Helden und Antihelden in Rick Yanceys Monstrumologen-Universum. Dies gilt natürlich vor allem für die beiden Protagonisten Dr. Pellinore Warthrop, einen verschrobenen Wissenschaftler, der sich auf die Erforschung schrecklicher Kreaturen spezialisiert hat, und seinen jugendlichen Assistenten Will Henry, der nach dem Tod seiner Eltern bei Warthrop aufwächst und dessen Handwerk gezwungenermaßen ebenfalls erlernt. Man ist beim Lesen ständig hin- und hergerissen zwischen Sympathie und Bewunderung für die Leidenschaft, die Warthrop seiner Arbeit entgegenbringt, und dem Entsetzen, das dessen rücksichts- und verantwortungsloser Umgang mit einem Jungen hervorruft, der wie jedes andere Kind eine normale Jugend verdient hätte – ohne die ständige Präsenz des Todes oder des unberechenbaren Wahnsinns seines Mentors. Momente der väterlichen Zuneigung wechseln sich hier permanent mit einer erschreckend freien Interpretation von Moral und Ethik ab, die den Wissenschaftler zu einer hochinteressanten Figur machen. Will Henry steht dem aber in nichts nach und es ist ungemein faszinierend, dessen Entwicklung über die einzelnen Bücher hinweg zu beobachten und die Spuren zu entdecken, die Wills ungewöhnliche Kindheit und der Umgang mit dem Monstrumologen bei ihm hinterlassen. Hier hat man beim Lesen wirklich das Gefühl, dass Yanceys Charaktere lebendig sind und im Laufe der Romane nicht nur altern, sondern auch reifen – auch wenn die Veränderungen nicht immer positiv sind.

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Von der ersten Seite an nimmt „Der Monstrumologe“ seine Leser mit der einzigartigen Atmosphäre gefangen. Die Handlung der Reihe beginnt im Neuengland des Jahres 1888 und verschlägt einen in dunkle Keller voller schrecklicher Geheimnisse, auf unheimliche Friedhöfe voller grauenvoller Abscheulichkeiten, in finstere Wälder mit überall lauernden Gefahren und an viele weitere spannende Schauplätze, die alle eines gemeinsam haben: eine düstere Stimmung, die ein permanentes Gefühl der Bedrohung entstehen lässt und beim Leser ein ständiges Unwohlsein hervorruft. Gleichzeitig übt diese Atmosphäre aber auch eine ungemeine Faszination aus und man lässt sich immer wieder gerne an Orte mitnehmen, die man eigentlich niemals im echten Leben sehen wollen würde. Rick Yancey nimmt sich stets viel Zeit für detaillierte Beschreibungen seiner Schauplätze und sorgt dadurch für ein ungemein anschauliches und intensives Leseerlebnis.

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Rick Yancey Monstrumologen-Bücher werden als Jugendromane vermarktet, davon sollte man sich aber als etwas älterer Leser auf gar keinen Fall abschrecken lassen – denn die Abenteuer von Will Henry und Dr. Warthrop sind reifer als viele  vergleichbare Erwachsenen-Romane. Man würde von einem Buch, das einen 12-jährigen Jungen zur Hauptfigur hat, wohl auch kaum eine solche Brutalität erwarten: Bei Rick Yancey geht es nämlich äußerst blutrünstig zur Sache und es kommt zu schrecklichen Aufeinandertreffen von Monstern und Menschen, die nicht selten mit abgetrennten Extremitäten, zerfleischten Körpern oder herumspritzender Gehirnmasse enden. Die Gewaltdarstellung ist im Detail vielleicht nicht so explizit wie in „erwachsenen“ Horror-Romanen, die ganz Kleinen sollte man aber tunlichst von diesen Büchern fernhalten, denn es geht stellenweise wirklich heftig und eklig zur Sache. „Der Monstrumologe“ bietet aber nicht nur stumpfe Gewalt, sondern dazu auch fast schon philosophischen Tiefgang: Es werden moralische und ethische Fragen thematisiert und gerade zum Ende der Reihe hin dominiert ein sehr ernster Ton, welcher der Geschichte um Will Henry und Wathrop fast schon epische Ausmaße verleiht – und dem Leser nach langem Bangen und Zittern schließlich ein Ende bietet, das zwar sicherlich nicht das ist, was man sich erhofft hätte, das aber wahnsinnig gut zum Charakter der Bücher passt und insofern keine Wünsche offen lässt.

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Es gibt zwar jede Menge fantastischer Elemente und grausiger Kreaturen, trotzdem fühlt sich die Geschichte zu jedem Zeitpunkt absolut authentisch an. Das beginnt schon beim Erzählstil Rick Yanceys, der die Handlung in den jeweiligen Prologen der Bücher geschickt in sein eigenes Leben miteinbezieht und dem Leser somit das Gefühl gibt, diese Ereignisse hätten sich tatsächlich im späten 19. Jahrhundert so abgespielt. Dafür sorgt Yancey auch dadurch, indem er häufig reale historische Berühmtheiten wie Coca-Cola-Erfinder John Pemberton oder Sir Arthur Conan Doyle höchstpersönlich in die Geschichte integriert. Das ist clever gemacht und solche Überraschungen rufen häufig ungläubiges Staunen hervor. Zudem spielt Yancey auch gerne mit der Erwartungshaltung seiner Leser und lässt diese oft im Unklaren darüber, ob man es bei den Absonderlichkeiten, mit denen Will Henry und Warthrop konfrontiert werden, tatsächlich mit fantastischen Geschöpfen zu tun hat oder ob es möglicherweise eine ganz rationale, aber nicht weniger verstörende Erklärung für die geschilderten Ereignisse gibt.

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Die Monstrumologen-Reihe kann aber nicht nur inhaltlich überzeugen, sondern ist auch im Bücherregal ein absolutes Highlight. Dies gilt vor allem für die deutsche Übersetzung, die mit zahlreichen wunderschönen Illustrationen daher kommt und gegen die das englische Original trotz ähnlicher optischer Highlights klar den Kürzeren zieht. Die Bücher sind nämlich nicht nur durch die tollen Covermotive ein echter Blickfang, sondern liefern auch im Innenteil in regelmäßigen Abständen ganzseitige Illustrationen, die einzelne Szenen der Handlung abbilden und somit wunderbar zum Inhalt passen. Zudem sorgen unzählige kleine Zeichnungen am Seitenrand für einen hervorragenden optischen Gesamteindruck. Der erste Band bietet darüber hinaus sogar noch ein Lesezeichen im Monstrumologen-Look, das man sich vom Schutzumschlag abtrennen und zur Lektüre des Buches nutzen kann. Insgesamt also ein absolutes Gesamtkunstwerk, dessen Stil bestens zum Ton der Geschichte passt.

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Ich könnte noch seitenlang weiter über die Bücher schwärmen, so begeistert bin ich von Rick Yanceys Buchreihe. Jeder einzelne der Romane ist wirklich auf einem sehr hohen Niveau und auch wenn der Erzählstil in der Regel eher etwas gemächlich und ruhig ist, so kommt doch zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Yancey leistet sich in der gesamten Reihe kaum nennbare Schwächen und hat mit Will Henry und Dr. Warthrop zwei Figuren geschaffen, die einem beim Lesen absolut ans Herz wachsen, mit denen man gerne mitfiebert und deren Entwicklung man mit Spannung verfolgt. Ich hoffe daher wirklich sehr, dass ich euch mit diesem Beitrag ein bisschen für diese fantastische Reihe begeistern konnte, denn die Bücher haben es wirklich verdient. Am besten also direkt mit dem ersten Teil anfangen, dann könnt ihr dem Filmstart ebenso aufgeregt entgegenfiebern wie ich 😉

Also: Ran an die Bücher!


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