Alice_im_Wunderland_Rezi

Die kleine Alice ist gerade mit ihrer großen Schwester mitten in einem ziemlich eintönigen Picknick am Fluss, als ihre Langeweile unerwartet von einem kuriosen Anblick unterbrochen wird: Direkt vor ihren Augen läuft ein weißes Kaninchen hektisch an ihr vorbei, das wie ein Mensch gekleidet ist, ständig auf seine große Taschenuhr guckt und dabei panisch vor sich hin murmelt. Alice traut ihren Augen kaum und von der Neugier getrieben springt sie sofort auf, folgt dem sprechenden Kaninchen und macht auch nicht Halt, als dieses in seinem Bau verschwindet. Wie gebannt folgt das Mädchen dem Tier in das Erdloch, wo sie plötzlich ins Nichts stürzt und nach einem endlos scheinenden Fall in einem seltsamen Saal mit vielen Türen landet. Alice ahnt nicht, was für ein bizarrer Ort sich dahinter verbirgt und welche sonderbaren Gestalten dort auf sie warten…

Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker in der Hörbuchversion

Man muss Lewis Carrolls 1865 erschienenen Roman nicht gelesen haben, um die Geschichte von „Alice im Wunderland“ zu kennen, schließlich stößt man auch heute noch immer wieder in den unterschiedlichsten Formen auf eine der beliebtesten Kinderbuchfiguren der Literaturgeschichte. Egal ob als Disneyfilm, Tim-Burton-Adaption, Horrorfilm oder Videospiel – es dürfte kaum jemanden geben, der das blonde Mädchen im blauen Kleid mit der weißen Schürze noch nicht gesehen hat und dem Figuren wie das weiße Kaninchen, der verrückte Hutmacher oder die skrupellose Herzkönigin kein Begriff sind.

Zu viel Nonsens, zu wenig Inhalt

Folglich war Carrolls „Alice im Wunderland“ einer der wenigen Klassiker in meiner Hörbuch-Bibliothek, auf den ich mich tatsächlich gefreut habe – leider machte sich jedoch auch hier drei Stunden später ein wenig Ernüchterung bei mir breit. Ja, es ist eine originelle und wirklich märchenhafte Geschichte, die auch nach fast 150 Jahren nichts von ihrem Charme und Witz eingebüßt hat. Ja, die Erzählung ist ohne jeden Zweifel kurzweilig und strotzt nur so vor abgedrehten Ideen und ja, auch die Charaktere sind ohne Frage einzigartig und meist sehr amüsant. Warum hat mich das Buch dann trotzdem nicht so gepackt wie ich es mir erhofft hatte? Mein Problem mit Carrolls Werk lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen: Zu viel Nonsens, zu wenig Inhalt. So abwechslungsreich und unterhaltsam die einzelnen Kapitel auch sein mögen, so fehlt es mir hier einfach an einem roten Faden, der die einzelnen Szenen zumindest grob miteinander verbindet. Ohne diesen wirkt „Alice im Wunderland“ auf mich wie eine wilde Aneinanderreihung zusammenhangloser Ereignisse, die auf Biegen und Brechen in eine Geschichte gezwängt wurden.

Gerade in der Hörbuchfassung sehr schrill und anstrengend

Leider muss ich auch sagen, dass ich die Protagonisten deutlich weniger sympathisch fand als ich erwartet hatte, denn nicht selten verhält sich Alice wirklich äußerst dämlich und legt darüber hinaus auch noch eine recht eingebildete Attitüde an den Tag. Hier hätte ich zum Ausgleich gerne noch mehr über den verrückten Hutmacher, den Märzhasen oder die Grinsekatze gelesen, die aber alle innerhalb von wenigen Sätzen abgefertigt und durch neue skurrile Gestalten abgelöst werden. Außerdem war mir die Geschichte häufig einfach zu laut und zu abgedreht, was wohl vor allem ein Problem der Hörbuchfassung ist und damit auch auf die Sprecherin zurückzuführen ist. Dabei kann man Nana Spier eigentlich keinen Vorwurf machen, denn sie liest das Werk so, wie man es vermutlich lesen sollte: lebhaft, facettenreich, amüsant, aber eben auch recht schrill, gerade wenn sich zum Ende hin die Ereignisse überschlagen und immer mehr kuriose Charaktere für ein wahres Chaos sorgen. Bei dem ganzen Geschrei und den vielen piepsigen Stimmen wird das für das Gehör schon ganz schön anstrengend, sodass mir dann zwischendurch auch gewaltig die Ohren geklingelt haben und ich mir kurzzeitig mal eine Pause nehmen musste. Für mich war das einfach alles ein bisschen too much und over the top, sodass ich letztlich doch recht froh war, als ich das Hörbuch schließlich beendet hatte. Ich persönlich bin bei den Film-Umsetzungen jedenfalls deutlich besser aufgehoben…

Alice im Wunderland
  • Autor:
  • Sprecher: Nana Spier
  • Original Titel: Alice in Wonderland
  • Länge: 2 Std. 57 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Audible GmbH
  • Erscheinungsdatum: 16. November 1864
  • Preis 4,95 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Originelles und sehr abgedrehtes Kinderbuch voller kurioser Charaktere, dem es aber an Substanz fehlt und das in der schrillen Hörbuchversion doch etwas anstrengend wirkt.

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/plugins/microkids-related-posts/microkids-related-posts.php on line 645

Kommentar verfassen: