The_Troop_Rezi

Für die fünf Teenager Kent, Ephraim, Max, Newt und Shelley ist es das Highlight des Jahres: Der traditionelle Pfadfinder-Camping-Ausflug mit ihrem Gruppenführer Tim – ein ganzes Wochenende in der Wildnis einer einsamen Insel, ohne Eltern und ohne Kontakt zur Außenwelt. Doch das aufregende Abenteuer wird zum albtraumhaften Höllentrip, als die Gruppe am ersten Abend unerwarteten Besuch bekommt: Ein völlig abgemagerter und heruntergekommener Fremder setzt mit einem Boot auf die Insel über und bettelt um Hilfe und vor allem um Nahrung. Den Pfadfindern ist der Mann mit dem wilden Auftreten sofort unheimlich, doch ihr Leiter fühlt sich als hauptberuflicher Arzt letztlich in der Pflicht, zu helfen und lädt den Besucher notgedrungen in ihre Unterkunft ein. Doch noch in der ersten Nacht wird Tim und den Jungen auf dramatische Weise klar, dass diese Gastfreundschaft ein tödlicher Fehler war…

Ein Horrorroman mit klassischem Insel-Szenario

Das Szenario von Nick Cutters neuem Horror-Thriller „The Troop“ ist simpel, doch gerade diese Einfachheit hat mich sofort auf das Buch neugierig gemacht. Zwar gewinnt der Autor mit seinem Pfadfinder-Trupp auf einer einsamen Insel nicht gerade den Originalitätspreis, doch ich mag dieses räumlich stark beschränkte und auf wenige Charaktere reduzierte Setting einfach immer wieder gerne. Zudem hat „The Troop“ damit zugleich auch einen gewissen Old-School-Charme und erinnert nicht ohne Grund an Genre-Klassiker wie z.B. William Goldings „Herr der Fliegen“. Die Rahmenbedingungen sind schnell erläutert, die wenigen Protagonisten ebenso zügig vorgestellt und so dauert es nicht allzu lange, bis das Grauen in Cutters Roman seinen ersten Auftritt hat – und zwar in Form eines unheimlich entstellten nächtlichen Besuchers, der von einem seltsam ungezügelten Hunger getrieben wird und sich auf seiner Suche nach Nahrung alles in den Rachen wirft, was auch nur im geringsten essbar erscheint. Der Fremde bittet um Obdach für die Nacht und obwohl man als Leser laut aufschreien und den Leiter des Pfadfindertrupps mit aller Macht davon abhalten möchte, lässt dieser sich natürlich auf das Risiko ein – der Gute ist schließlich Arzt und bringt es beim besten Willen nicht übers Herz, den Mann mitten in der Nacht abzuweisen. Und wo soll er auch sonst groß hin…

Aufgrund des hohen Ekelfaktors nichts für zartbesaitete Gemüter

Von den Zutaten her klingt das nun nach dem klassischen Szenario „Killer dezimiert nach und nach die Gruppe auf der einsamen Insel“ – dem ist aber nicht so, wie man auch schon dem Klappentext des Buches entnehmen kann. Die Bedrohung ist hier anderer Natur und wird den Lesern auch sehr frühzeitig und mit äußerst unappetitlichen Ausschmückungen offenbart. Denn wer auf Horrorgeschichten mit einem hohen Ekelfaktor steht, kommt mit „The Troop“ auf jeden Fall auf seine Kosten. Nick Cutter schreckt vor sehr drastischen Beschreibungen und einem äußerst regelmäßigen Gebrauch solcher nämlich nicht zurück und wer einen empfindlichen Magen hat, sollte von diesem Roman vielleicht besser Abstand nehmen.

Vorhersehbare Story ohne wirklichen Nervenkitzel

Eklig ist die Geschichte also schon einmal und dadurch auch manchmal etwas verstörend, allerdings hat es Cutter zu keinem Zeitpunkt geschafft, bei mir auch einen entsprechenden Nervenkitzel hervorzurufen. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass mich seine Art der Bedrohung und des Grauens einfach überhaupt nicht in der Form angesprochen hat, dass ich es sonderlich schockierend oder beängstigend fand – und auch gegen die sich stetig wiederholenden Ekel-Passagen war ich relativ schnell abgehärtet. Es fehlt „The Troop“ schlicht an einer packenden Story, denn in dieser Hinsicht ist die Handlung von Anfang bis Ende völlig vorhersehbar und es gibt streng genommen nicht eine einzige echte Überraschung oder unerwartete Wendung. Leider nutzt der Autor auch sein Insel-Setting überhaupt nicht aus, denn wer u.a. aufgrund der Pfadfinder-Charaktere auf einen unerbittlichen Survival-Trip gehofft hat, wird bitter enttäuscht.

Klischeehafte und häufig recht dämlich agierende Charaktere

Und mit den Charakteren wären wir auch schon beim nächsten Problem. Natürlich erwarte ich von einem Horror-Thriller keinen besonders großen Tiefgang, aber dennoch muss man bei einer Gruppe von fünf 14-jährigen Jungen doch wirklich nicht jedes Teenie-Klischee abgrasen: Der von allen geliebte Sonnyboy, der leicht reizbare Raufbold, der etwas zurückhaltende Sonderling und – wer darf auf keinen Fall fehlen? – der streberhafte Nerd, der natürlich ein kleines Dickerchen ist, alles weiß und es auf jedes noch so nichtige Pfadfinderabzeichen abgesehen hat. Doch selbst ein so schlaues Kerlchen kann die Gruppe offenbar nicht davon abhalten, sich wie Trottel zu verhalten und sich immer wieder unnötig in Gefahr zu bringen, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste.

Passabel, aber nicht der erhoffte „novel of terror“

Es ist aber auch nicht alles schlecht. Cutters Schreibstil ist durchaus gelungen und auch die von Stephen Kings Horror-Klassiker „Carrie“ geborgte Erzählweise mit Zeitungsberichten, Interview-Auszügen oder kleinen Reportagen sorgt für Abwechslung und interessante neue Blickwinkel. Aber für einen Roman, der mit der Bezeichnung „A novel of terror“ und dem King-Zitat „The Troop scared the hell out of me“ auf dem Cover wirbt, ist das Buch letztlich erstaunlich harmlos, spannungsarm und angstfrei. Schade eigentlich, denn zumindest in einer Szene (der an die Nieren gehende Überlebenskampf einer Schildkröte) zeigt Cutter, dass er durchaus zu einer erzählerischen Wucht in der Lage ist, die er aber viel zu selten abruft.

The Troop
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Das Camp (Sept. 2014)
  • Umfang: 358 Seiten
  • Verlag: Gallery Books
  • Erscheinungsdatum: 25. Februar 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 18,90 €/eBook 8,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
6/10
Fazit:
"The Troop" bietet zwar einen hohen Ekelfaktor, kann mit der schwachen und vorhersehbaren Story aber kaum für Nervenkitzel sorgen.

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