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Sechs Durchschnittsbürger überleben das Ende der Menschheit und landen auf einer alternativen Erde, wo das Schicksal des Planeten in ihren Händen liegt.

Auf der Erde kommt es zu einer globalen Katastrophe: Für ganze neun Minuten fallen auf dem gesamten Erdball alle elektronischen Geräte aus – mit verheerenden Folgen. Versorgungsnetze brechen zusammen, Krankenhäuser sind lahmgelegt, Flugzeuge fallen wie Fliegen vom Himmel und stürzen hundertfach in bewohnte Gebiete. Inmitten der Zerstörung bricht Chaos aus und schon bald breitet sich eine Welle der Gewalt in den Straßen aus – doch nicht für sehr lange, denn bereits einen Tag später fällt den Erdbewohnern im wahrsten Sinne des Wortes der Himmel auf den Kopf und löscht jede Form von Leben auf dem Planeten mit einem Schlag aus. Nur ganze sechs Menschen werden auf mysteriöse Weise von geheimnisvollen Wesen vor dem Weltuntergang gerettet und finden sich wenig später in einer Welt wieder, in der es fliegende Autos und schwebende Restaurants gibt und die Gesetze der Zeit wie selbstverständlich manipuliert werden können. Keiner der sechs hat eine Ahnung, warum ausgerechnet er zu den Überlebenden zählt, doch ihnen wird schnell klar, dass jeder der sechs Männer und Frauen nicht ohne Grund ausgewählt wurde…

Weltuntergang und Auslöschung der Menschheit im Schnelldurchlauf

Ich bin so froh, dass ich vor ein paar Monaten durch reinen Zufall auf Twitter über die Ankündigung zu „The Flight of Silvers“ von Daniel Price gestolpert bin, denn sonst wäre wohl eines meiner Lese-Highlights 2014 unbemerkt an mir vorbeigegangen. Vom tollen Regenbogen-Cover und dem außergewöhnlichen Klappentext geködert, habe ich mir das Buch damals umgehend vorbestellt – und habe es beim Lesen nicht für eine Seite bereut. Das Schöne: Trotz des satten Umfangs von knapp 600 Seiten ist man direkt von Beginn an mitten in der Geschichte drin, wofür Daniel Price mit zwei frühen Knalleffekten sorgt. Dies beginnt bereits beim Prolog, wo die Familie der Givens nur knapp einem tödlichen Verkehrsunfall entgeht, indem plötzlich drei mysteriöse Wesen auftauchen, die Zeit extrem verlangsamen und die Givens aus ihrem Auto retten, bevor dieses von einem von einer Brücke stürzenden LKW begraben wird – nur um dann ohne ein Wort der Erklärung wieder zu verschwinden. Einige Jahre später sind die beiden Töchter, Hannah und Amanda Given, erwachsen und gehen weitestgehend getrennte Wege, um dann vom Schicksal erneut auf bizarre Weise zusammengeführt zu werden. Ohne große Vorwarnung wird der Planet Erde zerstört und die ganze Menschheit ausgelöscht – und zu diesem Zeitpunkt sind gerade einmal 30 Seiten des Buches vorbei.

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Spannende Charaktere mit Tiefgang

Sechs Menschen haben jedoch mehr oder weniger Glück gehabt und wurden von den gleichen mysteriösen Wesen gerettet und auf eine alternative Erde verfrachtet, wo sie in einer geheimnisvollen Forschungseinrichtung versammelt und überwacht werden – und an diesem Zeitpunkt soll es das in Sachen Inhaltsangabe dann auch gewesen sein, denn jede weitere Ausführung würde nicht nur sehr komplex werden, sondern auch zu viel verraten. Stattdessen verliere ich lieber noch ein paar Worte über die sechs Hauptfiguren, die zwar alle komplett unterschiedlich sind, aber doch alle eines gemeinsam haben: sie sind mehr oder weniger absolute Durchschnittsbürger und es gibt eigentlich keinen offensichtlichen Grund, warum ausgerechnet sie als Überlebende der Menschheit ausgesucht wurden. Da sind die Schwestern Given, eine davon erfolglose Schauspielerin (Hannah), die andere die Besserwisserin, die immer alles richtig macht (Amanda), die Teenagerin mit Minderwertigkeitskomplexen (Mia), der intelligenten SciFi-Nerd (David), der Comiczeichner (Zack) und der Alkoholiker (Theo). Alle müssen die Verluste ihrer geliebten Menschen verarbeiten und zugleich mit ihrer neuen und absurden Situation fertig werden – das klappt bei dem einen besser, beim anderen eher weniger. Gerade deshalb ist es aber unglaublich faszinierend, die Dynamik dieser zusammengewürfelten Gruppe zu verfolgen und die Entwicklung der einzelnen Charaktere zu beobachten. Es wird gestritten, geliebt, getrauert, sich zusammengerauft und gelacht – und jede der Figuren wächst dem Leser auf seine ganz spezielle Weise ans Herz, auch wenn man sie vielleicht nicht unbedingt immer sympathisch findet.

Glaubwürdiges SciFi-Setting

Neben den tollen Charakteren begeistert „The Flight of the Silvers“ aber vor allem mit dem außergewöhnlichen Setting, das bei näherer Betrachtung auch eigentlich gar nicht so außergewöhnlich ist. Denn trotz fliegender Autos und schwebender Restaurants unterscheidet sich die alternative Erde oberflächlich kaum von der ursprünglichen, mit dem feinen Unterschied, dass sich die Parallelwelt ab einem bestimmten Zeitpunkt der Menschheit anders entwickelt hat und die Technologie ein gutes Stück fortgeschrittener ist. Die Gesetze der Zeit können nun nämlich sehr stark gedehnt werden und erlauben so einige merkwürdige, aber sehr faszinierende Spielereien. Allerdings ist „The Flight of the Silvers“ ausdrücklich keine Zeitreisen-Geschichte, die Zeit kann vielmehr auf unterschiedliche Weisen manipuliert werden. Klingt kompliziert? Ist es auch, aber Daniel Price nimmt sich viel Zeit, um die Historie der Alternativ-Erde und ihre Besonderheiten zu erklären und erschlägt die Leser nicht sofort mit allen Informationen, sondern macht einen nach und nach mit den Feinheiten vertraut – so überzeugend, dass sich das Szenario trotz Zeitbeschleunigungen, -verlangsamungen oder Botschaften aus der Zukunft völlig natürlich anfühlt und man es dem Autor voll abkauft, dass es z.B. in jedem Haushalt Mikrowellen gibt, mit denen man vergammelte Lebensmittel durch Manipulation der Zeit wieder „auffrischen“ kann.

Komplexe, aber spannende Story

Die Charaktere sind stark, das Setting ist super, und zum Glück kann auch die Story voll überzeugen. Diese ist zwar sehr komplex, bietet dadurch aber auch unglaublich viele Facetten, die überhaupt keine Langeweile aufkommen lassen. „The Flight of the Silvers“ ist in vielen Momenten wie eine Mischung aus Roadtrip und Verfolgungsjagd, wobei unzählige Gruppen es aus den unterschiedlichsten Motiven aufeinander abgesehen haben. Es gibt gewaltvolle und blutige Actionszenen ebenso wie viele ruhige Momente, in denen die Charakterentwicklung vorangetrieben wird, aber auch jede Menge Überraschungen – die Zeitmanipulationen machen es möglich. Allerdings eignet sich das Buch nicht mal eben so zum Zwischendurch-Lesen, man muss sich schon auf die Geschichte einlassen und auch ein bisschen Zeit mitbringen, um sich in die Besonderheiten hineinzuarbeiten, gerade weil es manchmal auch ein wenig unübersichtlich wird. Dafür bietet „The Flight of the Silvers“ jedoch wirklich originelle Science-Fiction-Unterhaltung, bei der eingefleischte SciFi-Fans und SciFi-Skeptiker gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Eine wichtige Information noch zum Schluss: Das Buch ist erst der Auftakt der „Silvers“-Saga und es sind laut Autor insgesamt zwischen drei und fünf Romane geplant. Auf der Website von Daniel Price gibt es jedoch einige sehr umfassende FAQs sowohl zum ersten Buch als zur gesamten Reihe, die wirklich äußerst lesenswert sind und auch evtl. auftretende Verständnisfragen beantworten.

The Flight of the Silvers
  • Autor:
  • Reihe: Silvers #1
  • Umfang: 608 Seiten
  • Verlag: Blue Rider Press
  • Erscheinungsdatum: 4. Februar 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 20,30 €/eBook 14,78 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Packender, komplexer und faszinierender Auftakt einer originellen SciFi-Saga mit glaubwürdigem Setting, spannenden Charakteren und einer ausgeklügelten Story. LESEN!

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