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Fünf Männer stranden auf einer einsamen Insel und kämpfen fernab jeder Zivilisation um ihr Überleben.

Nordamerika im Jahr 1865: Während sich die Nordstaaten und die Konföderierten in der entscheidenden Phase des amerikanischen Bürgerkrieges befinden, machen fünf Männer unfreiwillig ihre Bekanntschaft, als sie in Virginia in die Gefangenschaft des Südens geraten. Gemeinsam beschließen sie einen Fluchtversuch und entführen zu diesem Zweck einen Gasballon, in dem sie sich vom Wind in die Freiheit treiben lassen wollen. Nach einer Fahrt von mehreren Tausend Meilen geraten die Flüchtlinge jedoch über dem offenen Meer in einen gewaltigen Orkan, der auch den Ballon in arge Bedrängnis bringt. Mit Mühe und Not retten sich die Sturmopfer auf die nächste Insel, die sich nach einem ersten Erkundungsgang als unbewohnt herausstellt. Da aufgrund des heimlichen Unterfangens der Männer kaum Hoffnung auf Rettung besteht, müssen sich die Gestrandeten mit ihrer Situation arrangieren und sich völlig ohne Hilfsmittel in der Wildnis zurechtfinden…

Jules Vernes Insel-Klassiker

Aus Mangel an Alternativen auf dem Hörbuch-SUB gehen die Klassikerwochen fröhlich weiter, diesmal mit dem Roman „Die geheimnisvolle Insel“ von Jules Verne. Auch dieser Titel lag ewig unbeachtet in meiner Bibliothek und hat mich bisher vor allem durch die lange Laufzeit von knapp 22 Stunden abgeschreckt. Da ich Geschichten mit räumlich begrenzten Szenarien aber grundsätzlich sehr gerne lese und auch das „Einsame Insel“-Setting an sich immer wieder spannend finde, hat es Vernes Werk schließlich doch auf meinen iPod geschafft – und konnte mich letzten Endes wirklich positiv überraschen.

Fünf einfallsreiche Männer und ein Hund gegen alle Widrigkeiten

Die Geschichte beginnt zunächst spektakulär und schildert die dramatische Reise der fünf Kriegsflüchtlinge, die in einer Notlandung im Wasser und der anschließenden Rettung auf die Insel ihr Ende findet. Dort scheinen die Männer dem sicheren Tod ausgesetzt, fehlt es ihnen doch völlig an Werkzeugen oder Proviant. Wie es der Zufall will, handelt es sich bei den ehemaligen Gefangenen aber nicht um gewöhnliche Männer, sondern zu großen Teilen um erfahrene und gestandene Persönlichkeiten, welche die Herausforderungen des Insellebens mit viel Zuversicht und Einfallsreichtum angehen: der Ingenieur Cyrus Smith, der Seemann Pencroff, dessen jugendlichen Schützling Harbert, der Reporter Gideon Spilett und Smiths Diener Nab, die zudem mit Harberts Hund Top tierische Begleitung erhalten. Vor allem der Ingenieur entpuppt sich schnell als intelligenter Anführer der Gruppe und trägt mit seinen technischen Kenntnissen viel zum erfolgreichen Überlebenskampf der Männer bei.

Sehr stimmungsvolles Setting

Wer aufgrund des Insel-Settings und des Geheimnisse versprechenden Buchtitels nun aber Action und Mysterien im Stil von LOST und Co. erwartet, ist bei Jules Verne aber (wenig überraschend) völlig falsch aufgehoben. Denn trotz der langen Spieldauer sucht man einen durchgehenden roten Faden meist vergeblich, was vor allem für die erste Hälfte des Werkes gilt. Diese besteht nämlich fast ausschließlich aus der Erkundung der Insel, wobei besonders der Flora und Fauna des Schauplatzes eine hohe Bedeutung zugemessen wird. Das klingt nun wenig unterhaltsam, allerdings schafft es der Autor durch sehr detaillierte und anschauliche Beschreibungen, die Inselwelt in all ihren Facetten durchaus lebendig darzustellen. Vor allem die enormen naturwissenschaftlichen Kenntnisse Jules Vernes sind beeindruckend und sorgen dafür, dass „Die geheimnisvolle Insel“ trotz fantastischer Elemente jederzeit glaubwürdig wirkt – auch wenn man zuweilen schon schmunzeln muss, wenn die fünf Kolonisten aus dem Nichts und überdies relativ problemlos eine kleine Zivilisation erschaffen. Nach einigen Stunden hat man sich an den Beschreibungen immer neuer Pflanzen- und Tierarten aber etwas sattgehört und sehnt sich doch nach etwas Abwechslung, da gerade der Mittelteil des Buches so doch sehr langatmig geraten ist.

Geheimnisvoll wird es erst in der zweiten Hälfte

Das ändert sich aber glücklicherweise in der zweiten Hälfte, wenn sich dann doch so etwas wie eine Handlung manifestiert, die zudem auch noch die versprochenen Geheimnisse mit sich bringt. Jules Verne konnte in diesem Teil meine etwas nachlassende Aufmerksamkeit wieder an die Geschichte fesseln und hat am Ende sogar noch eine große und sehr gelungene Überraschung auf Lager. Erwähnt werden sollte außerdem noch, dass „Die geheimnisvolle Insel“ im gleichen Universum wie Vernes einige Jahre zuvor angesiedelter Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ spielt und zwar eine eigenständige Geschichte bietet, sich die Lektüre des „Vorgängers“ aber durchaus auszahlen könnte – nur das als kleine Empfehlung.

Gelungener klassischer Abenteuerroman

Somit endet Vernes Insel-Abenteuer mit einem sehr positiven Eindruck, der auch die ein oder andere Länge im Mittelteil nachträglich verschmerzen lässt. Fans klassischer Abenteuerromane kommen mit dem Buch auf jeden Fall auf ihre Kosten, sofern sie den langen naturwissenschaftlichen Ausführungen offen und unvoreingenommen gegenüber stehen. Etwas schade fand ich lediglich, dass die Gruppe selbst etwas farblos geraten ist. Zwar werden die Figuren schon detailliert beschrieben, allerdings fehlt es hier einfach ein wenig an Konflikten oder ähnlichen Reizpunkten – hier herrscht schlicht zu viel Harmonie, um den Roman auch unter psychologischen Aspekten interessant zu machen. Dafür bietet die Hörbuchfassung aber eine sehr lebhafte und kurzweilige Lesung von Reinhard Kuhnert, der als klassischer „Märchenonkel“ über manche Länge hinweghilft.

Fazit:
Unterhaltsames Insel-Abenteuer, das zwar erst spät in Fahrt kommt, dafür aber mit einem stimmungsvollen und extrem detailliert beschriebenen Setting überzeugt (7/10).

Die geheimnisvolle Insel
Autor: Jules Verne; Sprecher: Reinhard Kuhnert; Originaltitel: L’Île mystérieuse; Spieldauer: 22 Std. 16 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Audible GmbH; Veröffentlicht: 10. November 2009; Preis: 4,95 €.

Link zum Hörbuch


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