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Eine Antiquarin soll den Nachlass eines berühmten Tierpräparators versteigern, doch dessen Anwesen hält so manche verstörende Überraschung parat…

Als Catherine Howard eingeladen wird, den Nachlass des genialen Tierpräparators und Puppenspielers M. H. Mason zu begutachten und zu katalogisieren, kann sie ihr Glück zunächst kaum fassen. Der gute Ruf des Verstorbenen verspricht einige besonders exklusive Schmuckstücke, die dem kleinen Auktionshaus, für das sie arbeitet, eine fast schon unverschämt hohe Summe einbringen könnten. Catherine muss jedoch schnell feststellen, dass vor einer möglichen Versteigerung noch eine Menge Arbeit auf sie zukommt, denn die mittlerweile ebenfalls in die Jahre gekommene Nichte Masons prüft die Antiquarin auf Herz und Nieren, sodass sie sich bei den Gesprächen kein falsches Wort erlauben darf. Zudem besteht Edith Mason auf einer ausführlichen Besichtigung des Familienanwesens und den dort ausgestellten Werken ihres Onkels, und Catherine wird schnell klar, dass das Haus einige dunkle Geheimnisse verbirgt…

Das klassische Horrorhaus-Szenario

Der Brite Adam Nevill bedient sich für seinen Roman „House of Small Shadows“ eines klassischen Horrorszenarios und lässt seine Geschichte rund um ein altes und unheimliches Haus spielen, welches über den kleinen Ort Herefordshire hinaus als „Red House“ berüchtigt ist. Dabei fährt der Autor fast alle Klischees auf: Das Anwesen liegt versteckt und schwer zugänglich im Wald, strahlt bereits von weitem eine unheimliche Atmosphäre aus und umfasst eine Vielzahl dunkler Räume, die vom Tageslicht unberüht die bizarren Werke seines früheren Bewohners beherbergen. Folglich zelebriert Nevill schon die Eröffnungsszene mit dem darin geschilderten ersten Besuch der Hauptfigur Catherine Howard im „Red House“ mit sichtlichem Vergnügen und baut so bereits früh eine ungemütliche, aber durchaus fesselnde Atmosphäre auf.

Psychohorror mit Puppen und ausgestopften Tieren

Auch das Innenleben des Hauses wird dem ersten, abweisenden Eindruck des Anwesens mehr als gerecht und bietet mit der mürrisch-dominanten Bewohnerin Edith Mason und ihrer schweigsam-verstörenden Haushälterin sowie dem „ungewöhnlichen“ Lebenswerk des Puppenspielers und Taxidermisten genug Anlässe, um schnellstmöglich das Weite zu suchen. Doch die beruflichen Erfolgsaussichten sind für Catherine zu verlockend und so lässt sie sich von ihrer Auftraggeberin in ein perfides Psychospiel verwickeln, aus dem es schnell kein Entkommen mehr gibt.

Subtiler, aber atmosphärischer Grusel

„House of Small Shadows“ ist alles andere als ein tempogeladener Horror-Roman und setzt viel mehr auf Atmosphäre und subtilen Grusel – zumindest in den ersten zwei Dritteln des Buches. Dies wird einerseits durch den detailliert beschriebenen Schauplatz und zum anderen durch den psychologischen Druck, der auf die Protagonistin ausgeübt wird, erreicht. Von dem Streben nach Erfolg und der Angst vor dem Versagen getrieben nimmt Catherine nahezu jede Laune ihrer Gastgeberin hin und lässt sich so immer mehr in ihrer Freiheit einschränken – bis es keinen Weg zurück mehr gibt. Verstärkt wird ihr Dilemma durch immer wieder eingestreute traumatische Episoden aus ihrer Vergangenheit, die anhand der neuerlichen Entwicklungen wieder aus der Vergessenheit geholt werden und Catherine zusätzlich belasten.

Verstörend, aber erst zum Ende hin wirklich spannend

Als man dann schon fast nicht mehr damit rechnet, legt die Story dann plötzlich doch noch gehörig an Tempo zu und geht vom unterschwelligen Horror zu einem deutlich brachialeren Grusel über, welcher die Grenzen zwischen Realität und Einbildung immer mehr verschwimmen lässt. Hier kommen dann auch noch Freunde blutiger Splatter-Einlagen auf ihre Kosten, wenngleich sich das Blutvergießen auf einige wenige, aber durchaus drastische Szenen beschränkt. Allerdings hatte ich beim Lesen öfter das Gefühl, dass „House of Small Shadows“ auf der Leinwand deutlich unheimlicher wäre als in reiner Papierform, da viele Passagen in bewegten Bildern meiner Meinung nach um einiges wirkungsvoller wären – sowohl die atmosphärischen Szenen im „Red House“ als auch die sehr viel anschaulicheren Momente im Schlussteil. Die etwas befremdliche Auflösung der Geschichte ist dann sicherlich Geschmackssache, passt aber durchaus zum Rest des Buches. „House of Small Shadows“ ist zwar insgesamt für mich nicht ganz der erhoffte Nervenkitzel geworden, wer Angst vor Puppen oder ausgestopften Tieren hat, könnte mit Adam Nevills Roman aber durchaus ein paar schaurige Stunden verbringen.

Fazit:
Subtiler Psychohorror, der zwar manchmal etwas behäbig daherkommt, aber mit unheimlicher Atmosphäre und verstörender Story punktet (7/10).

House of Small Shadows
Autor: Adam Neville; Umfang: 384 Seiten; Verlag: Pan; Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2013; Preis: Taschenbuch 9,45 €/eBook 4,38 €.

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