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Das letzte Abenteuer von Will Henry und seinem Mentor, dem Monstrumologen Dr. Pellinore Warthrop, konfrontiert die beiden mit dem schlimmsten aller Ungeheuer…

„And finally I must thank the community of readers who rose up when the life of this series was threatened. If not for them, there would be no conclusion to Will and Warthrop’s story.“ Diesen Worten Rick Yanceys aus seiner der Geschichte vorangestellten Danksagung möchte ich mich uneingeschränkt anschließen. So schade es auch ist, dass „The Final Descent“, der vierte Band um den Monstrumologen Dr. Warthrop und seinen jugendlichen Assistenten Will Henry, der letzte Band dieser außergewöhnlichen Reihe ist – es wäre furchtbar gewesen, wenn diese Serie ohne Abschluss im Sande verlaufen wäre.

Der vierte und letzte Band der Monstrumologen-Reihe von Rick Yancey

Auch in „The Final Descent“ läuft die Geschichte auf den ersten Blick wieder nach dem gewohnten Schema ab: Eine zwielichtige Gestalt taucht im Schutze der Dunkelheit vor der Tür des Monstrumologen auf und berichtet von einem spektakulären Fund, bei dem es sich (mal wieder) um eine der schrecklichen Kreaturen handelt, deren Erforschung Dr. Pellinore Warthrop sein ganzes Leben gewidmet hat. Die genannte Spezies zählt auch dieses Mal wieder zu den schlimmsten aller Kreaturen und gilt zudem eigentlich seit langem als ausgestorben. Folglich reagiert Warthrop auf den ihm angebotenen Handel sehr skeptisch, zumal der geheimnisvolle Bote die horrende Summe von einer Million Dollar für seinen Fund verlangt – ohne dass sich der Monstrumologe vor dem Kauf von der Echtheit des Objekts überzeugen kann. Doch die Aussicht auf die Präsentation der als ausgelöscht geglaubten Spezies und den damit verbundenen Ruhm ist eine Vorstellung, der sich der vom Ehrgeiz zerfressene Wissenschaftler nur schwer verwehren kann…

Eine Monsterjagd, die eher zur Randnotiz wird

Zugegeben: Im vierten Anlauf wirkt dieser Einstieg in die Geschichte nicht mehr besonders originell und nachdem im letzten Band „Der Monstrumologe und die Insel des Blutes“ schon vom Heiligen Gral der Monstrumologie die Rede war, fällt es natürlich schwer, diesen Superlativ noch einmal zu überbieten, sodass die Aussicht auf ein weiteres und ebenso schreckliches Ungeheuer als Aufhänger der Story nicht mehr ganz so aufregend erscheint. Das hat vermutlich auch Rick Yancey bemerkt, der die Suche nach dem Monster dieses Mal nicht in den Mittelpunkt der Handlung gestellt hat, sondern sich im letzten Band der Reihe viel mehr mit seinen Charakteren selbst beschäftigt. Das Rätsel um die Kreatur taucht immer nur am Rande der Geschichte auf und bietet lediglich den groben Rahmen für den Plot.

Will Henry ist erwachsen geworden und rebelliert gegen seinen Mentor

Und was die Hauptfiguren betrifft, so hat sich in „The Final Descent“ im Vergleich zu den Vorgängern einiges geändert. Seit den Ereignissen im letzten Roman sind drei Jahre vergangen und aus dem ohnehin schon gereiften 13-jährigen Will Henry ist ein selbstbewusster 16-Jähriger geworden, der nicht mehr bereit ist, sich von seinem Ziehvater wie ein Sklave herumkommandieren und dessen Eskapaden stillschweigend über sich ergehen zu lassen. Die fünf Jahre in der Obhut des Monstrumologen haben ihn mit unzähligen schrecklichen Erlebnissen konfrontiert, die nicht spurlos an dem Jungen vorbei gegangen sind. Will Henry ist inzwischen deutlich abgehärtet und zu Taten bereit, die im ersten Buch der Reihe für ihn noch undenkbar und äußerst verachtenswert erschienen. Man merkt nahezu zu jedem Zeitpunkt des Buches, dass die Beziehung zwischen ihm und Dr. Warthrop an einem Scheitelpunkt steht: Einerseits hat Will Henry außer dem von seinen Forschungen besessenen Wissenschaftler fast niemanden, andererseits droht er jedoch mit jedem Tag mehr in dessen Gegenwart, sich dem Wahnsinn seines Mentors anzunähern – und damit den tiefsten Abgründen seiner Seele, die vielleicht besser im Verborgenen bleiben sollten.

Anspruchsvoller und stellenweise etwas verwirrender Erzählstil

So überrascht es auch nicht, dass „The Final Descent“ eindeutig der düsterste Teil der Serie geworden ist, was angesichts des ohnehin sehr erwachsenen Charakters dieser Jugendbuchreihe schon einiges heißen will. Zudem ist auch der Erzählstil Rick Yanceys in diesem Buch ein etwas anderer und die Story läuft erstmals nicht auf nur einer Zeitebene ab, sondern springt vor allem im Anfangsdrittel wild zwischen mehreren Handlungssträngen hin und her. Stellenweise gibt es sogar vier verschiedene Erzählebenen, die zu Beginn gar nicht so leicht auseinanderzuhalten sind und somit häufig für Verwirrung sorgen. Darüber hinaus geben auch immer wieder kleine Gedichte Einblicke in das Seelenleben Will Henrys, was anfangs auch ein wenig ungewohnt ist. Rick Yancey liefert im Vorwort jedoch eine Erklärung für diesen häufig etwas wirr erscheinenden Stil, wodurch die Erzählung wieder einmal sehr authentisch wirkt und oft auch philosophisch gerät – auch wenn die Story dadurch gelegentlich etwas holprig erscheint und nicht immer hundertprozentig überzeugen kann.

Ein würdiges und konsequentes Ende der Reihe

Am meisten gespannt war ich jedoch auf das Ende des Buches und damit auch den Schluss der gesamten Reihe. Ich hatte mir im Vorfeld der Lektüre viele Gedanken über mögliche Ausgänge gemacht und dabei auch diverse Hoffnungen skizziert, wie mein Wunsch-Ende ungefähr aussehen könnte. Und was soll ich sagen: Rick Yancey hat sie alle zunichte gemacht… Das Ende ist wie die gesamte Reihe düster, abgründig und desillusionierend – und gleichzeitig einfach nur perfekt. Besonders beeindruckend ist, wie der Autor geschickt mit den Erwartungen der Leser spielt, die durch kleine Hinweise in den Vorgängern geweckt wurden und diese dann alle über den Haufen wirft. Auf den letzten Seiten gibt es dann noch eine Wendung, die alles in Frage stellt und so von mir in keinster Weise erwartet wurde. Yancey gelingt hier ein mehr als befriedigender Abschluss, der aber auch noch genug Interpretationsspielraum für die Leser offen lässt. Und auch wenn ich mir für die liebgewonnenen Charaktere ein anderes Ende gewünscht hätte – es hätte für diese Reihe keinen passenderen Schlussakt geben können. Denn selbst wenn man nicht das bekommt, was man sich insgeheim erhofft hat – es fühlt sich einfach richtig an. „The Final Descent“ mag vielleicht nicht das beste Buch der Monstrumologen-Serie sein, aber es ist der bestmögliche Abschluss einer außergewöhnlichen, intelligenten, mitreißenden und nachdenklichen Reihe, die bei mir auf jeden Fall einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Rick Yancey beendet seine Danksagung in Hinblick auf seine Leser mit den folgenden Worten: „And my prayer is I have not disappointed them“. No, Mr. Yancey, you didn’t at all.

Fazit:
Rick Yanceys vierter Monstrumologen-Band ist in Bezug auf die Story sicher nicht der stärkste Teil der Serie, liefert aber einen perfekten Abschluss dieser außergewöhnlichen und beeindruckenden Jugendbuch-Reihe (8/10).

The Final Descent
Autor: Rick Yancey; Umfang: 320 Seiten; Verlag: Simon & Schuster; Erscheinungsdatum: 10. September 2013; Preis: Gebundene Ausgabe 11,73 €/eBook 8,99 €.

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