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Eine Geschichte über einen tollpatschigen Sprecher für Werbespots, der sich Hals über Kopf in eine Frau verliebt und dann auf die verrücktesten Ideen kommt, um diese für sich zu gewinnen – soll vermutlich lustig sein, ist es aber nicht.

Oliver Krachowitzer hasst Montage. Wenn er sonntagabends ins Bett geht, weiß er ganz genau, dass er in der folgenden Nacht nicht viel Schlaf und Erholung finden wird, denn die Aussicht auf eine neue Arbeitswoche sorgt bei ihm entweder für kuriose Albträume oder lässt ihn erst gar nicht einschlafen. Der Gedanke an die drohende Arbeit im Tonstudio, wo er als Werbesprecher für zwei verrückte Marketingexperten sinnfreie und pseudolustige Sprüche bis zum Erbrechen vortragen muss, ruft bei Oliver jede Woche aufs Neue das nackte Grauen hervor.

Die Geschichte eines verliebten Montagshassers

Da ist es kein Wunder, dass Krach, wie Oliver von seinen Freunden genannt wird, montags dann direkt mit einer richtig miesen Laune aufsteht und darüber hinaus auch noch völlig ermüdet ist. Als er eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit dann auch noch von einer jungen Frau rücksichtslos angerempelt wird, sieht Krach das als willkommene Gelegenheit, sich mal so richtig abzureagieren und hält der verdutzten Passantin erst einmal eine Standpauke, die sich gewaschen hat. In den Tagen danach muss Oliver dann aber feststellen, dass ausgerechnet diese Frau ihm nicht mehr aus dem Kopf geht und er sich offenbar in die Fremde verliebt hat. Um seine Gefühle zu überprüfen, will er seine Zufallsbekanntschaft unbedingt wiedersehen – dummerweise kennt er jedoch nicht einmal ihren Namen…

Ein weiterer Griff in die Komödien-Klischee-Schublade

Willkommen zu einer weiteren Runde „Gratis eBooks, die ich mir niemals selbst gekauft hätte aber für lau nur allzu bereitwillig auf den digitalen SUB gepackt habe“. Diesmal an der Reihe: „Linksaufsteher“ von Matthias Sachau, das schon bei einem flüchtigen Blick aufs Cover wie eine typische Alltagskomödie im Tommy-Jaud-Stil aussieht. Ist zwar eigentlich überhaupt nicht mein bevorzugtes Genre, aber einem geschenkten Gaul … blabla. Die Hauptfigur des Buches, der Werbesprecher Oliver Krachowitzer, kommt dann auch wie das klassische Komödienklischee daher: Eigentlich ganz sympathisch, aber mit einigen Macken, die ihm das Leben Tag für Tag ein wenig schwer machen.

Dazu kommt noch, dass in Olivers Leben seit dem Auszug aus seiner innig geliebten Männer-WG (deren Vorgeschichte man in Sachaus Roman „Kaltduscher“ nachlesen kann) irgendwie der gewisse Kick fehlt. Zwar verdient er in seinem Job trotz der seiner Ansicht nach schwachsinnigen Werbesprüche eine Menge Geld, doch in seiner teuren Stadtwohnung fühlt er sich in seiner Einsamkeit überhaupt nicht wohl – und eine Freundin hat er natürlich auch nicht. Zumindest letzteres könnte sich in absehbarer Zukunft ändern, denn wie eingangs erwähnt hat sich Oliver endlich mal wieder in eine Frau verguckt – wenngleich er bei ihrem ersten Aufeinandertreffen einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen hat. Dessen ist sich Krach aber durchaus bewusst und er ist gewillt, diese Scharte schnellstmöglich auszuwetzen, um der Frau seiner Träume endlich näherzukommen – dazu muss er die geheimnisvolle Fremde aber erst einmal finden.

Ein Rohrkrepierer jagt den nächsten

Klingt bisher nicht sonderlich originell? Ist es auch nicht, obwohl sich die Story durchaus flott lesen lässt, was aber auch auf den sehr schlichten Schreibstil zurückzuführen sein könnte. Dass er mit seiner Ausgangsidee keinen Kreativitätspreis gewinnen kann, war vermutlich auch Matthias Sachau bewusst, sodass dieser im Folgenden mit ein paar super funkingen (Achtung, Ironie!) Einfällen daherkommt, die dem Leser vor Lachen die Tränen in die Augen schießen lassen sollen – so zumindest die Theorie. In der Praxis sieht das dann aber leider ganz anders aus, denn die Gags sind dermaßen ausgelutscht und einfallslos, dass es bei mir während der gesamten Lektüre nicht einmal zu einem amüsierten Schmunzeln gereicht hat. Nicht nur dass die Gags fast ausschließlich Rohrkrepierer sind, Sachau versucht darüber hinaus auch noch auf den Social-Media-Zug aufzuspringen und mit Facebook-Referenzen oder Werbebranchen-Klischees ein paar billige Lacher zu kassieren. Allerdings empfinde ich Charaktere, die ausschließlich in hipper Jugendsprache kommunizieren und dabei fortwährend mit albernen Anglizismen um sich werfen ungefähr so lustig wie eine Scheibe Brot. Dass man dann noch jeden Satz dieser Figuren im Buch mit grinsenden Smileys einrahmt, setzt dem ganzen dann jedoch die Krone auf. Dazu kommen noch pseudo-intellektuelle Werbefuzzis, deren Sätze man aufgrund einer absurd übertriebenen Verwendung von (vermutlich überwiegend frei erfundenen) Fremdwörtern wie „peristatisch-organische Wechseldeterminante“ oder „basiskarnevalistischer Prinzipduktus“ auch gleich komplett ignorieren kann, weil man sie eh nicht versteht – hach, was ist das lustig, Herr Sachau.

Flach, belanglos, unlustig

Wer gerne flache Komödien liest, Gags wie einen selbstständig durch die Straßen fahrenden Koffer inklusive Navigationssystem, Sprachsteuerung, Elektroschocker und vielen weiteren Extras (es ist ja schließlich der neue „iKoffer“ von Apple, haha) total witzig findet und sich bei Tommy-Jaud-Büchern regelmäßig vor Lachen wegschmeißt, der wird mit Matthias Sachaus „Linksaufsteher“ vielleicht glücklich. Ich fand den Roman über weite Strecken jedoch einfach nur albern und bescheuert und als ärgerliche Verschwendung kostbarer Lesezeit.

Fazit:
Klischeebehaftete und völlig unlustige Pseudo-Komödie, die mit albernen Charakteren und schlechten Gags am Fließband nervt (3/10).

Buchcover
Autor: Matthias Sachau; Umfang: 352 Seiten; Verlag: Ullstein Taschenbuch; Erscheinungsdatum: 15. April 2011; Preis: Taschenbuch 8,99 €/eBook 7,99 €.

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2 Antworten zu diesem Beitrag

  • Ich liebe negative Buchkritiken – zumindest wenn ich sie lesen darf *lach*. Wenn auch das Buch nicht komisch war- deine Rezension ließ mich einige Male schmunzeln. Kompliment!
    Von Matthias Sachau hab ich auch noch was auf dem SuB liegen (Wir tun es für Geld), allerdings nicht den „Linksaufsteher“. Ich denke aber auch, dass Humor ein schwieriges Genre ist, weil nicht jeder etwas gleich lustig findet, wobei man Leid eher ähnlich empfindet.
    Auf alle Fälle gefällt mir deine Rezension absolut super! Vielen Dank dafür! Liebe Grüße, Iris

    • Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

      Ich kann ehrlich gesagt auch grundsätzlich mit diesen Komödien im Tommy-Jaud-Stil nichts anfangen, das ist mir irgendwie zu flach.

      Da höre ich lieber das Känguru-Zeugs von Marc-Uwe Kling 😉

      Vielleicht hast du mit deinem Sachau-Buch ja mehr Glück als ich…

      LG
      Sebastian