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Als ein unbekannter Jäger seinen geliebten Hund hinrichtet, wird aus einem zurückgezogen in den Wäldern Maines lebenden Einsiedler ein kaltblütiger Killer…

Julius Winsome lebt ein einfaches Leben. Seit Jahrzehnten wohnt er einsam in einer abgelegenen kleinen Hütte in Maine, wo Wochen vergehen können, ohne dass er auf einen anderen Menschen trifft. Seine einzigen Begleiter sind sein treuer Pitbullterrier Hobbes und die über 3000 Bücher, die sein verstorbener Vater ihm hinterlassen hat. Sein Alltag besteht folglich überwiegend aus Spaziergängen in der Natur und gemütlichen Abenden mit einem guten Buch vor dem wärmenden Kamin.

Wie der Tod eines Hundes einen Menschen verändern kann

Das alles ändert sich aber, als Julius eines Tages einen Schuss im Wald hört. Da Hobbes zudem seit Stunden nicht von einem seiner üblichen Streifzüge zurückgekehrt ist, nimmt dessen Herrchen besorgt die Suche nach dem vermissten Vierbeiner auf. Julius‘ Befürchtungen werden auf traurige Weise bestätigt, denn nach einer Weile findet er seinen Hund tot zwischen den Bäumen liegen. Am Kadaver entdeckt er eine Schusswunde, die dem Tier anscheinend aus nächster Nähe zugefügt wurde. Hobbes ist also nicht einem tragischen Jagdunfall zum Opfer gefallen, sondern wurde von seinem Mörder mit voller Absicht getötet. Julius ist schockiert und setzt alles daran, die Person zu finden, die ihm seinen einzigen Gefährten kaltblütig genommen hat…

Von Lesern und Kritikern hochgelobt – zu Recht?

„Winter in Maine“ stammt aus der Feder des irischen Autors Gerard Donovan und wurde bei seinem Erscheinen im Jahr 2006 von Lesern und Medien gleichermaßen gefeiert. So wurde Donovans Werk u.a. von der englischen Zeitung „The Guardian“ als „Book of the year 2008“ ausgezeichnet – warum auch immer dies zwei Jahre nach der Veröffentlichung geschehen ist… In meiner Hörbuchbibliothek lag das Buch bereits eine ganze Weile, und obwohl es inhaltlich so überhaupt nicht zum aktuellen Sommerwetter passt, habe ich es mir nun doch endlich mal vorgenommen. Leider kann ich in die vielen Begeisterungsstürme jedoch nur bedingt einstimmen.

Sprachlich und atmosphärisch beeindruckend

Das liegt keinesfalls an Gerard Donovans Schreibstil. „Winter in Maine“ ist sprachlich beeindruckend und dürfte literarisch anspruchsvolle Leser ohne jeden Zweifel erfreuen. Zwar erzählt der Ire seine Geschichte sehr ruhig und besonnen, seine Sätze verfehlen aber dennoch nicht ihre Wirkung. Auch atmosphärisch gibt es an dem Roman so gut wie nichts auszusetzen. Die Kälte der Wälder Maines ist für den Leser fast am eigenen Leib spürbar und trägt viel zur melancholischen Grundstimmung des Buches bei.

Bescheidene und gebildete Hauptfigur…

Von dieser ist auch die Hauptfigur des Romans, der 51-jährige Julius Winsome, geprägt. Seit seiner Kindheit lebt dieser in der einsamen Hütte im Wald, zunächst noch gemeinsam mit seinem Vater, nach dessen Tod mit seinem Hund Hobbes als einzigen Begleiter. Obwohl sein Alltag kaum Abwechslung bietet, ist Julius mit seinem Leben im Reinen, trotzdem er sich seines unspektakulären und höhepunktarmen Daseins voll bewusst ist. Auch diese Bescheidenheit und Gelassenheit sind es, die den Einsiedler auf Anhieb sympathisch wirken lassen. Aber auch seine Marotte, die Sprache Shakespeares in seinen Sprachgebrauch einfließen zu lassen und so die Schönheit dieser Worte zu bewahren, trägt viel zum Eindruck eines angenehmen und gebildeten Menschen bei.

… deren radikales Verhalten für mich nicht nachvollziehbar war

Umso unverständlicher ist es für mich gewesen, welche Veränderungen die Tötung seines Hundes in Julius hervorgerufen haben. Ich kann die enge Bindung zu seinem Haustier absolut nachvollziehen, zumal Hobbes über viele Jahre hinweg sein treuer Gefährte gewesen ist. Dass die kaltblütige Erschießung des Hundes in Winsome somit eine kleine Welt zusammenbrechen lässt, ist für mich daher auch mehr als verständlich. Ich kann auch noch nachvollziehen, dass es schmerzhaft sein muss, wenn verzweifelte Flugblätter mit der Bitte nach Hinweisen zu dem Schicksal des Hundes von Unbekannten mit respektlosen Kritzeleien beantwortet werden. Und ich könnte eventuell auch noch Verständnis dafür aufbringen, wenn der Protagonist den Tod seines Hundes bitter rächen will und dabei auch vor Mord nicht zurückschreckt. Dass ein intelligenter, nachdenklicher und besonnener Mann dann aber völlig wahllos Selbstjustiz übt und es ihm mehr oder weniger gleichgültig ist, ob seine Rache den Richtigen trifft, hat bei mir dann aber für großes Kopfschütteln und einen Bruch mit der Hauptfigur gesorgt. Diese blinde Wut und Julius‘ vermeintlich gesunder Menschenverstand waren für mich nicht in Einklang zu bringen, sodass ich hier auch den Bezug zum Protagonisten verloren habe.

Sehr ruhige und nüchterne Erzählweise

Dazu kommt noch, dass die Geschichte für meinen persönlichen Geschmack ganz einfach zu ruhig ausgefallen ist. Es mag viele Leser geben, die sich an den philosophischen und melancholischen Phasen mit Rückblicken auf die Vergangenheit des Protagonisten erfreuen können, für mich stellten viele dieser Passagen aber schlicht und einfach Leerlauf dar. Insgesamt fehlte mir bei dem Buch einfach ein wenig das Feuer, was vielleicht auch am Sprecher der Hörbuches gelegen haben kann. Erzähler Markus Hoffmann liest zwar gut und einfühlsam, aber eben auch relativ nüchtern, sodass die Handlung für mich teilweise ein wenig dahingeplätschert ist.

Fazit:
Sprachlich und atmosphärisch beeindruckender Roman, dessen Hauptfigur durch ihr extremes Verhalten bei mir aber zu einer Entfremdung geführt hat (6/10).

Hörbuchcover
Autor: Gerard Donovan; Originaltitel: Julius Winsome; Sprecher: Markus Hoffmann; Spieldauer: 5 Std. 24 Minuten (ungekürzt); Anbieter: steinbach sprechende Bücher; Veröffentlicht: 2010; Preis: 17,95 €.

Link zum Hörbuch


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