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Der Sohn einer der einflussreichsten Familien der Stadt Hamburg wird tot aufgefunden. Nahm sich der Mann selbst das Leben oder wurde er ermordet?

Im Hamburger Dahliengarten wird in einem Teich die treibende Leiche eines Mannes gefunden. Der Tote kann schnell als Falk Sieverstedt identifiziert werden, der Sohn einer stadtbekannten Unternehmerdynastie. Allerdings galt Falk seit geraumer Zeit ein wenig als verlorener Sohn der Familie, zumal er es zu Lebzeiten nicht geschafft hat, auch nur ansatzweise in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters zu treten. Da das Opfer kurz zuvor auch in der beliebten Reality-Show „Second Chance“ offen über seine Depressionen gesprochen hatte, spricht für die Ermittler zunächst viel für einen Selbstmord.

Trieb eine Fernsehshow einen Unternehmersohn in den Selbstmord?

Allerdings finden sich immer mehr Indizien, die gegen die Theorie des Freitodes sprechen. Hauptkommissar Jörg Albrecht, der gerade erst aus einem sechsmonatigen Zwangsurlaub zurückgekehrt ist, und seine Partnerin Hannah Friedrichs übernehmen die Ermittlungen, die sich schnell in das Umfeld der Fernsehsendung verlagern. Welche Rolle spielt Marius, der geheimnisvolle und zynische Moderator der Show, der gegenüber seinen Kandidaten oft sehr drastische Worte findet? Oder sind die Gründe für Falks Tod doch eher bei der Familie der Sieverstedts zu finden, zu der Jörg Albrecht pikanterweise ein äußerst angespanntes Verhältnis hat?

Der Nachfolger zu Stephan M. Rothers „Ich bin der Herr deiner Angst“

Wie das erneut sehr auffällige Cover des Buches andeutet, handelt es sich bei „Öffne deine Seele“ nach „Ich bin der Herr deiner Angst“ um den zweiten Teil der Thrillerreihe um den Hamburger Ermittler Jörg Albrecht und seiner Kollegin Hannah Friedrichs. Die Handlung setzt hierbei unmittelbar bei Albrechts Rückkehr in den Polizeidienst ein, nachdem dieser nach den Ereignissen des ersten Bandes eine unfreiwillige Auszeit nehmen musste. Der Kommissar ist auch gerade erst wenige Minuten wieder Leiter des Polizeikommissariats Königsstraße, als auch schon eine neue Leiche gefunden wird. Dabei scheint es sich zunächst um einen Routinefall zu handeln, denn vieles deutet auf einen Selbstmord des aufgefundenen Mannes hin. Als die Identität des Opfers geklärt wird, ahnen Albrecht und Friedrichs aber bereits, dass an den Ermittlungen so gut wie nichts routinemäßig ablaufen wird – dafür ist der Tote und vor allem seine Familie viel zu prominent, sodass der Leichenfund diesmal ein besonders großes Medienecho hervorrufen wird.

Ein Fall mit ganz besonderem Medieninteresse

Die Medien spielen ohnehin eine sehr große Rolle in der Geschichte, denn ein nicht unerheblicher Teil der Handlung dreht sich um die fiktive Fernsehshow „Second Chance“, einer Art Call-In-Sendung wie der berühmte nächtliche WDR-Talk „Domian“. Allerdings bietet der Moderator Marius seinen Anrufern eher selten Trost und Aufmunterung, sondern geht mit ihnen oft sehr zynisch und rücksichtslos um. Da auch der tote Falk Sieverstedt Teilnehmer bei „Second Chance“ war und Marius kurz vor seinem Ableben noch seine Sorgen ausgebreitet hat, erscheint es nicht unwahrscheinlich dass Falk sich von der rohen Behandlung des Fernsehstars zum Selbstmord gedrängt fühlte.

Unglaubwürdiges Szenario

Die Idee mit der polarisierenden TV-Show ist eigentlich kein schlechter Ansatz und bietet durchaus beachtliches Potenzial, allerdings erscheint die Realitätsnähe einer solchen Sendung für mich doch eher zweifelhaft. Ein Fernsehformat, im dem vor einem Millionenpublikum depressive und verzweifelte Menschen fast schon menschenverachtend behandelt werden, würde im wahren Leben wohl sofort von allen Seiten aufs Schärfste kritisiert werden – und das mit Recht. Anstelle den Kandidaten zu helfen, suhlt sich der ominöse Marius im Leid seiner Anrufer und nutzt dieses aus, um sich zu profilieren. Da frage ich mich als Leser, wer als verzweifelte Person hier noch ernsthaft zum Telefonhörer greift, wenn man dort auf solche Reaktionen stößt. Zudem wird um die Figur des Marius ein fast schon albernes Brimborium entfacht und ihm mehrmals nahezu hellseherische Fähigkeiten zugesprochen, wodurch der Moderator sogar schon seinen eigenen Kult mit Marius-Jüngern initiiert hat…

Thriller oder Seifenoper?

Mindestens ebenso unglaubwürdig ist die Tatsache, dass wie im Vorgänger die Hauptfiguren wieder einmal auch privat sehr eng mit den Ermittlungen verbunden sind. Der eine (Albrecht) hat eine Vorgeschichte mit der Familie des Toten, die andere (Friedrichs) kann sich immer noch nicht zwischen ihrem Ehemann und ihrem Anwalt-Lover entscheiden, die (natürlich) ebenso beide (!) auf irgendeine Weise in den Fall verwickelt sind. Wer soll so eine konstruierte Figurenkonstellation denn bitte ernst nehmen, und das gerade nach dem Vorgänger, wo sich der Fall ebenfalls sehr deutlich mit dem Privatleben der Ermittler überschnitten hat? Noch nerviger ist, dass Stephan M. Rother die Geschichte um Hannah Friedrichs Dreiecksbeziehung noch einmal aufwärmt und in aller Ausführlichkeit breittritt – als wäre dies bei „Ich bin der Herr deiner Angst“ noch nicht ermüdend genug gewesen.

Spannungsarm und seltsam unstrukturiert

Wenig überraschend mangelt es der Handlung dann auch merklich an Spannung, zumal Rothers Erzählweise auch seltsam unrund wirkt. Die einzelnen Szenen an sich sind eigentlich recht solide geschrieben und ein gewisser Unterhaltungswert lässt sich nicht leugnen, allerdings werden die Passagen vom Autor höchst eigenartig verknüpft, sodass ein roter Faden kaum erkennbar ist. Ich hatte beim Hören stellenweise den Eindruck, als hätte ich es hier mit einem gekürzten Hörbuch zu tun, bei dem die Kürzungen aber völlig wahllos vorgenommen wurden und zufällig mal wichtige und weniger wichtige Szenen dem Rotstift zum Opfer gefallen wären. So werden einerseits völlig nebensächliche Ereignisse viel zu ausführlich behandelt, auf der anderen Seite fehlt dann aber wieder in vielen Momenten der Anschluss zum Vorangegangenen, sodass ich keinen richtigen Zugang zur Geschichte gefunden habe. Lediglich im letzten Drittel kommt dann tatsächlich nochmal ein wenig Nervenkitzel auf, ehe die Story ein aus meiner Sicht recht liebloses und unspektakuläres Ende findet.

Tolle Sprecherleistungen als einziges richtiges Highlight

Mein eigentlicher Kaufgrund für dieses Buch war ehrlich gesagt auch weniger die Story oder der Autor, sondern die Besetzung der Sprecherposition(en). Wie beim Vorgänger wurde hier erneut die Arbeit auf zwei Erzähler verteilt und wieder auf Simon Jäger und Tanja Geke gesetzt, die beide zur absoluten deutschen Spitzenklasse zählen. So waren dann auch die Sprecher mein einziges echtes Highlight bei „Öffne deine Seele“, denn an der Lesung gibt es so gut wie nichts auszusetzen. Da in beiden Parts die gleichen Personen auftauchen, war es zwar manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, die gleichen Charaktere einmal mit männlicher und einmal mit weiblicher Stimme zu hören – dies kann aber wohl kaum den Sprechern angelastet werden.

Am eigenen Anspruch gescheitert

Insgesamt war Stephan M. Rothers zweiter Albrecht/Friedrichs-Thriller somit leider nur ein mäßiges Hörerlebnis, das mich mit seiner Geschichte kaum einmal richtig fesseln konnte. Das ist schade, denn der Autor ist sichtlich bemüht, seiner Story mit den persönlichen Verstrickungen der Ermittler viel Tiefgang zu verleihen, allerdings finde ich eben genau diese Passagen wenig gelungen und viel zu langatmig, zumal hier gerade in Bezug auf den ersten Band vieles einfach nur aufgewärmt wird.

Fazit:
Wenig überzeugende Fortsetzung, die häufig am eigenen Anspruch scheitert und auch storytechnisch nicht an den Vorgänger anknüpfen kann (5/10).

Hörbuchcover
Autor: Stephan M. Rother; Sprecher: Tanja Geke, Simon Jäger; Spieldauer: 14 Std. 58 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Argon Verlag; Veröffentlicht: 2013; Preis: 24,95 €.

Link zum Hörbuch


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