Buchcover
Nach seinem Zwangsaufenthalt in einer psychiatrischen Klinik setzt ein Mitt-Dreißiger alles daran, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und dadurch seine geliebte Frau zurückzugewinnen – auch wenn niemand außer ihm noch daran glaubt.

Patrick Peoples hat das Schlimmste überstanden: Monatelang musste er sich in der Psychiatrie mit pessimistischen Therapeuten und abstumpfenden Medikamenten herumschlagen, bis ihn seine Mutter endlich aus dem „bad place“, wie er selbst die Klinik nennt, befreit und ihn in das heimische Elternhaus zurückholt. Die schwere Zeit fernab von Familie und Freunden hat ihm viel Zeit zum Nachdenken gegeben und aus ihm einen anderen Menschen gemacht. Er hat gelernt, sein Temperament in den Griff zu bekommen und das Leben mit einer positiven Grundeinstellung anzugehen, denn Pat ist davon überzeugt, dass Gott ihm seine Träume erfüllt, wenn er nur fest daran glaubt und hart genug dafür arbeitet. Wieder zurück in Freiheit kann er es kaum erwarten, seinen Charakterwandel auch seiner Frau Nikki vorzuführen, die sich nach dem Vorfall, der zu Pats Klinikaufenthalt geführt hat, von ihm getrennt hat – nur eine Trennung auf Zeit, dessen ist der „neue“ und optimistische Pat sich sicher.

Ein Mann auf der Suche nach seinem persönlichen Happy-End

Allerdings muss er schnell feststellen, dass er offenbar der einzige ist, der noch an ein Happy-End mit Nikki glaubt. Seine Mutter hat während seiner Abwesenheit sämtliche Fotos von ihr aus dem Haus entfernt (auch wenn sie ihrem leichtgläubigen Sohn vorgibt, diese seien einem Einbruch zum Opfer gefallen) und umgeht das heikle Thema auch sonst sehr konsequent, sein Vater spricht gleich überhaupt nicht mit ihm und vertieft sich lieber in seine Football-Obsession und sein bester Freund Ronnie und dessen Frau Veronica wollen den Rückkehrer lieber mit der verwitweten Tiffany verkuppeln, die seit dem Tod ihres Mannes ebenfalls eine schwere Zeit durchgemacht hat. Pat will davon aber nichts wissen und widmet sich besessen seinem stundenlangen Workout, täglichen Laufrunden und den Sitzungen mit seinem Therapeuten Cliff, der als einziger auf seiner Seite zu stehen scheint und ihn nicht von seinem Ziel abbringen will.

Von American Football und Silberstreifen am Horizont

„The Silver Linings Playbook“ – schon lange nicht mehr hat ein Buchtitel so gut zu zu seinem Inhalt gepasst, denn der Name bringt die Handlung bestens auf dem Punkt. „Playbook“ ist ein Begriff auf dem American Football und beschreibt das Taktikbuch, in dem der Coach seinem Team die gesammelten Spielzüge vorgibt. Das passt alleine schon deshalb, weil der amerikanische Lieblingssport einen nicht unerheblichen Teil der Geschichte einnimmt, schließlich ist nahezu Pats gesamtes Umfeld von dem Sport besessen und besteht überwiegend aus fanatischen Philadelphia Eagles-Fans, was nicht nur Pats Leben stark beeinflusst, sondern auch für einige sehr amüsante Szenen sorgt – etwa wenn Therapeut und Patient in der Sitzung euphorisch den Eagles-Schlachtruf anstimmen, während Pats Mutter verwirrt im Wartezimmer sitzt. Eine weitere wichtige Rolle spielen die immer wieder thematisierten „Silver Linings“, die Silberstreifen am Horizont, an die Pat mit jeder Faser seines Körpers glaubt und welche das Happy-End seines ganz persönlichen Films darstellen sollen – nämlich die Wiedervereinigung mit seiner geliebten Nikki.

Skurrile, liebenswerte Charaktere und Wohlfühl-Atmosphäre

Natürlich läuft in der Geschichte aber nicht wirklich viel wie von der Hauptfigur geplant, doch gerade das ist es, was das Buch so besonders macht. Matthew Quick hat eine Reihe ungewöhnlicher und faszinierender Charaktere erschaffen, die man trotz ihrer Macken schnell ins Herz schließt, ganz egal ob es sich dabei um Pats mürrischen Vater, die auf den ersten Blick etwas seltsame Tiffany oder den sympathischen Therapeuten Cliff handelt. Der Autor schildert das Geschehen dabei aus der Sicht seiner Hauptfigur und lässt seine Leserschaft somit unmittelbar an Pats emotionalen Höhen und Tiefen sowie dessen unverbesserlichem Glauben an seinen „Silver Lining“ teilhaben, was oft fast schon schmerzhaft naiv wirkt. Das sorgt für viele nachdenkliche aber auch mindestens genauso viele amüsante Szenen, die beim Leser einfach für ein gutes Gefühl sorgen und an denen man gerne teilhaben möchte.

Romanvorlage und Filmversion im Vergleich

Wie die meisten wissen, wurde Matthew Quicks Romanvorlage kürzlich auch mit Bradley Cooper in der Rolle des Pat Peoples und Jennifer Lawrence als Tiffany verfilmt und konnte bei den Academy Awards 2013 neben zahlreichen weiteren Oscar-Nominierungen sogar eine Auszeichnung für die Beste Hauptdarstellerin einheimsen – meiner Meinung nach übrigens völlig zu Recht, denn Jennifer Lawrence Leistung war ohne jeden Zweifel eines der Highlights des abgelaufenen Kinojahres. Ich habe den Film vor der Lektüre des Buches gesehen und würde daher gerne noch ein paar Worte zum Vergleich zwischen Roman und Leinwandversion verlieren. In meiner persönlichen Gunst liegt dabei der Film klar vorne – und das obwohl mir das Buch wirklich sehr gut gefallen hat. Allerdings hat der Film meiner Meinung nach einige kleine Vorteile, nicht zuletzt die großartige Besetzung mit den oben angesprochenen Bradley Cooper und Jennifer Lawrence, aber auch einem grandiosen Robert De Niro als verschrobener und footballsüchtiger Vater. Diese setzen die Buchcharaktere nahezu perfekt um und sprühen nur so vor Spielfreude. Zudem hat der Drehbuchautor einige kleine Änderungen im Vergleich zum Buch vorgenommen, die der Geschichte in meinen Augen aber ausnahmslos gutgetan haben. So habe ich die Grundstimmung des Films als deutlich positiver und warmherziger empfunden, was auch an vielen großartigen Szenen liegt, die im Roman in dieser Form gar nicht vorhanden sind – hier sei nur auf die viel bessere Integration des Tanzwettbewerbs hingewiesen, welcher im Buch leider nicht viel mehr als eine Randnotiz ist. Zudem wird im Film mehr Beachtung auf die Beziehung zwischen Pat und Tiffany gelegt, was mir ebenfalls besser gefallen hat. „The Silver Linings Playbook“ ist für mich also einer der wenigen Fälle, in denen die Filmumsetzung das Buch sogar noch übertrumpfen kann, selbst wenn die Abweichungen manchen Fan der literarischen Vorlage vielleicht zunächst ein wenig verärgern.

Fazit:
Tolles und mitreißendes Buch mit einer positiven Kernaussage, das den Leser mit einem seligen Wohlgefühl zurücklässt. Sowohl in der Buch- als auch in der Filmversion absolut empfehlenswert (8/10)!

Autor: Matthew Quick; Umfang: 289 Seiten; Verlag: Pan Macmillan; Erscheinungsdatum: 01. Januar 2010; Preis: Taschenbuch 7,70 €, eBook 3,13 €. Die deutsche Ausgabe ist am 21. März 2013 unter dem Titel „Silver Linings“ im Kindler Verlag erschienen und kostet in der gebundenen Ausgabe 16,95 €.

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5 Antworten zu diesem Beitrag

  • Oh, eine schöne Besprechung! Ich kenne bisher weder Film noch Buch, habe mir es aber vergangene Woche gekauft und bin nach deiner Rezension nun noch neugieriger darauf, es möglichst bald zu lesen. 🙂

  • ich muss das jetzt auch endlich mal lesen irgendwie ist das bisher leider voll an mir vorbeigegangen, aber im Moment redet ja fast jeder davon. Erst Film oder erst Buch?

    • Schwierige Frage. Ich hab zuerst den Film gesehen und fand ihn dann besser als das Buch, hab aber auch von anderen gehört die zuerst das Buch gelesen haben und das dann besser fanden.

      Liegt wahrscheinlich an den Unterschieden der beiden Versionen, da punktet vielleicht das zuerst konsumierte, weil man instinktiv gegen die Änderungen ist… 😉

      Ich würde aber trotzdem sagen: Erst Film. Dann hat man beim Lesen Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Robert De Niro vor Augen, das fand ich recht angenehm, weil’s einfach so gut passt^^

  • Liest sich cool. Ich habe heute das Buch fertig gelesen und habe den Film vorher gesehen und würde beides als gleichwertig betrachten. Einiges kommt im Film intensiver und vor allem humorvoller rüber, wobei die Intensität im Buch dann doch eher den recht heftigen Emotionen zuzuschreiben ist. Nur eines frage ich mich, weil ich mich im Film gar nicht so recht mehr daran erinnnere: War das im Film auch so häufig, dass Pat zu Gott gebetet hat? Das ging mir als Agnostiker im Buch dann schon recht mächtig auf die Zwiebel… 🙂