Hörbuchcover
Autor: Neil Gaiman
Sprecher: Roland Hemmo
Länge: 06 Std. 40 Min. (ungekürzt)
Anbieter: Audible GmbH
Originaltitel: Stardust
Preis: 24,95 € (9,95 € im Flexi-Abo von Audible.de)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
In einem England vor langer Zeit liegt an der Grenze zum Feenreich das verwunschene Dörfchen Wall. Hier lebt der träumerische Tristan, der sein Herz an die schöne, aber abweisende Prinzessin Victoria verloren hat. Als Beweis seiner Liebe verlangt sie von ihm, einen Stern zu finden, der vom Himmel gefallen ist. Ungeachtet der Gefahren begibt sich der junge Mann sofort auf eine abenteuerliche Reise, die ihn ins Feenreich führt. Doch er ist nicht der einzige Sternsucher, und seine Konkurrenten haben magische Kräfte!

Meine Hörbuchbesprechung:
Das kleine englische Dorf Wall befindet sich an einer langen und hohen Steinmauer, welche die Einwohner von dem Ort dahinter fernhalten soll. Wachposten sorgen rund um die Uhr dafür, dass auch wirklich niemand die Grenze übertritt, denn hinter der Mauer liegt das Feenland – und die Menschen von Wall haben zu den Elfen ein eher angespanntes Verhältnis. Nur einmal alle neun Jahre wird die Lücke in der Mauer für den Durchgang freigegeben und die Bewohner beider Welten veranstalten einen schillernden Jahrmarkt, auf dem magische Dinge verkauft werden und reichlich Spektakel geboten wird. Danach ist es aber mit der Freiheit wieder vorbei und der Weg zwischen Wall und dem Feenland bleibt für weitere neun Jahre versperrt.

Ein junger Mann begibt sich in ein Abenteuer, um seiner Angebeteten einen Stern zu schenken

Der junge Tristran Thorn will sich davon aber nicht abhalten lassen, denn er will aus einem ganz besonderen Grund die Reise ins Feenland antreten. Tristran ist nämlich bis über beide Ohren in die schöne Victoria Forester verliebt, die aber eigentlich eine Nummer zu groß für den Jüngling aus eher einfachen Verhältnissen ist. So gesteht er Victoria zwar furchtlos seine Gefühle, erhält aber von ihr eine mehr oder weniger deutliche Abfuhr. Victoria weist Tristran zurück und erklärt überheblich, sie würde ihn nur zum Mann nehmen, wenn dieser ihr den Stern hole, der für die beiden sichtbar soeben vom Himmel gefallen ist. Dann erst könne er mit ihr machen, was immer er wolle. Dass Tristran aber sofort alle Hebel in Bewegung setzt, um den im Feenland gestrandeten Stern zu finden – damit hat Victoria offenbar nicht gerechnet…

Die Romanvorlage zur erfolgreichen Verfilmung mit Robert De Niro und Michelle Pfeiffer

„Sternwanderer“ (oder „Stardust“, wie der Roman im englischen Original heißt) von Neil Gaiman erschien bereits im Jahr 1998, blieb mir aber bis vor rund 5 Jahren völlig unbekannt. 2007 kam dann aber die Verfilmung der Geschichte in die Kinos (u.a. mit Robert De Niro, Michelle Pfeiffer und Claire Danes) und erhielt sogar überwiegend positive Kritiken, wodurch mir das Buch zum ersten Mal ins Bewusstsein gelangt ist. Eine Weile später gab es das zugehörige Hörbuch dann für kurze Zeit bei Audible.de als Gratis-Download, und mit dem Gedanken an den hochgelobten Film lud ich mir den Titel ohne großes Zögern in meine Bibliothek – mit dem Plan, erst das Buch zu hören und dann die Verfilmung anzuschauen. Wie so oft hat es dann aber noch einige Zeit gedauert, bis ich dies dann auch tatsächlich mal in Angriff genommen habe…

Bevor der Hörer jedoch Bekanntschaft mit Tristran Thorn, der Hauptfigur des Buches, macht, springt Neil Gaiman in der Zeit ein paar Jahre zurück und begleitet den jungen Dunstan Thorn just zu der Zeit, als die Mauer wieder einmal für den großen Jahrmarkt geöffnet ist. Dunstan macht die Bekanntschaft mit einer Bewohnerin des Feenlandes, schläft mit ihr und verliert das fremde Mädchen dann wieder aus den Augen – eine Begegnung mit Folgen, denn neun Monate später schiebt eben diese Elfe ein Neugeborenes durch eine Maueröffnung, wo es von Dunstan aufgenommen und in den folgenden Jahren großgezogen wird. Dieser Prolog ist recht ausführlich geraten und dient zudem dazu, die besondere Situation des Dörfchens Wall und des umliegenden Landes zu erklären, wobei die namensgebende Mauer wie oben erwähnt eine ganz besondere Bedeutung einnimmt.

Romantische und zauberhafte Ausgangsidee…  

Anschließend springt Gaiman 18 Jahre weiter und stellt den mittlerweile erwachsenen Tristran vor, der sein Herz an die unerreichbar scheinende Victoria Forester verloren hat. Eigentlich ist eine derart schöne Frau für einen weitestgehend mittellosen jungen Mann wie Tristran, der sein Geld als Aushilfe in einem Kaufmannsladen verdient, absolut unerreichbar, doch Tristran will sein Glück zumindest versucht haben. So überredet er Victoria zu einem nächtlichen Picknick und erzählt ihr von seinen Gefühlen, als über den beiden eine Sternschnuppe am Himmel erscheint. Weil Victoria überhaupt kein Interesse an Tristran hat, versucht sie ihn mit den Worten abzuwimmeln, sie würde ihn küssen und sich ihm hingeben, wenn er ihr eben diesen vom Himmel gefallenen Stern hole – in der Annahme, dass dieses Unterfangen absolut unmöglich scheint und Tristran sich dieser Tatsache auch bewusst sei. Damit hat sie sich in dem verliebten Jüngling aber stark getäuscht, denn dieser ist tatsächlich gewillt, die Grenze ins Feenland entgegen des strengen Verbotes zu überschreiten und den Stern zu finden.

… welche durch die Naivität und Arroganz der Beteiligten aber nicht funktioniert

Hach, wie romantisch, könnte man meinen, doch von Romantik ist nicht nur in diesen Szenen wenig zu spüren. Was Tristran an der elitären Victoria so hinreißend findet, bleibt (abgesehen vom Aussehen) ein Rätsel, denn aus objektiver Sicht ist die junge Frau hochnäsig, kalt und abweisend – was ihr Verehrer aber irgendwie als einziger nicht sieht. Angetrieben von einer unglaublichen Naivität findet er einen Weg durch die Mauer und begibt sich in die Gefahren des Feenlands, fest in dem Glauben, dass Victoria ihm völlig verfallen würde, wenn er doch nur diesen verflixten Stern mit nach Hause brächte. Dass Victoria ihr Angebot nur im Spaß geäußert haben könnte und sich die arrogante Schnepfe im Leben nicht mit ihm abgeben würde – dieser Gedanke scheint dem vor Liebe Blinden überhaupt nicht in den Kopf zu kommen.

Einige gute Ansätze, aber der Funke springt zu selten über

Unterhaltsam wird die Geschichte aber dadurch, dass der gefallene Stern nicht nur etwa ein hinabgestürzter Klumpen Materie ist, sondern sich als hübsches Mädchen namens Yvaine entpuppt. Diesem liegt natürlich nichts ferner, als sich von einem verblendeten Träumer entführen zu lassen, um diesem zu seinem Liebesglück zu verhelfen. Außerdem ist Tristran auch nicht der Einzige, der es auf den Stern abgesehen hat, denn auch Hexen und eine Gruppe herrschsüchtiger, potenzieller Thronfolger des Herrschers von Stormhold suchen verbissen und aus unterschiedlichen Motiven nach dem Geschöpf des Himmels. Diese Rivalität bringt zwar Abwechslung mit sich, kann aber auch nicht verhindern, dass der Funke irgendwie nicht so richtig überspringen will. Trotz magischer Wesen wie Einhörnern und Feen hat Gaimans Märchen nur wenig Zauberhaftes und ist über weite Strecken eher eintönig als mitreißend. Auch die Figuren lassen den Hörer oft merkwürdig kalt: Tristran ist ein naiver Trottel, der die Sternenfrau wie eine Gefangene behandelt, um sein Ziel zu erreichen, Victoria wie oben schon geschrieben arrogant und kaltherzig und die Hexen und Königssöhne sind ohnehin nicht als Sympathieträger angelegt. Bleibt nur Yvaine, das Sternenmädchen, die durch ihren erfrischenden Eigenwillen und ihre unverschuldete Opferrolle als einzige das Herz des Hörers erweichen kann. Was mir zudem störend aufgefallen ist, ist die häufig unnötig vulgäre Sprache, die so gar nicht zur Geschichte passen will. In einem Märchen will ich irgendwie nicht, dass von „Titten“ oder „vögeln“ die Rede ist, selbst wenn es wie „Sternwanderer“ wohl in erster Linie für ein erwachseneres Publikum gedacht ist – das nimmt dem Buch in meinen Augen weiteres von seiner ohnehin schon spärlich bemessenen Magie.

Der Sprecher:
Gelesen wird „Sternwanderer“ von Roland Hemmo, der laut Wikipedia-Eintrag mit über 1000 synchronisierten Kino- und Fernsehfilmen zu den wichtigsten deutschen Synchronsprechern gehört – mir aber bis zu diesem Hörbuch völlig unbekannt geblieben ist. Ein näherer Blick in dessen Biografie verrät dann aber, dass Hemmo u.a. die deutsche Synchronstimme von Brendan Gleeson (dem „Mad-Eye“ Moody aus den Harry-Potter-Filmen) oder Stellan Skarsgård („Stiefelriemen Bill“ Turner aus „Fluch der Karibik“) ist, und siehe da, die Stimme kam mir beim Hören dann doch irgendwie bekannt vor. Leider liest Hemmo aber insgesamt wenig abwechslungsreich und die meisten Charaktere hören sich bis auf wenige Ausnahmen überwiegend gleich an. Zwar hat der Sprecher eine angenehme Erzählerstimme, holt aber zu wenig aus dem Buch heraus, was die etwas langatmigeren Szenen noch einmal negativ verstärkt und noch zäher wirken lässt.

Schlussfazit:
Die Erwartungen an Neil Gaimans „Sternwanderer“ waren zwar von meiner Seite aus nicht riesig, doch trotzdem lässt mich das Hörbuch ein wenig enttäuscht zurück. Ich hatte auf ein fantasievolles und verzauberndes Erwachsenen-Märchen gehofft, doch die Geschichte bietet über weite Strecken gewöhnlichen Fantasy-Stoff, der weder besonders originell noch übermäßig mitreißend ist. So romantisch die Ausgangssituation auch erscheinen mag, so wenig kann die Story den daraus entstandenen Hoffnungen gerecht werden. Die Naivität der Hauptfigur kommt einfach nur total albern rüber und sorgt dafür, dass man diese nicht so richtig ernst nehmen kann und auch nicht so recht mit ihr mitfiebern mag.

Nette Geschichte mit leider zu wenig Zauber – der Film ist jedoch deutlich besser

Das klingt jetzt aber alles schlimmer, als es tatsächlich ist, denn „Sternwanderer“ ist wirklich solide Fantasy-Kost mit ein paar guten Einfällen und einer brauchbaren Story. Es hebt sich aber für mich nicht aus der Masse heraus und hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck – mehr als ein nettes Märchen ist es in meinen Augen einfach nicht. Die Verfilmung hingegen kann ich aber nur wärmstens empfehlen, denn diese hat fast alles, was ich beim Buch vermisst habe und versprüht auch den beim Hörbuch fehlenden Zauber. „Sternwanderer“ ist also einer der seltenen Fälle, in denen der Film besser ist als das Buch – und das sogar recht deutlich.

Meine Wertung: 6/10

Informationen:
Das Hörbuch „Sternwanderer“ von Neil Gaiman hat eine Länge von 6 Std. und 40 Min. und ist ungekürzt für 24,95 Euro bei audible.de erhältlich. Kunden mit Flexi-Abo bezahlen wie gewohnt nur 9,95 Euro. Weitere Infos gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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