Kategorie: Hörbücher, Rezension


Autor: Harlan Coben
Sprecher: Detlef Bierstedt
Länge: 12 Std. 41 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Myron Bolitar, ehemaliger Spitzensportler und Detektiv wider Willen, erinnert sich nur allzu gut an seine eigene Jugend und weiß, dass Heranwachsende manchmal lieber eine Dummheit begehen, als sich an die eigenen Eltern zu wenden. Daher zögert er nicht, als die Tochter einer Bekannten ihn mitten in der Nacht anruft und bittet, sie zu einer Freundin zu fahren. Doch am nächsten Tag ist Aimee verschwunden – und Bolitar begibt sich auf eine Suche, bei der bald nicht nur Aimees, sondern auch sein Leben auf dem Spiel steht…

Meine Hörbuchbesprechung:
Myron Bolitar, ehemaliger Basketball-Profi und nun Inhaber einer Berateragentur für Sportler und Schauspieler, hat seit geraumer Zeit eine neue Freundin, die Journalistin Ali Wilder. Bei einem seiner Besuche bekommt er spätabends zufällig ein Gespräch zwischen deren Tochter und einer Schulfreundin mit und schnappt beunruhigende Gesprächsfetzen mit den Schlagworten Alkohol und Autofahren auf. Aus Sorge um die Gesundheit der beiden Mädchen bietet er den beiden für den Fall einer Notsituation seine Hilfe an. Egal zu welcher Tageszeit und an welchem Ort: Sollten die Schülerinnen mal nach einer Party einen Chauffeur benötigen, können sie Myron jederzeit anrufen. Er wolle auch keine Fragen stellen und nicht die Eltern informieren, ihm gehe es lediglich darum, dass die Mädchen gesund und sicher nach Hause gelangen würden. Nach kurzer Überzeugungsarbeit versprechen die beiden schließlich, Myrons Angebot auch in Anspruch zu nehmen, sollte es einmal zu einer solchen Situation kommen.

Ein scheinbar harmloses Versprechen mit ungeahnten Folgen

Wenige Tage später ist es auch schon so weit: Aimee, die Freundin von Alis Tochter, ruft den Ex-Sportler nachts an und obwohl dieser selbst nicht mehr ganz nüchtern ist holt er das Mädchen vom genannten Ort ab und setzt es bei einer Freundin ab. Umso überraschter ist Myron Bolitar am nächsten Tag, als von Aimee plötzlich jede Spur fehlt. Da er das Mädchen zuletzt gesehen hat, muss er sich nun selbst den unerbittlichen Fragen der Polizei aussetzen, die ihn zunächst der Entführung bezichtigt. Dieser Verdacht kann zwar recht schnell entkräftet werden, doch da Aimees Eltern ihn für das Verschwinden ihres Kindes verantwortlich machen, fühlt Myron sich verpflichtet, das Mädchen unversehrt nach Hause zu bringen…

Eine Krimireihe mit großen Lücken

„Ein verhängnisvolles Versprechen“ von Harlan Coben ist der achte Teil der erfolgreichen Serie um den ehemaligen Basketballer Myron Bolitar, allerdings erst der vierte Band, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Warum die Bücher vier bis sieben in Deutschland noch nicht veröffentlich wurden, bleibt ein Rätsel, das wohl nur der Goldmann Verlag lüften kann. Dementsprechend ist im Leben des charismatischen Spieler- und Schauspieleragenten natürlich einiges passiert. Myron ist schon lange nicht mehr mit seiner früheren Langzeitfreundin Jessica Culver zusammen und hat sogar schon eine neue Liebe am Start, die wie gewohnt auch einen bedeutenden Teil der Story für sich beanspruchen darf. Auch im weiteren Verlauf ergeben sich immer wieder Rückblicke auf Ereignisse, die der deutsche Leser leider verpasst hat. Für Myron-Bolitar-Fans wie mich ist das ärgerlich, Neueinsteiger sollte dies aber nicht negativ beeinflussen. Die neben Bolitar wichtigste Figur ist aber glücklicherweise noch dabei, dazu aber später mehr.

Harlan Coben und sein bewährtes Erfolgsrezept

Wer in seinem Leben schon mehr als zwei Bücher von Harlan Coben gelesen hat, dem ist wahrscheinlich schon aufgefallen, dass der amerikanische Bestsellerautor streng genommen immer wieder die gleiche Story erzählt – natürlich mit meist neuen Charakteren und kleineren Abweichungen. In der Regel geht es bei Coben-Thrillern immer um vermisste oder tot geglaubte Personen, die von der Hauptfigur gefunden werden müssen. Dabei wird dann meistens noch ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit enthüllt – fertig ist der Bestseller.

Dieses bewährte Erfolgsrezept funktioniert auch über weite Strecken bei „Ein verhängnisvolles Versprechen“. Um welches Versprechen es dabei geht, wird schon in den ersten Minuten erläutert: Zwei Schulmädchen versprechen ihrem „Schutzengel“ Myron Bolitar, in einer Notsituation seine Hilfe in Anspruch zu nehmen – mit weitreichenden Folgen. Wenig später ist eines der Mädchen verschwunden und muss – wie könnte es bei Harlan Coben anders sein – gefunden werden. Interessant wird der Fall dadurch, dass kurz zuvor bereits ein Mädchen im gleichen Alter und von der gleichen Schule spurlos verschwunden ist. Zudem haben beide vor ihrem Verschwinden vom gleichen Geldautomaten einen größeren Bargeldbetrag abgehoben – bloßer Zufall? Bei beiden Vermissten ist zudem fraglich, ob sie freiwillig von Zuhause ausgerissen sind oder ob sie nicht doch einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind.

Wenig spektakuläre, aber dennoch unterhaltsame Geschichte

Das klingt für einen Thriller jetzt nicht sonderlich spektakulär und ist es dann auch nicht. Durchgehende Spannung ist auch nicht vorhanden, dafür ist Harlan Coben manchmal einfach zu geschwätzig. Trotzdem macht auch „Ein verhängnisvolles Versprechen“ wieder großen Spaß. Das liegt vornehmlich an den Hauptfiguren, die den Hörer größtenteils schon durch die gesamte Reihe begleiten, allen voran natürlich Myron Bolitar selbst. Wer diese Figur nicht sympathisch findet, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen. Myron ist verantwortungsbewusst, umsichtig, hilfsbereit, intelligent, freundlich und dadurch natürlich auch ein Frauenschwarm. Von daher ist es wenig überraschend, dass sein Liebesleben auch diesmal wieder ausführlich thematisiert wird. Nach den vergangenen Modelfreundinnen ist er zwar jetzt nur mit einer „6.8“ auf der imaginären Frauenbeurteilungsskala zusammen – so sieht das zumindest Myrons bester Freund –, doch dafür ist die Beziehung diesmal etwas tiefschürfender als die vorherigen.

Myron Bolitar und Windsor Horne Lockwood III. – ein unschlagbares Duo

Und wie schon in den anderen Bänden ist Bolitar auch diesmal wieder der Mann für alle Probleme und Retter auf Abruf. Ihm zur Seite steht erneut sein Partner Windsor Horne Lockwood III., einer der coolsten und skurrilsten Charaktere des Thrillergenres. „Win“ ist mit Myron seit dem College befreundet und Mädchen für alles, insbesondere für’s Grobe. Denn hinter der Fassade des blassen Vorzeigesnobs steckt eine eiskalte Killermaschine ohne Hemmungen, die immer dann gefragt ist, wenn Myron in der Klemme steckt. Zugegeben: „Wins“ Frauenbild ist nahezu skandalös und streng genommen ist der Mann ein gemeingefährlicher Psychopath – was auch alle wissen –, doch trotzdem freut man sich als Hörer auf jede Szene mit ihm. Denn immer dann, wenn das Gespann Bolitar/Lockwood zusammen auftritt, sprüht die Geschichte nur vor bissigen und ironischen Dialogen und markigen Sprüchen, die mittlerweile zum Markenzeichen der Reihe geworden sind. Da kann man auch mal verzeihen, dass die Story selbst schon mal mitreißender war. Unverzeihbar ist aber das völlig unglaubwürdige und an den Haaren herbeigezogene Ende, welches den positiven Gesamteindruck zum Abschluss noch merklich schmälert.

Der Sprecher:
Wie bei allen deutschen Harlan-Coben-Hörbüchern ist natürlich auch diesmal wieder Detlef Bierstedt als Sprecher dabei. Der deutschen Synchronstimme von George Clooney scheinen die Myron-Bolitar-Krimis auf den Leib geschrieben, denn Bierstedt oft etwas überspitzte Stimmvariationen passen zu keinen Charakteren so gut wie zu den ebenso überzeichneten Figuren der Coben-Storys. Während Myron selbst noch mit der normalen Clooney-Stimme daherkommt, sind gerade die Szenen mit Windsor Horne Lockwood III. ein echtes Highlight. Bierstedt trifft mit seiner Interpretation genau den Ton der Dialoge und kann den einzigartigen Humor der Reihe optimal an den Hörer bringen.

Schlussfazit:
Wer die Myron-Bolitar-Reihe bisher mochte, der wird auch mit „Ein verhängnisvolles Versprechen“ wieder auf seine Kosten kommen, wenngleich dieser Teil inhaltlich nicht zu den stärksten der Serie zählt. Die Story um die beiden vermissten Mädchen ist zwar durchweg unterhaltsam und stellenweise auch spannend, doch insgesamt fehlt es der Handlung einfach an dem nötigen Thrill. Auch das viel zu konstruierte Ende kann nicht überzeugen.

Anspruchsloser aber launiger Krimi mit tollen Charakteren

Doch diese Krimireihe lebt einfach zu großen Teilen von ihren Charakteren – und da wird auch diesmal wieder einiges geboten. Myron Bolitar ist und bleibt eine faszinierende Hauptfigur, die immer noch keine Abnutzungserscheinungen aufweist und die man gerne auf ihrer Spurensuche begleitet. Auch der Coben-typische Humor ist vorhanden und äußert sich in beißender Ironie und Sarkasmus, gerade in den gemeinsamen Szene von Myron und Win. Wer realistische und anspruchsvolle Thriller sucht, der ist hier sicherlich an der falschen Adresse. Doch wer auf weitgehend anspruchsvolle Krimi-Action mit einem sympathischen B-Movie-Charme steht, der sollte unbedingt mal bei Myron Bolitar vorbeischauen.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Das Hörbuch hat eine Länge von 12 Stunden und 41 Minuten und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich (9,95 € im Flexi-Abonnement). Eine auf knapp 5 1/2 Stunden gekürzte Fassung gibt es bereits für 11,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de


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