Autor: Walter Isaacson
Sprecher: Frank Arnold
Länge: 26 Std. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Macintosh, iMac, iPod, iTunes, iPhone, iPad – Steve Jobs hat der digitalen Welt mit der Kultmarke Apple Ästhetik und Aura gegeben. Wo Bill Gates für solide Alltagsarbeit steht, ist der Mann aus San Francisco die Stilikone des IT-Zeitalters, ein begnadeter Vordenker, der kompromisslos seiner Idee folgt. Genial und selbstbewusst hat er trotz ökonomischer und persönlicher Krisen den Apfel mit Biss (Bite) zum Synonym für Innovation und Vision gemacht. Doch wer ist dieser Meister der Inszenierung, was treibt ihn?
Walter Isaacson gewann das Vertrauen des Apple-Chefs und konnte als erster Biograf während der langjährigen Recherchen auf seine uneingeschränkte Unterstützung ebenso bauen wie auf die seiner Familie, seiner Weggefährten und auch der Kontrahenten. Entstanden ist das Buch über Steve Jobs und sein Unternehmen – nicht nur für Apple-Fans.

Meine Hörbuchbesprechung:
Eigentlich lese bzw. höre ich keine Biografien. Das hat vor allem drei Gründe: 1. Ich lese allgemein eher wenig Sachbücher und beschränke mich fast ausschließlich auf Romane. 2. Auf Memoiren sich selbst beweihräuchender Promis wie Dieter Bohlen, Lothar Matthäus und Co. kann ich verzichten, da nutze ich meine Zeit lieber sinnvoller. 3. Bei neutralen Biografien interessieren mich meistens die Persönlichkeiten nicht genug, um mir mehrere hundert Seiten mit Episoden aus deren Leben durchzulesen. Bei dem Buch „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ ist das aber anders. Ich bin seit Jahren begeisterter Nutzer der Apple-Produkte und Mac, iPhone und iPad sind aus meinem Alltag kaum noch wegzudenken. Das liegt zum einen am ansprechenden und puristischen Design und andererseits natürlich an den Funktionen und der Benutzerfreundlichkeit. Außerdem finde ich die Person Steve Jobs an sich schon interessant und habe mir zu dessen Lebzeiten immer gerne die Keynotes mit der Vorstellung neuer Apple-Gadgets angeschaut. Wie dieser Mann in Jeans und schwarzem Rollkragenpullover voller Enthusiasmus und Stolz seine neuen Erfindungen präsentierte, hatte auf mich immer eine ganz besondere Anziehungskraft und endete meistens damit, dass ich das neue Produkt unbedingt in meinen Händen halten wollte – selbst wenn es eigentlich nur eine tolle Spielerei war, auf die man rational gesehen locker verzichten könnte. So war es dann auch nur eine Frage der Zeit, bis ich mir die Biografie des Apple-Gründers zugelegt habe und zwar in der 26 Stunden langen ungekürzten Hörbuchversion.

Einzige von Steve Jobs autorisierte Biografie

Für den Inhalt zeigt sich der amerikanische Schriftsteller Walter Isaacson verantwortlich, der zuvor schon Biografien über Benjamin Franklin und Albert Einstein verfasst hatte. Dadurch ist auch Steve Jobs auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn gebeten, ein Buch über sein Leben zu schreiben – damit ist Isaacsons Werk auch zugleich die einzige Jobs-Biografie, die offiziell autorisiert wurde. Neben umfassenden Recherchen konnte Isaacson daher auch auf über 40 persönliche Interviews mit Jobs zurückgreifen, die er immer wieder in Form kleiner Zitate und Kommentare in sein Buch mit einfließen ließ.

Vom kleinen Jungen mit Selbstzweifeln bis zum besessenen Computergenie 

Der Hörer begleitet Steve Jobs dabei von klein auf bis zu seinen letzten Wochen, denn Isaacson beginnt mit seiner Biografie sogar noch mit der Zeit vor Jobs‘ Geburt. Wir erfahren, wie dessen Mutter Joanne Carole Schieble den Syrer Abdulfattah Jandali kennenlernte, sich verliebte und schwanger wurde – und wie die Amerikanerin ihren Sohn direkt nach der Geburt zur Adoption freigab, da die Eltern des Paares gegen die Beziehung waren und Schieble es sich nicht zutraute, ihr Kind unter diesen schwierigen Bedingungen großzuziehen. Somit landete der Junge bei Paul und Clara Jobs in Kalifornien, die das Kind auf den Namen Steven Paul tauften und ihren Adoptivsohn in den kommenden Jahren vergötterten.

Weiter geht es mit Kindheit und Schulzeit, in der früh klar wurde, dass Steve sehr intelligent war und deutlich schneller lernte als seine Schulkameraden, sodass sich der Junge schnell unterfordert fühlte. Dann führt uns die Reise von Studienjahren und Frauengeschichten über Auslandsaufenthalte in Indien, wo sich Jobs intensiv mit dem Buddhismus auseinandersetzte bis hin zum Zusammentreffen mit Steve Wozniak, mit dem er wenige Jahre später die Apple Computer Company gründen sollte. Während die bisherigen Kapitel eher Vorgeplänkel waren und sich überwiegend mit Jobs‘ Familiengeschichte auseinandersetzten, widmet sich Isaacson von nun an ausführlich dessen beruflicher Karriere und ihren Auswirkungen auf die Geschichte der Computerindustrie.

Umfassende und (fast) vollständige Biografie

Hier geht der Biograf sehr gründlich vor und lässt kein wichtiges Kapitel aus Jobs‘ Leben aus. Die Erfindung des Macintosh, der Rausschmiss bei Apple, die eher weniger erfolgreichen Jahre beim selbst gegründeten Unternehmen „NeXT“ und die Rückkehr zu Apple – Isaacson berichtet sorgfältig und lebhaft über große Momente der Computergeschichte, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Dabei werden zwar auch viele Namen ins Spiel gebracht, doch da die meisten nur für einige Episoden eine Rolle spielen, ist es für den Hörer recht einfach, hier den Überblick zu behalten. Natürlich kommt der Konkurrenzkampf mit Microsoft und die Rivalität zwischen Steve Jobs und Bill Gates ebenso zur Sprache wie Jobs‘ Arbeit bei Pixar, ohne die es wohl nie filmische Meisterwerke wie „Toy Story“, „Findet Nemo“, „WALL-E“ und Co. gegeben hätte. Im letzten Drittel geht Walter Isaacson dann hauptsächlich auf die Entstehung von iPod, iPhone und iPad sowie die lange und schwere Krankheits- und Leidensgeschichte des Apple-Gründers ein. Hier wechseln sich große Erfolge und geniale Innovationen mit bewegenden und schweren Phasen aus Jobs‘ Leben ab, sodass sich insgesamt ein sehr umfassendes Bild über Steve Jobs ergibt – jedoch kein vollständiges, denn leider (oder Gott sei Dank) fehlt die letzte Station in dessen Leben, nämlich die Tage vor seinem Tod am 5. Oktober 2011. Das mag mit der vorgezogenen Veröffentlichung der Biografie zusammenhängen und man kann auch darüber diskutieren, ob man das Sterben eines Menschen noch schriftlich begleiten muss, doch es findet sich nicht mal ein Satz über den Tod des Apple-Gründers, sodass das Buch irgendwie nicht ganz abgeschlossen wirkt – das ist allerdings nur ein ganz kleiner Kritikpunkt einer ansonsten sehr detaillierten Zusammenfassung eines ereignisreichen Lebens.

Kritische Auseinandersetzung mit der Person Steve Jobs – trotz dessen Autorisierung des Buches

Vor der Lektüre des Buches hatte ich vor allem eine große Befürchtung: Aufgrund der Autorisierung durch Steve Jobs hatte ich erwartet, dass die Biografie vielleicht nicht ganz objektiv verfasst sein würde und vor allem Jobs‘ geniale Ideen, sein Perfektionismus und der Enthusiasmus für seine Produkte im Vordergrund stehen würden. Außer mit den unbestreitbaren Leistungen und Errungenschaften setzt sich Isaacson aber auch überraschend kritisch mit den Schattenseiten von Jobs auseinander. So leugnete dieser in den Anfangsjahren seine nichteheliche Tochter, obwohl er seinerzeit selbst darunter gelitten hatte, ein Adoptivkind gewesen zu sein und sich dadurch nicht gewollt fühlte. Auch der Umgang mit seinen Mitarbeitern war alles andere als vorbildlich und nicht selten mussten diese einen der gefürchteten Wutausbrüche ihres Chefs über sich ergehen lassen, in denen Jobs auch nicht selten gemein und beleidigend wurde. Auch beim Umgang mit seinen Eltern bleibt einem beim Zuhören manchmal die Spucke weg, etwa wenn der junge Steve mit aller Macht einen Platz am teuren Reed College von ihnen förmlich erpresste, obwohl diese sich die kostspielige Ausbildung trotz harter Arbeit kaum leisten konnten. Es gibt nicht wenige Momente, in denen man einfach nur noch denkt: „Was für ein rücksichtsloses und egoistisches Arschloch!“ Außerdem umfasst das Buch Episoden, die einen trotz aller Genialität zuweilen am Geisteszustand des Visionärs zweifeln lassen: So war Jobs zum Beispiel davon überzeugt, dass es ausreichen würde, sich einmal in der Woche zu waschen, da aufgrund seiner gesunden veganen Ernährung eine umfassendere Körperhygiene nicht notwendig sein würde – was seine Freunde, Kollegen und Mitarbeiter aber nicht bestätigen konnten… Auch bei seiner Krebserkrankung setzte Jobs lieber lange auf alternative Heilmethoden statt auf Chemotherapie und andere moderne Behandlungen – eine Entscheidung, die ihn vielleicht letzten Endes das Leben gekostet hat.

Der Sprecher:
Ich habe mich bei der Steve-Jobs-Biografie bewusst für die Hörbuchversion entschieden, da ich die Befürchtung hatte, dass 700 Seiten Lebenslauf vielleicht in schriftlicher Form etwas anstrengend sein könnten. Das wäre aufgrund der spannenden Erzählweise von Walter Isaacson wohl eh nicht der Fall gewesen, doch trotzdem würde ich jederzeit wieder zum Hörbuch greifen. Das hat vor allem einen Grund: Frank Arnold. Für einen Sprecher ist es bestimmt nicht einfach, ein Sachbuch einzulesen, noch dazu wenn es eine solche lange Laufzeit hat. Arnold hat wenig Möglichkeiten, seine Vielseitigkeit zu zeigen und muss vor allem dafür sorgen, dass sich der Hörer nicht langweilt. Das gelingt ihm jedoch auf bravouröse Art und Weise. Seine Lesung fällt äußerst packend und lebendig aus, sodass ich jederzeit gespannt zugehört habe. Als besonders gelungen empfand ich die vielen Zitate von Steve Jobs, in denen er seinen Unmut über Produktentwürfe oder Konkurrenten zum Ausdruck bringt. Sätze wie „Dieses Konzept ist Mist!“ klingen aus Arnolds Mund wunderbar abwertend und machen beim Hören großen Spaß.

Tolle und sehr lebhafte Lesung von Frank Arnold – mit gelegentlichen Patzern in der Aussprache

Allerdings gibt es bei all dem Lob auch einen kleinen Kritikpunkt: Teilweise kommt es an wenigen Stellen vor, dass Frank Arnold englische Namen und Wörter falsch ausspricht. Das liegt aber weniger an dessen Englischkenntnissen, als vermutlich eher an der Unkenntnis mancher Fachbegriffe und Eigennamen. So ist zum Beispiel beim Betriebssystem Mac OS wiederholt von „Oss“ statt „Oh-Es“ die Rede oder der Name der auch in Deutschland sehr bekannten Sängerin Alicia Keys wird falsch ausgesprochen. Das hätte durch das Lektorat (nennt man das bei Hörbüchern eigentlich auch so?) korrigiert werden können und müssen. Da diese kleinen Patzer aber nur selten vorkommen, sollte das den Hörgenuss nicht allzu sehr trüben.

Schlussfazit:
Die offizielle Steve-Jobs-Biografie hat mich wirklich positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass man das Leben einer Person so spannend und unterhaltsam schildern kann, dass es selbst bei einer langen Laufzeit von 26 Stunden nie langweilig wird. Natürlich sind vermutlich für jeden Leser andere Episoden aus Jobs‘ Leben interessant: Der eine interessiert sich mehr für die Gründungsjahre von Apple, der nächste für die familiären Hintergründe und wiederum andere für die Entstehung von iPod und iPhone. Doch auch die vermeintlich etwas trockeneren Themen wie Machtkämpfe in der Apple-Firmenleitung werden immer wieder durch unterhaltsame Anekdoten aufgelockert, sodass die Erzählung insgesamt sehr kurzweilig ausfällt.

Spannende, gründliche und kritische Biografie des Steve Jobs – viel besser geht es nicht

Walter Isaacson liefert eine sehr umfassende und nahezu vollständige Biografie, die erfreulicherweise auch nicht zu einer reinen Glorifizierung der Person Steve Jobs ausartet sondern sich kritisch mit ihr auseinandersetzt. So ergibt sich ein faszinierendes Gesamtbild über einen Menschen, den man für seinen Innovationsgeist zwar bewundern muss, den man sich aber eher nicht als Vorgesetzten oder gar als Vater wünschen würde. Irgendwie war ich fast ein wenig traurig, als das Hörbuch vorbei war, denn ich hätte den Erzählungen Isaacson gut und gerne noch ein paar Stunden zuhören können. Der Biograph hat hier meiner Meinung nach ganze Arbeit geleistet, denn viel besser hätte man dieses Buch vermutlich nicht schreiben können. Leider stören ein paar überflüssige Übersetzungsfehler, der peinliche „silicon/Silikon“-Bock aus der 1. Auflage ist in der Hörbuchversion aber glücklicherweise schon ausgemerzt. Für Fans der Marke Apple ist das Buch quasi eine Pflichtlektüre, doch auch Menschen, die sich für die Geschichte der Computerindustrie interessieren, sollten hier absolut auf ihre Kosten kommen.

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
Das Hörbuch „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ hat eine Länge von 26 Stunden und ist ungekürzt für 34,95 € bei audible.de erhältlich. Eine auf knapp 10 Stunden gekürzte Version gibt es schon für 14,95 €. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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