Autor: Stephan M. Rother
Sprecher: Tanja Geke, Simon Jäger
Länge: 18 Std. 11 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Ein in jeder Hinsicht verstörender Mord führt die Ermittler Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs ins Hamburger Rotlichtviertel: Das Opfer war ein Kollege, und es wird nicht das letzte sein. Die Taten nehmen an Grausamkeit zu. Und alle haben sie mit den dunkelsten Geheimnissen der Opfer zu tun, ihrer größten Angst. Irgendwann keimt in Albrecht eine Erinnerung: Der Traumfänger-Fall. Seit dreißig Jahren schlummert er in den Akten. Seit dreißig Jahren sitzt der Täter in der Psychiatrie. Wie es scheint, hat der Alptraum gerade erst begonnen…

Meine Hörbuchbesprechung:
In einem Bordell in Hamburg wird die übel zugerichtete Leiche eines Mannes gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Ermordeten um Ole Hartung handelt, einem 61-jährigen Kriminaloberkommissar. Mit den Ermittlungen werden Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs betraut, die das Opfer aus dem täglichen Arbeitsleben nur zu gut kannten. Beide sind vom Tod ihres Kollegen zutiefst geschockt, doch Albrecht geht der Mord besonders nahe. Er macht sich schwere Vorwürfe, weil er es war, der Hartung im Rahmen einer Undercover-Ermittlung auf den SM-Club angesetzt hatte.

Ein Serienmörder macht Jagd auf die Hamburger Polizei

Während Albrecht und seine Kollegin Friedrichs erste Spuren auswerten, wird wenig später eine weitere Polizistin ermordet aufgefunden. Für sein zweites Opfer hat sich der Täter eine besonders makabre Todesart ausgedacht, denn die Frau wurde mit einer extrem hohen Dosis Radioaktivität verstrahlt. Den Ermittlern kommt der Gedanke, dass es der Mörder möglicherweise gezielt auf Mitglieder aus Albrechts Abteilung abgesehen hat. Doch wer könnte ein ausreichendes Motiv haben, um Mitglieder des Polizeidienstes auf eine derart brutale Weise auszuschalten? Noch viel mehr bewegt die Kommissare jedoch eine andere Frage: Wenn es ihnen nicht gelingt, den Täter schnell zu fassen… wer wird dann sein nächstes Opfer sein?

Geschichte wird den geschürten hohen Erwartungen anfangs nicht immer gerecht

„Ich bin der Herr deiner Angst“ ist der neue Thriller des deutschen Autors Stephan M. Rother und hat bereits weit vor seinem Erscheinungstermin auf sich aufmerksam gemacht. Das lag hauptsächlich am groß aufgebauschten Alternate Reality Game, einer geschickt angelegten PR-Aktion, bei der Fans schon vorab auf Spurensuche gehen konnten. Auch das zugehörige Hörbuch wurde fleißig beworben, so gab es beim größten deutschen Anbieter Audible.de die erste Stunde kostenlos vorab zum Reinschnuppern.

Dadurch wurden bei mir natürlich sehr hohe Erwartungen geweckt, denen das Buch aber leider nicht immer gerecht werden kann. Dabei sind zunächst einmal alle Zutaten für einen spannenden Thriller vorhanden. So beginnt die Geschichte direkt mit einem brutalen Mord, der auch recht reißerisch geschildert wird. Dass es sich bei dem Opfer dann auch noch um einen Polizisten und Kollegen des nun auftretenden Ermittlerteams handelt, macht die Ausgangssituation noch einmal reizvoller. Allerdings will merkwürdigerweise der Funke zu Beginn noch nicht wirklich überspringen. Selbst als wenig später ein zweiter aufsehenerregender Polizistenmord stattfindet, plätschert die Handlung immer noch ein wenig vor sich hin. Das liegt aber weniger am Inhalt an sich, als viel mehr an der etwas distanzierten und leblosen Schilderung. Irgendwie lässt einen die Story trotz der vermeintlich schockierenden Todesfälle kalt, und auch die emotionale Schiene rund um die Schuldgefühle von Jörg Albrecht oder die Sorgen von Hannah Friedrichs vermag es nicht, den Leser wirklich mitzureißen.

Nicht ganz unkomplizierte Ermittlerfiguren machen es dem Hörer nicht immer einfach

Dabei spielen aber auch die beiden Ermittlerfiguren eine nicht unbedeutende Rolle, denn es dauert eine ganze Weile, bis man mit dem Duo Albrecht/Friedrich richtig warm wird. Der erfahrene Kommissar übernimmt dabei die Rolle als gebrochene Persönlichkeit, wie man es schon aus so vielen Krimis und Thrillern kennt. Ein verkorkstes Privatleben – seine Frau hat sich von ihm getrennt und lebt nun mit der gemeinsamen Tochter bei einem reichen Schnösel – und das jahrelange Grauen bei der täglichen Arbeit haben ihre Spuren hinterlassen und so wirkt Albrecht immer ein wenig deprimiert und vom Leben gezeichnet. Bei den Kollegen genießt er aber trotzdem noch ein hohes Ansehen, wie man vor allem am Verhalten von Hannah Friedrichs sehen kann. Allerdings ist es auf Dauer sehr nervig, dass bei Albrecht immer von „unserem Herrn und Meister“ die Rede ist. Noch dazu gibt sich der Ermittler gerne als philosophischer Feingeist, trifft sich mit einem alten Freund zu intellektuellen Debatten und wirft viel zu oft mit Sokrates-Zitaten um sich, was seine Sympathiewerte nicht gerade in atemberaubende Höhen schießen lässt. Auch Hannah Friedrichs ist sicherlich keine einfache Persönlichkeit, doch alleine schon aufgrund der hier gewählten Ich-Perspektive fällt es bei der weiblichen Hauptfigur etwas leichter, eine Verbindung zu ihr aufzubauen. So ist Friedrichs dann auch für die emotionalen Momente zuständig, wobei ihr ständiges Beziehungschaos zwischen ihrem Ehemann und einem aalglatten Anwalt auf Dauer auch etwas anstrengend ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an das Polizei-Duo und schließt Albrecht und Friedrichs zwar nicht unbedingt ins Herz, man kann sich aber mit den beiden ganz gut arrangieren.

Starke zweite Hälfte entschädigt für die Längen zu Beginn des Hörbuches 

So gerät die erste Hälfte von „Ich bin der Herr deiner Angst“ etwas schleppend und lässt den Hype im Vorfeld alles andere als nachvollziehbar wirken. Ungefähr in der Mitte gibt es dann aber einen inhaltlichen Bruch, der dem Hörbuch jedoch merklich gut tut. Dann lässt das Tempo der Geschichte zwar etwas nach und weniger Leichen pflastern den Weg des Täters, doch mit der hergestellten Verbindung zu einem alten Fall und dem damit verbundenen Auftauchen eines inhaftierten Psychopathen wird die Story um einiges interessanter. Zwar gibt es nun etwas weniger Action, doch dafür sind die psychologischen Spielchen zwischen Albrecht und seinem neuen Gegenspieler überaus faszinierend. Diese Rededuelle sind enorm reizvoll, denn jeder Satz muss genau überlegt sein, um dem anderen keine Schwäche zu zeigen und die Überhand gewinnen zu können – das erinnert in seinen stärksten Momenten fast schon an Hannibal Lecters Psychoduell mit der FBI-Agentin Clarice Starling. Stephan M. Rother hat in der Schlussphase zudem noch einige überraschende Wendungen auf Lager und überzeugt mit einer Auflösung, die es wirklich in sich hat.

Die Sprecher:
Da die Geschichte sehr konsequent aus den beiden verschiedenen Ermittlerperspektiven geschildert wird, hat man sich bei der Produktion des Hörbuches auch dazu entschieden, auf zwei Sprecher zurückzugreifen. Die Auswahl kann sich dabei mehr als sehen lassen, denn den Part des Jörg Albrecht übernimmt der großartige Simon Jäger (deutsche Synchronstimme von Matt Damon oder Heath Ledger) und für die weibliche Rolle zeichnet sich Deutschlands vielleicht beste Sprecherin Tanja Geke verantwortlich.

Tanja Geke & Simon Jäger – ein Sprecher-Duo der Spitzenklasse

Diese Aufteilung ist für ein Hörbuch durchaus ungewöhnlich, und so hat es auch bei mir eine Weile gedauert, bis ich mich an die ständigen Sprecherwechsel gewöhnt hatte, zumal die Rollen gerade zu Beginn der Geschichte sehr häufig wechseln. Anfangs erschien mir Jägers Stimme für die Rolle des Jörg Albrecht auch nicht immer optimal, wobei sich dieser sichtlich Mühe gibt, die gebrochene Persönlichkeit des Ermittlers glaubhaft rüberzubringen. Jäger liest meist weniger kraftvoll als man es von ihm gewohnt ist und klingt immer ein wenig müde und erschöpft, was aber gut zum Zustand des Polizisten passt. An seiner Leistung gibt es daher ebenso wenig auszusetzen wie an der Lesung Tanja Gekes, welche als Hannah Friedrichs ein weiteres Mal brilliert. Da sitzt jeder Satz wie er sollte und es macht einfach Spaß, dem sehr guten Sprecherduo zuzuhören.

Schlussfazit:
„Ich bin der Herr deiner Angst“ ist leider nicht ganz der Spitzenklasse-Thriller geworden, denn man sich nach der gelungenen Marketingkampagne erhoffen durfte. Das liegt vor allem an der etwas dürftigen ersten Hälfte, die es nicht schafft, den Hörer wirklich mitzureißen. Die Grundzutaten stimmen zwar, doch ein paar blutrünstige Morde alleine machen eben noch keine gute Geschichte aus. Auch die beiden Ermittlerfiguren machen das Mitfiebern zu Beginn nicht immer leicht, da sowohl Jörg Albrecht als auch Hannah Friedrich ein wenig unterkühlt rüberkommen.

Nicht der erhoffte Top-Titel, doch trotz der Schwächen ein gelungener Thriller

In der zweiten Hälfte steigert sich das Buch aber immer mehr und überzeugt besonders durch das spannende Psychoduell zwischen Jörg Albrecht und seinem psychopathischen Widersacher. Gegen Ende hin konnte ich die Kopfhörer kaum noch aus dem Ohr nehmen, da man unbedingt wissen will wer hinter den Verbrechen steckt. Hier fährt der Autor zudem noch ein paar gelungene Wendungen auf und schafft mit dem überraschenden Ende auch noch einen zufriedenstellenden Abschluss. Aufgrund des lahmen Beginns reicht es aber insgesamt „nur“ zu einer guten Wertung, doch alleine dank der beiden famosen Sprecher Simon Jäger und Tanja Geke ist das Hörbuch schon eine Empfehlung wert. Man sollte kein Thriller-Meisterwerk erwarten, doch für ein paar spannende Stunden eignet sich „Ich bin der Herr deiner Angst“ allemal.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Das Hörbuch „Ich bin der Herr deiner Angst“ von Stephan M. Rother hat eine Spieldauer von 18 Stunden und 11 Minuten und ist ungekürzt für 29,95 Euro bei audible.de erhältlich. Kunden mit Flexi-Abo bezahlen wie immer nur 9,95 Euro. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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