Autor: Suzanne Collins
Umfang: 414 Seiten
Verlag: Oetinger
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2009

Klappentext:
Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung. Alljährlich finden grausame Spiele statt, bei denen nur ein Einziger überleben darf. Als die sechzehnjährige Katniss erfährt, dass ihre kleine Schwester ausgelost wurde, meldet sie sich an ihrer Stelle und nimmt Seite an Seite mit dem gleichaltrigen Peeta den Kampf auf. Wider alle Regeln rettet er ihr das Leben. Katniss beginnt zu zweifeln – was empfindet sie für Peeta? Und kann wirklich nur einer von ihnen überleben?

Meine Buchbesprechung:
„Die Tribute von Panem“ – man muss sich schon sehr anstrengen, um momentan nichts von dem Hype um Suzanne Collins‘ unglaublich erfolgreiche Jugendbuch-Trilogie mitzubekommen. Die Bücher stehen seit Monaten auf den diversen Bestsellerlisten und im TV und Radio laufen regelmäßig die Trailer zur kürzlich gestarteten Verfilmung der Romanvorlage mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle. „Panem“ ist scheinbar überall, wird längst als Nachfolger von „Harry Potter“ und der „Twilight“-Saga gefeiert und den Darstellern des Kinofilms wird eine ähnliche Popularität wie Daniel Radcliffe, Kristen Stewart oder Robert Pattinson prognostiziert.

Schmalziges Teenie-Buch oder packender All-Age-Roman?

Natürlich ist die Aufregung um das Franchise auch an mir nicht vorbeigegangen und spätestens seit die ersten kleinen Teaser des Kinofilms durchs Internet gingen war auch bei mir die Neugier entfacht. Allerdings bin ich den Büchern zunächst mehr als skeptisch gegenüber getreten. Zwar bin ich seit den Anfängen ein großer Fan der „Harry Potter“-Reihe, doch mit den schwülstigen Vampirgeschichten von US-Autorin Stephenie Meyer kann ich überhaupt gar nichts anfangen. Da dann auch in der Buchbeschreibung zum ersten „Panem“-Band „Tödliche Spiele“ dann auch gleich wieder eine Teenager-Liebesgeschichte angedeutet wurde, war mein erster Gedanke: Nee, das muss ich nicht wirklich lesen. Durch die unzähligen überschwänglichen Rezensionen behielt ich den Titel aber dann doch immer im Hinterkopf und als ich dann mal herumgefragt habe, ob man auch als männlicher Nicht-Teenie Spaß an der Geschichte haben kann – was überall sehr energisch bejaht wurde –, konnte ich dann doch nicht länger widerstehen und „Tödliche Spiele“ landete auf meinem Lesetisch.

Für alle, die noch gar nichts von „Die Tribute von Panem“ mitbekommen haben, gibt es hier einen kleinen Anriss des Inhaltes – alle anderen dürfen die nächsten beiden Absätze gerne überspringen…

Medienwirksames Abschlachten als Mahnung der Überlegenheit einer unerbittlichen Regierung

Die Geschichte spielt in der Zukunft – wann genau, wird nicht näher definiert – und zwar dort, wo früher einmal Nordamerika war. Dieser Teilkontinent wurde durch Naturkatastrophen und Kriege weitestgehend zerstört und aus den Trümmern entstand das Land Panem, bestehend aus dem reichen und regierenden Kapitol und zwölf umgebenden Distrikten, abgestuft nach dem gesellschaftlichen Wohlstand der jeweiligen Bewohner. Seitdem ein Aufstand der verarmten Bevölkerung von der Regierung brutal niedergeschlagen wurde, veranstaltet das Kapitol zur Verdeutlichung seiner Macht jährlich die sogenannten Hungerspiele, die den Bewohner Panems als Mahnung zum Gehorsam dienen sollen. Aus jedem der zwölf Distrikte werden dann jeweils ein Mädchen und ein Junge zwischen 12 und 18 Jahren (die namensgebenden „Tribute“) ausgelost, die sich anschließend im Rahmen einer gigantischen Fernsehsendung in einer riesigen Arena gegenseitig ausschalten müssen. Die Hungerspiele enden erst dann, wenn nur noch ein Tribut am Leben ist.

Heldin der Geschichte ist die 16-jährige Katniss Everdeen, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrer kleinen Schwester Prim im ärmsten Distrikt 12 lebt und jeden Tag ums Überleben kämpfen muss. Als im Vorfeld der 74. Hungerspiele Prims Name aus dem Lostopf gezogen wird, springt Katniss ohne zu zögern für sie ein und meldet sich freiwillig als Tribut. Zusammen mit dem männlichen Auserwählten Peeta Mellark wird sie anschließend ins Kapitol gebracht, wo beide von ihren persönlichen Betreuern auf die Spiele vorbereitet werden. Auf dem Plan stehen Trainingsstunden, Sponsorensuche und Fernsehinterviews, während das grausame Spiel auf Leben und Tod unaufhaltsam näher rückt…

Erschütterndes Szenario mit Kindern in der Opferrolle

Ich habe in meinem Leben bereits unzählige Krimis und Thriller gelesen, von denen einige auch durchaus an der Grenze des Erträglichen waren – Stichwort Jack Ketchum oder Richard Laymon – doch selten hat mich ein Szenario so sehr erschüttert und verstört wie in „Die Tribute von Panem“. Die Ausgangsidee, dass jedes Jahr zufällig bestimmte Kinder gegeneinander in einen Kampf geschickt werden, in dem es allein darum geht, seine Gegner grausam abzuschlachten, ist in meinen Augen schon ziemlich harter Tobak und schlichtweg unvorstellbar. Dass das ganze dann noch in einem perversen Medienspektakel im ganzen Land gezeigt wird und die Bevölkerung als Mahnung gezwungen wird, sich das brutale Treiben anzuschauen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf – dazu muss man sich dann auch noch vor Augen halten, dass man es hier mit einem Jugendbuch zu tun hat, bei dem die primäre Zielgruppe genauso alt ist wie die Protagonisten der Story.

Selbstbewusste Heldin, undurchsichtige Mitstreiter und eine skrupellose Übermacht

Typisch für einen Jugendroman sind dann immerhin die weiteren Grundzutaten der Geschichte: eine jugendliche, selbstbewusste und sympathische Heldin in Person von Katniss Everdeen, die aufgrund des frühen Todes ihres Vaters und der anschließenden Depression ihrer Mutter schon in jungen Jahren die Rolle des Ernährers übernehmen musste. Dazu kommen dann gleich zwei männliche Figuren, die für Katniss von großer Bedeutung sind: zum einen ihr bester Freund und Jagdbegleiter Gale, mit dem sie ein ähnliches Familienschicksal verbindet, und im späteren Verlauf ihr Mitstreiter Peeta Mellark, dessen Rolle über lange Zeit im Ungewissen bleibt. Kann Katniss ihm während der Hungerspiele vertrauen und als Verbündeten betrachten, oder treibt er ein falsches Spiel mit ihr, um sie zunächst in Sicherheit zu wiegen und im entscheidenden Moment brutal zu überraschen? Natürlich kommt auch „Die Tribute von Panem“ nicht um die obligatorische Liebesgeschichte herum, die zu meiner Erleichterung jedoch alles andere als kitschig und klischeehaft ausfällt. Zu guter Letzt darf selbstverständlich auch der böse Gegenspieler nicht fehlen, hier in Form des gnadenlosen Kapitols, welches die zwölf Distrikte unterjocht und seine scheinbar unbegrenzte Macht bei jeder Gelegenheit zur Schau stellt.

Spannende Geschichte mit den Hungerspielen als Höhepunkt

Neben interessanten Charakteren hat Suzanne Collins‘ Roman aber auch eine äußerst packende Geschichte zu bieten, die zu wirklich keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise Langeweile aufkommen lässt. Von der dramatischen Auslosung der Tribute über die Vorbereitungen für das große Spektakel bis hin zu den Hungerspielen selbst ist die Story spannend, abwechslungsreich und vielschichtig. Das Highlight ist natürlich der unerbittliche Kampf in der großen Freilichtarena, einem mehrere Quadratkilometer großen und vom Kapitol präparierten Gelände mit den verschiedensten Landschaftsformen. Spätestens als der Startschuss zu den Hungerspielen fällt wird dann auch dem letzten klar, dass es hier tatsächlich darum geht, seine Mitstreiter zu töten. Für ein Jugendbuch ist dieses Ausmaß an Brutalität sicherlich überraschend, liegt allerdings meiner Meinung noch im vertretbaren Rahmen. Einen großen Gewinn zieht das Buch zudem aus der gewählten Perspektive der Ich-Erzählerin. So kann man sich optimal in Katniss Everdeen hineinversetzen und nachvollziehen, wie sehr die 16-jährige in der Arena auf sich alleine gestellt ist. Über das Geschehen außerhalb des Kriegsschauplatzes bleiben Hauptfigur und Leser überwiegend im Ungewissen und werden nur durch gelegentlich Ansagen oder Einblendungen der „Spielleiter“ informiert.

Schlussfazit:
Mit „Tödliche Spiele“, dem ersten Teil der Panem-Trilogie, ist Suzanne Collins ein brilliantes Buch geglückt, dass mich von der ersten Seite gepackt und mich bis zum mit höchster Spannung erwarteten Ende auch nicht wieder losgelassen hat. Wie eingangs erwähnt hatte ich große Zweifel, ob mir „Die Tribute von Panem“ gefallen würde, doch 414 Seiten später kann ich dazu nur sagen, dass ich wirklich restlos begeistert bin. Der Roman besticht durch ein schockierendes aber ungemein stimmiges Setting, interessante und vielschichtige Charaktere und eine jederzeit fesselnde und abwechslungsreiche Handlung.

Unbedingt lesen!

Meine Bedenken, das Buch könnte für meinen Geschmack zu kindlich oder eher auf junge Mädchen ausgerichtet sein, konnte ich zu den Akten legen, denn „Tödliche Spiele“ ist ein klassischer Fall von „All-Ager“. Das jüngere Publikum kann sich mit den gleichaltrigen Hauptfiguren identifizieren und mit ihnen mitfiebern und die Älteren werden sich über das düstere Setting und die jederzeit durchschimmernde Medien- und Gesellschaftskritik freuen, denn die Hungerspiele sind nichts anderes als „Big Brother“ in seiner extremsten Form. Jeder Schritt wird überwacht, es wird manipuliert was das Zeug hält und alles unternommen, damit das grausame Spektakel für die TV-Zuschauer möglichst unterhaltsam wird. Passiert in der Kampfarena zu wenig und die Tribute verhalten sich nicht aktiv genug, wird dann auch schnell mal ein Waldbrand inszeniert, der die Krieger wieder aufeinander zutreibt. „Tödliche Spiele“ ist ein geniales Buch, nach dessen Lektüre ich es nun kaum erwarten kann, mir auch den zugehörigen Kinofilm anzuschauen. Schlussfazit: Unbedingt lesen!

Meine Wertung: 10/10

Informationen:
„Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ von Suzanne Collins ist im Oetinger Verlag erschienen und hat einen Umfang von 414 Seiten. Das Buch ist für 17,90 € als gebundenes Buch oder für 12,95 € als broschierte Filmausgabe erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.

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