Mit seiner Reihe um das „Sonderdezernat Q“ und den mürrisch-charismatischen Ermittler Carl Mørck zählt der dänische Schriftsteller Jussi Adler-Olsen mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt zu den ganz großen Namen im Krimi-Genre und die inzwischen acht Bände umfassende Serie stürmt mit schöner Regelmäßigkeit die Bestsellerlisten – und das in mehr als 40 Sprachen. Dabei hat es der Autor mit seinen Geschichten inzwischen sogar auf die Leinwand geschafft, denn vier der Bücher wurden bereits verfilmt. Rund zehn Jahre nach Erscheinen von „Erbarmen“, dem ersten Fall für Carl Mørck und seine Kollegen, hat sich Der Audio Verlag erneut des Stoffes angenommen und die Geschichte als aufwändig produziertes und vor allem ungekürztes Hörspiel umgesetzt.

Carl Mørcks erster Fall in neuem akustischen Gewand

Für alle, die bisher noch nicht in Kontakt mit Adler-Olsens Büchern gekommen sind, hier an dieser Stelle nochmal eine kleine inhaltliche Aufklärung: nach einem fehlgeschlagenen Polizeieinsatz liegt die Karriere von Carl Mørck, Vizekriminalkommissar bei der Mordkommission Kopenhagen, in Trümmern. Ein Kollege verlor bei der Schießerei sein Leben, der andere liegt fast vollständig gelähmt im Krankenhaus und wird für den Rest seiner Tage ein Pflegefall bleiben. Mørck hat den Einsatz zwar vergleichsweise glimpflich und nur mit leichteren Verletzungen überstanden, hadert aber sehr mit den Ereignissen und vor allem den schlimmen Schicksalen seiner Kollegen. Dieses Trauma wirkt sich auch negativ auf seine Arbeit aus und er wird für seine Abteilung zunehmend untragbar. Als die Politik der Polizei aber ein großzügiges Budget für das Aufstellen einer neuen Sondereinheit zur Verfügung stellt, sieht Mørcks Chef die Chance gekommen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: er nutzt das Geld, um seine Abteilung auf Vordermann zu bringen und mit weiteren Ressourcen auszustatten und macht Carl zum Leiter des neuen „Sonderdezernat Q“. Was sich nach einer Beförderung mit verantwortungsvollen Aufgaben anhört entpuppt sich in der Realität jedoch als eine Verbannung in den Keller, wo Mørck inmitten von alten und verstaubten Akten bislang ungelöste Fälle neu aufrollen soll – möglichst ohne dabei seinen bisherigen Kollegen und Vorgesetzten allzu oft über den Weg zu laufen…

Was passierte mit der Politikerin Merete Lynggaard?

„Erbarmen“ erzählt den ersten Fall des Sonderdezernat Q, in deren Mittelpunkt die junge und aufstrebende Politikerin Merete Lynggaard steht. Diese ist fünf Jahre zuvor während einer Fährüberfahrt nach Deutschland plötzlich spurlos verschwunden und ihr Schicksal konnte bisher trotz intensiver Bemühungen nicht geklärt werden. Zwar hatten Zeugen auf dem Schiff von einem Streit mit ihrem Bruder berichtet, da dieser jedoch schwerbehindert und zu keiner Aussage imstande ist, bleibt Meretes Verschwinden weiter ungelöst – bis sich Carl Mørck diesen Fall aus den alten Akten herauspickt und nochmal einer genaueren Untersuchung unterzieht. Dabei wird ihm mit dem Syrer Hafez el-Assad eine ungelernte Hilfskraft zur Verfügung gestellt, die sich aber schon bald als überraschende Verstärkung für die Ermittlungen entpuppt…

Ein prominent besetztes Hörspiel

In dieser Hörspielfassung werden Carl Mørck und Assad prominent verkörpert: Schauspieler Justus von Dohnányi mimt den schroffen und wenig ehrgeizigen Vizekommissar, sein Berufskollege Dennis Moschitto den umso aktiveren und aufgeweckten Assistenten. Beide Akteure passen sehr gut zu ihren Rollen und verkörpern das ungewöhnliche Ermittlerduo glaubwürdig und zudem äußerst launig – was auch daran liegt, dass Jussi Adler-Olsen seine Figuren (einschließlich Nebencharakteren wie z.B. Carls überdrehter Ex-Frau) nahe an der Überzeichnung angelegt hat und sich dadurch viele skurrile Szenen und Dialoge ergeben. Das ist sicherlich Geschmacksache und wirkt in der Romanvorlage manchmal etwas befremdlich, im Zusammenspiel der beiden Hauptsprecher lockert dies den tragischen Fall aber immer wieder angenehm auf.

Eine Komikerin als heimlicher Star der Geschichte

Auch die Nebenrollen sind professionell besetzt, z.B. mit Matthias Koeberlin als Mørcks Vorgesetzter oder Michael Che Koch als Carls gelähmter Polizeikollege und Freund Hardy. Zudem führt Erich Räuker als Erzähler souverän durch die Geschichte und unterstützt die gespielten Momente durch meist eher kurze, erläuternde Beschreibungen, wenn die Dialoge alleine nicht ausreichen. Die absolute Entdeckung dieses Hörspiels ist jedoch Carolin Kebekus – ja, richtig gelesen: die durchaus lautstarke Comedian, die in ihren oft derben Programmen (u.a. „Pussy Terror“) kein Blatt vor den Mund nimmt. In ihrer Rolle als Entführungsopfer Merete Lynggaard ist Kebekus aber nicht wiederzuerkennen und legt eine beeindruckende Vorstellung hin, bei der man die ganze Verzweiflung, Frustration, Angst und auch Wut der Figur hautnah spüren kann – ganz großes (Ohren-)Kino.

Mitreißende Soundeffekte, packende Atmosphäre

Das gilt generell für die gesamte Produktion, denn neben den Sprechern ist auch die Geräuschkulisse und musikalische Untermalung auf einem ganz hohen Niveau. Auch hier stechen die Szenen mit Carolin Kebekus als Merete Lynggaard besonders hervor, wo die akustischen Effekte für eine verstörende und sehr beklemmende Atmosphäre sorgen und das Martyrium des Opfers äußerst intensiv veranschaulichen. Das ist einfach richtig gut und lässt jederzeit starke Bilder im Kopf entstehen.

Gelungene Hörspielumsetzung für Fans und Neulinge

Insgesamt ist „Erbarmen“ also eine grandiose Umsetzung der gleichnamigen Romanvorlage und wertet das zwar sehr gute, aber auch nicht unbedingte überragende Buch noch einmal deutlich auf. Somit lohnt sich die Produktion sowohl für Neueinsteiger in das Adler-Olsen-Universum als auch für diejenigen, die die Reihe und ihre Anfänge nochmal neu erleben oder das Gelesene vor der nächsten Lektüre etwas auffrischen möchten. Ein mitreißendes Hörspiel, das große Lust auf die weiteren Fälle des ungewöhnlichen Ermittlerduos macht!

Erbarmen (Sonderdezernat Q #1)
  • Autor:
  • Sprecher: Justus von Dohnányi, Denis Moschitto, Carolin Kebekus, Erich Räuker u.a.
  • Original Titel: Kvinden i buret
  • Reihe: Sonderdezernat Q #1
  • Länge: 11 Std. 35 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • Erscheinungsdatum: 31. August 2018
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Überzeugende Sprecher, mitreißende Soundeffekte, packende Atmosphäre – Jussi Adler-Olsens erster Carl-Merck-Thriller macht als Hörspielproduktion einen sehr guten Eindruck und liefert exzellentes und spannendes Kopfkino.

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