Ein Mann namens Ove_Rezi

Mit nur 59 Jahren hat Ove jeglichen Lebensmut verloren: Seit dem Tod seiner Frau Sonja ist er ohne Vertrauensperson, das Unternehmen, für das er jahrzehntelang zuverlässig schuftete, hat ihn in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet und selbst die morgendlichen Patrouillengänge, bei denen Ove mit gnadenloser Prinzipientreue Ordnungswidrigkeiten in seiner Nachbarschaft ahndet, können ihm keine Lebenslust mehr verschaffen. Deshalb hat Ove beschlossen, das tägliche Elend nicht mehr unnötig in die Länge zu ziehen und seinem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen. Und auch dieses Unterfangen geht Ove mit der für ihn typischen Gründlichkeit an: vom gekündigten Zeitschriften-Abo bis zum detaillierten Testament sind alle Formalitäten geregelt, der Haken für den Strick sorgfältig ausgesucht und an der Wohnzimmerdecke angebracht und somit alles angerichtet für Oves Schritt aus dem Leben – wenn da nicht seine neuen Nachbarn wären, die ihm im letzten Moment einen Strich durch die Rechnung machen…

Die Geschichte eines knurrigen Spießers, der seinem Leben ein Ende setzen will

Jeder kennt wohl das Klischee vom verbitterten Rentner, der den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat, als am Fenster zu hängen und seine Nachbarn zu beobachten, Falschparker aufzuschreiben und jeden noch so kleinen Regelverstoß der Mitmenschen beim Ordnungsamt oder der Polizei anzuzeigen – und genau solch ein personifiziertes Klischee ist der 59-jährige Ove, Vorzeige-Spießer und Hauptfigur in Fredrik Backmans internationalem Bestsellerroman „Ein Mann namens Ove“. Der unfreiwillige Frührentner bringt dabei alle Voraussetzungen mit, um es sich nicht nur mit seinem Umfeld zu verscherzen, sondern auch bei der Leserschaft kräftig anzuecken: Jeden Morgen macht Ove einen Kontrollgang durchs Haus und durch die Siedlung und hält alles fest, was ihn nicht in den Kram passt und gegen irgendwelche Vorschriften verstößt – sei es der Nachbar, der sein Fahrrad falsch im Keller abgestellt hat, der Autofahrer, der zu schnell durch seine Straße fährt oder die nervige Tussi, die ihren Hund ständig auf den Bürgersteig pinkeln lässt und damit die Pflastersteine verätzt. Ove scheint so sehr in seinem Spießertum aufzugehen, dass es fast ein wenig überraschend kommt, dass der grantige alte Mann seinem Leben ein Ende setzen will, doch nach dem Tod seiner Frau kann ihn offenbar nicht einmal mehr das Anschwärzen seiner Mitmenschen im Leben halten.

Harte Schale, weicher Kern

Man sollte meinen, dass ein solche Griesgram wie Ove nicht gerade dafür prädestiniert wäre, viele Leserherzen für sich zu gewinnen, doch als Leser hat man gegenüber Oves Umfeld einen ganz entscheidenden Vorteil: man wird nie selbst zur Zielscheibe von Oves penetranten Belehrungen und miesepetrigen Anfeindungen, sondern kann sich entspannt zurücklehnen und sich köstlich darüber amüsieren, wie der Frührentner beim iPad-Kauf einen Verkäufer in den Wahnsinn treibt, mit seiner Streitsucht die Mordlust der oben erwähnten Hundebesitzerin weckt oder den bemitleidenswerten Mann seiner neuen Nachbarn – von Ove „liebevoll“ nur „der Idiot“ genannt – bei jeder Gelegenheit vorführt. Trotzdem schafft es Fredrik Backman, dass man seinen Protagonisten nicht als verbittertes Ekelpaket wahrnimmt, sondern als lediglich prinzipientreuen und sehr moralischen Mann, dessen vermeintliche Garstigkeit zu großen Teilen auf ein sehr bewegtes Leben mit wenigen Höhepunkten, aber vielen Enttäuschungen zurückgeht. Einige dieser Erlebnisse schildert Backman in kurzen Rückblicken in Oves Vergangenheit, die eben nicht nur eine Erklärung für sein Verhalten liefern, sondern ihn einem auch als Menschen näher bringen und man merkt recht früh, dass Ove nicht bösartig, sondern einfach nur ein Vertreter der Kategorie „Harte Schale, weicher Kern“ ist.

Eine amüsante und warmherzige Tragikomödie mit einem sympathischem Griesgram

Trotz des mürrischen Hauptdarstellers und der vermeintlich tragischen Geschichte um einen einsamen Mann, der sich das Leben nehmen möchte, ist „Ein Mann namens Ove“ somit insgesamt eine überwiegend sehr amüsante Angelegenheit, bei welcher der Autor eine gute Mischung aus Heiterkeit und Tragik findet. Hier darf ohne schlechtes Gewissen darüber gelacht werden, wenn ein Mann am Bahnsteig plötzlich ohnmächtig auf die Gleise kippt und Ove dadurch den eigenen Selbstmordversuch vermiest, auch wenn die hier vorkommende Häufung solcher Ereignisse natürlich schon recht realitätsfern ist. Zudem ist die Geschichte über weite Strecken ein wenig vorhersehbar, was Backman aber mit einem sehr gelungenen und durchaus doch noch überraschenden Ende zum Teil wieder wettmacht. Mein größter Kritikpunkt an dem Roman ist vielmehr der, dass Ove für sein tatsächliches Alter einfach zu alt dargestellt wird, da dieser oft eher wie ein verbitterter alter Mann in den Siebzigern wirkt – dabei ist er tatsächlich gerade mal 59. Dazu passt auch ein wenig die Vorstellung von Hörbuchsprecher Heikko Deutschmann, der mit seiner knurrigen Lesung zwar einerseits sehr gut zum Protagonisten passt, aber ebenfalls rund 10 Jahre zu jung klingt. Doch auch mit diesen kleinen Unstimmigkeiten ist „Ein Mann namens Ove“ insgesamt ein tolles (Hör-)Buch mit einer amüsanten, zugleich aber auch bewegenden Geschichte und einer Hauptfigur, die sich trotz aller Macken und rauen Sprüche in die Herzen der Leser und Hörer spießern dürfte. Im nächsten Jahr kommt übrigens sogar eine Verfilmung des Romans mit Wallander-Darsteller Ralf Låssgard in der Hauptrolle in die Kinos.

Faktenbox
  • Autor:
  • Sprecher: Heikko Deutschmann
  • Original Titel: En man som heter Ove
  • Länge: 10 Std. 36 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Argon Verlag
  • Erscheinungsdatum: 21. August 2014
  • Preis 20,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Der Schwede Fredrik Backman schafft es in seiner Tragikomödie „Ein Mann namens Ove“, einen mürrischen und querulanten alten Spießer zum ungewöhnlichen Sympathieträger werden zu lassen und berührt mit einer humorvollen, zugleich aber auch oft etwas melancholischen Geschichte.

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