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Wenn man sich auf dem Hörspielsektor ein wenig umschaut, dann zählen die Geschichten um Sir Arthur Conan Doyles begnadeten Meisterdetektiv Sherlock Holmes nach wie vor zu den absoluten Dauerbrennern und erfreuen sich in den diversen Ausführungen immer noch großer Beliebtheit. Auch Der Audio Verlag setzt mit seiner neuen Hörspielserie „Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street“ auf die Erfolgsmarke Sherlock Holmes, verpasst den Abenteuern des wohl berühmtesten Ermittlers der Literaturgeschichte aber eine kleine Frischzellenkur: Ähnlich wie in der sehr erfolgreichen BBC-Serie „Sherlock“ spielen die Geschichten im London der Gegenwart und die beiden Protagonisten Sherlock Holmes und Dr. John Watson sind keine älteren Herren, sondern stehen mit rund 30 Jahren in der Blüte ihres Lebens. Und während Holmes nach seinen jüngsten Erfolgen ein wahrer Medienstar ist und seine Popularität mit launigen Radio-Interviews weiter steigert, hält Watson wie gewohnt die gemeinsamen Fälle für die Öffentlichkeit fest – zeitgemäß in Form von Blogeinträgen, die Fans, Familienangehörigen und Kritikern Gelegenheit zur Interaktion mit dem Ermittler-Genie und seinem treuen Begleiter bieten.

Folge 1: Das Rätsel von Musgrave Abbey

Nach der spektakulären Aufklärung der schrecklichen Boscombe-Mordserie ist der beratende Detektiv Sherlock Holmes zu einem wahren Medienstar avanciert und kann sich vor Presseanfragen kaum retten. Da ist es fast logisch, dass ihm selbst gut situierte Klienten mit Aufträgen die Tür einrennen, so auch die berühmte Bestsellerautorin Rebecca Westwood, die sich völlig verzweifelt an den Detektiv wendet: Gerade erst hat sie den letzten und mit Spannung erwarteten Band ihrer gefeierten Romanreihe fertiggestellt, da dringen zwei Fremde in ihr Anwesen ein und entführen nicht nur den Assistenten der Autorin, sondern entwenden auch das Manuskript des Buches – für die Schriftstellerin und ihren Verlag eine Katastrophe. Holmes und Watson sollen nun in absoluter Diskretion Assistent und Romanentwurf ausfindig machen, bevor das Buch ungewollt an die Öffentlichkeit gerät. Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zu der fast zeitgleichen Entführung eines Jungen aus einem renommierten Londoner Internat?

Ein Literatur-Krimi als erste Herausforderung für Sherlock & Watson

Der erste Fall der neuen Hörspielreihe, „Das Rätsel von Musgrave Abbey“, basiert lose auf dem Doyle-Original „Das Musgrave-Ritual“, hat mit dem alten Klassiker bis auf ein paar Namen insgesamt aber eher wenig gemein. Aufgeteilt ist die Geschichte in zwei Handlungsstränge: Zum einen helfen Holmes und Watson einer berühmten Bestsellerautorin bei der Wiederbeschaffung des gestohlenen Manuskripts ihres neuen Romans (und ihrem ebenfalls entführten Assistenten), zum anderen müssen die beiden aber auch das Verschwinden eines jungen Internatsschülers aufklären, der offenbar gewaltsam aus seinem Zimmer in einem namhaften Londoner College verschleppt wurde. Beide Fälle gestalten sich dabei durchaus knifflig und erfordern aufgrund des hohen Skandal-Potenzials höchste Diskretion, allerdings wirken manche Zusammenhänge häufig etwas zufällig und sind manchmal etwas aus der Luft gegriffen. Vor allem die Verbindung zwischen den beiden Geschichten erscheint doch sehr beliebig, was der Spannung aber keinen großen Abbruch tut, zumal die Handlung flott und abwechslungsreich erzählt wird.

Abklatsch der BBC-Serie oder Neuauflage mit Daseinsberechtigung?

Auch die Modernisierung des Klassikers ist insgesamt gelungen, wobei sich die Serie aufgrund des ähnlichen Szenarios natürlich fast zwangsläufig einem Vergleich zur BBC-Serie stellen muss – und dabei wenig überraschend den Kürzeren zieht. Zwar wurde der Mythos „Sherlock Holmes“ gut in die heutige Zeit transportiert und auch einige kleine witzige Einfälle wie die unterhaltsamen Chats im Kommentarbereich von Watsons Blogeinträgen lockern die Geschichte gelungen auf, es fehlt der ersten Folge aber noch ein wenig an einem Alleinstellungsmerkmal. Der „Deduktionsrausch“, in welchem Holmes innerhalb weniger Sekunden viele kleine Hinweise wahrnimmt und kombiniert, ist zwar von der Idee her gut, wird aber eher bei Belanglosigkeiten wie der öffentlichen Vorführung einer Radiomoderatorin statt bei der tatsächlichen Fallarbeit eingesetzt – hier ist also sicherlich noch ein bisschen Luft nach oben.

Tolle Produktion, jedoch mit etwas gewöhnungsbedürftigen Hauptdarstellern

Bei der Produktion von „Das Rätsel von Musgrave Abbey“ hat Der Audio Verlag durchweg gute Arbeit geleistet und überzeugt nicht nur mit einer hochkarätigen Sprecherauswahl, sondern bietet auch eine jederzeit stimmige Geräuschuntermalung und atmosphärische Musikstücke, wobei vor allem die grandiose Titelmelodie herausgehoben werden muss. Bei den Sprechern darf man sich über zahlreiche prominente Stimmen wie die der Schauspieler Johann von Bülow und Florian Lukas in den Hauptrollen sowie Routiniers wie Stefan Kaminski, Kai Magnus Sting, Hansi Jochmann, Udo Schenk oder Britta Steffenhagen in den zahlreichen Nebenrollen freuen. Dabei wirken selbst kleinste Sprechrollen jederzeit absolut professionell besetzt, allerdings muss man sich an die vergleichsweise jungen Stimmen von Sherlock Holmes und John Watson wohl erst einmal ein wenig gewöhnen, zumal gerade die Stimme von Johann von Bülow für mich persönlich in dieser ersten Folge noch nicht den ganz großen Wiedererkennungswert hat. Insgesamt ist „Das Rätsel von Musgrave Abbey“ jedoch ein wirklich gelungener Auftakt dieser neuen Hörspielreihe und macht Lust auf weitere „Sherlock & Watson“-Abenteuer – zum Glück erscheint zeitgleich mit Folge 1 auch schon die zweite Episode…

Folge2Folge 2: Ein Fluch in Rosarot

Seit Tagen verhält sich Sherlock Holmes merkwürdig, verschanzt sich ohne Nahrung in seinem Zimmer und will nicht mal seinem treuen Partner Dr. Watson mitteilen, welcher Fall ihn gerade derartig vereinnahmt. Für John gibt es also folglich keinen neuen Stoff für spannende Blogartikel, weshalb er auf Wunsch seiner Leser die Geschichte zum besten gibt, wie er und Sherlock sich überhaupt kennengelernt und an ihrem ersten gemeinsamen Fall gearbeitet haben – denn dieser hatte es ebenfalls in sich: Während John schwer traumatisiert von seinen dramatischen Kriegserlebnissen in Afghanistan einen Neustart in London anstrebt, führt ihn der Zufall in die Baker Street 221B, wo eben jener Sherlock Holmes einen Mitbewohner sucht, der es mit seinen schwierigen Charakter aushält. Dabei stolpert Watson gleich in die Ermittlungen des beratenden Detektivs, der von Scotland Yard in einer Serie rätselhafter Todesfälle um Mithilfe gebeten wurde: fünf angesehene Londoner Bürger wurden innerhalb weniger Wochen tot aufgefunden, wobei bisher alle Anzeichen auf Selbstmorde hindeuteten. Am Fundort der fünften Leiche hat das Opfer jedoch kurz vor seinem Tod eine Nachricht in den Holzboden geritzt, die plötzlich ein ganz neues Licht auf die vermeintliche Suizidserie wirft: „Rache“…

Wie alles begann…

Wer sich ein wenig mit den Werken von Sir Arthur Conan Doyle auskennt, kann bereits am Namen der Episode erahnen, dass sich die Geschichte diesmal den Anfängen der Partnerschaft der beiden Titelhelden Sherlock Holmes und Dr. John Watson widmet. Die Handlung basiert nämlich auf dem Roman „Eine Studie in Scharlachrot“, dem ersten gemeinsamen Fall der beiden Ermittler. Entsprechend dem Konzept der Hörspielreihe wurde auch dieser Klassiker in die Gegenwart transportiert, sodass sich auch beim zweiten Fall schnell ein Vergleich zur erfolgreichen BBC-Serie aufdrängt – zumal die Geschichte um eine rätselhafte Selbstmordserie in der englischen Hauptstadt von der Ausgangssituation her zunächst sehr nah an der TV-Episode „Ein Fall von Pink“ ist. Die Gemeinsamkeiten enden jedoch am Fundort der Leiche eines angesehenen Rabbis, denn ab da gehen die „Sherlock & Watson“-Autoren ihren eigenen Weg, und lassen die beiden Titelhelden in einem weiteren spannenden Fall ermitteln, der im Vergleich zur Auftaktepisode „Das Rätsel von Musgrave Abbey“ meiner Meinung nach aber deutlich schlüssiger konstruiert ist und weniger vom Zufall abhängt, sondern stärker auf die begnadeten Fähigkeiten des Meisterdetektivs setzt.

Schlüssiger und mit mehr Tiefgang als die Auftaktfolge

Zudem fällt auf, dass diese zweite Folge einen etwas ernsteren Ton anschlägt, was nicht nur an der Story selbst, sondern vor allem an der Musikuntermalung liegt, die diesmal recht melancholisch ausfällt, damit aber gut zum Inhalt passt und vielen Szenen so eine sehr stimmige Atmosphäre verleiht. Auch die Sprecher knüpfen an ihre guten Leistungen an und hinterlassen auch bei ihrem zweiten Auftritt einen sehr professionellen Eindruck, wobei besonders Johann von Bülow als Sherlock Holmes spürbar an Profil und Wiedererkennungswert gewinnt. Etwas unglücklich ist allerdings das durchaus auffällige „Sprecherrecycling“: Abgesehen von der Stammbesetzung tauchen in Folge 2 nämlich auch viele Nebenfiguren-Sprecher der ersten Episode wieder auf, allerdings in unterschiedlichen Rollen, was zu kurzzeitigen Irritationen führen kann – so leiht z.B. Udo Schenk diesmal sogar gleich zwei Nebencharakteren seine Stimme. Von diesem kleinen Makel abgesehen ist „Ein Fluch in Rosarot“ jedoch eine gute Fortführung der Reihe und kann die Auftaktfolge gerade in Bezug auf die Story sogar übertreffen, da die Geschichte einfach überzeugender konstruiert ist und beide Protagonisten besser ausgearbeitet wurden – so ist Sherlock einen Tick exzentrischer und Watson bekommt durch den traurigen Afghanistan-Hintergrund mehr Tiefgang. Eine gute Entwicklung, die in den kommenden Folgen hoffentlich fortgesetzt wird.

Weitere Informationen zur Hörspielreihe „Sherlock & Watson“ gibt es auf Facebook, Twitter und der zugehörigen Website.
Bilder: © Der Audio Verlag

Das Rätsel von Musgrave Abbey/Ein Fluch in Rosarot
  • Autor:
  • Sprecher: Johann von Bülow, Florian Lukas, Stefan Kaminski, Kai Magnus Sting u.v.m.
  • Reihe: Sherlock & Watson: Neues aus der Baker Street #1+2
  • Länge: 1 Std. 16 Min./1 Std. 28 Min.
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2015
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Die neue „Sherlock & Watson“-Hörspielreihe verlagert die Geschichten Conan Doyles auf gelungene Weise in die Gegenwart und überzeugt mit einer professionellen Produktion und hochkarätigen Sprechern. In der Auftaktfolge wirkt die Story dabei allerdings häufig noch etwas sprunghaft und Zufalls-basiert, die zweite Episode ist jedoch deutlich schlüssiger konstruiert und verleiht auch den zuvor noch etwas blassen Protagonisten deutlich mehr Profil.

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