Flammenkinder_Rezi

In einer Einrichtung für schwierige und selbstmordgefährdete Mädchen nahe Sundsvall in Nordschweden wird mitten in der Nacht eine der Bewohnerinnen tot aufgefunden: Die 12-jährige Miranda wurde brutal erschlagen und in ihrem Bett aufgebahrt – die eigenen Hände vor das Gesicht geschlagen. Nur wenig später wird eine weitere Leiche entdeckt, denn auch die Heimleiterin ist dem Mörder zum Opfer gefallen. Als in einem der Zimmer die offensichtliche Tatwaffe, ein blutverschmierter Hammer, gefunden wird und von der Bewohnerin dieses Raumes, der jungen Vicky, plötzlich jede Spur fehlt, scheint der Fall klar: Vicky hat Miranda und die Leiterin erschlagen und anschließend die Flucht ergriffen. Zu dieser Theorie passt auch, dass die Tatverdächtige wenig später ein Auto gestohlen und ein in dem Wagen sitzendes Kind entführt hat. Kriminalkommissar Joona Linna hat jedoch Zweifel an der Schuld des Mädchens und verfolgt auch gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten einen anderen Ansatz…

Joona Linnas dritter Fall beginnt mit leichten Anlaufschwierigkeiten

„Flammenkinder“ ist der dritte gemeinsame Kriminalroman des schwedischen Autoren-Ehepaares Alexandra und Alexander Ahndoril, den die beiden unter dem Pseudonym „Lars Kepler“ veröffentlicht haben, und dreht sich wie gewohnt um den in Schweden ermittelnden, finnisch-stämmigen Kriminalkommissar Joona Linna. Dieser bekommt es auch im dritten Anlauf mit einem kniffligen Fall zu tun und muss den bizarren Doppelmord in einer Einrichtung für suizidgefährdete Mädchen untersuchen. Auch wenn die Ahndorils schnell zum Punkt kommen und ihre Geschichte direkt mit der dramatischen und blutigen Nacht beginnen, so hat es bei mir diesmal allerdings recht lange gedauert, bis ich in dieses Buch hineingefunden habe. In den ersten drei von insgesamt rund 15 Hörbuch-Stunden wirkten auf mich einige Szenen etwas seltsam und unharmonisch miteinander verbunden, viele Figuren zu hastig eingeführt und auch die kaum vorhande Präsenz der Hauptfigur über einen solch langen Zeitraum sorgte bei mir zunächst für Verwunderung.

Weniger überflüssige Nebenschauplätze, mehr Spannung

Mit verstärktem Eingreifen Joona Linnas in die Ermittlungen findet dann aber auch die Handlung zu einer geregelten Ordnung und macht es deutlich einfacher, dem Erzählten zu folgen – zumal „Flammenkinder“ wesentlich geradliniger gestrickt ist als die beiden Vorgänger „Der Hypnotiseur“ und „Paganinis Fluch“. Man könnte sich nun beschweren, dass die Geschichte jetzt vergleichsweise simpel gestrickt ist, allerdings wirkten die ersten beiden Romane der Reihe auf mich oft ein wenig überladen und überkonstruiert, sodass ich die klarere Struktur der Handlung diesmal recht angenehm fand. Außerdem entpuppt sich der Fall um das erschlagene Mädchen und die ebenfalls ermordete Heimleiterin im späteren Verlauf doch noch als reichlich komplexer, als es lange Zeit den Anschein hat. Denn während Joona Linna und seine Kollegen fieberhaft nach der vermeintlichen Mörderin, der flüchtigen Vicky, fahnden, zerbricht sich der finnische Ermittler zugleich nach dem Motiv für diese Bluttat den Kopf, denn trotz ihrer psychischen Störungen wird Vicky von den Heimmitarbeitern und den anderen Mädchen als eher ruhige Person beschrieben, der man einen solchen Gewaltausbruch kaum zutrauen würde.

Joona Linna gewinnt endlich an Profil

Auch im dritten Band der Reihe überzeugt das Autorenpaar mit einem schnörkellosen Schreibstil und sorgt durch die sehr vielen sehr kurzen Kapitel für ein durchgehend gutes Spannungsniveau. Der Geschichte kommt zudem das eher geradlinige Handlungskonstrukt zugute, da keine unnötigen Nebenhandlung wie in den Vorgängern zu sehr von der Hauptstory ablenken und die Leser aus dem Handlungsfluss hinausreißen. Ein Problem der ersten beiden Bände bleibt aber auch in „Flammenkinder“ weiterhin erhalten, denn erneut bleibt die Hauptfigur Joona Linna weitestgehend etwas blass. Seine Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, bei seinen Ermittlungen auch mal unkonventionelle Methoden anzuwenden und sich damit mit Kollegen und Vorgesetzten anzulegen, werden zwar immer wieder herausgestellt, abgesehen davon erfährt man aber eher wenig über den Kriminalkommissar – gerade nach den einleitenden Andeutungen um das Schicksal seiner Familie hätte man hier einen doch deutlich ausgeprägteren Figurenhintergrund erwartet. Das ändert sich erst, als man schon nicht mehr damit rechnet, denn erst im relativ langen Epilog bekommt Joona Linna endlich mehr Charaktertiefe. Das ist dann aber so clever gemacht, dass man am liebsten unmittelbar mit dem vierten Band „Der Sandmann“ weitermachen möchte – denn die wirklich unheimlichen letzten Momente lassen für den Folgeband auf Großes hoffen. Nicht zuletzt dank dieses abschließenden sehr positiven Eindrucks, aber auch aufgrund der deutlich schnörkelloseren Geschichte, hat mir „Flammenkinder“ aus der Joona-Linna-Reihe bisher am besten gefallen – auch weil Hörbuchsprecher Simon Jäger die Hauptfigur diesmal nicht ganz so schwermütig (und damit einschläfernd) wie in den Vorgängern darstellt.

Flammenkinder
  • Autor:
  • Sprecher: Simon Jäger
  • Original Titel: Eldvittnet
  • Reihe: Joona Linna #3
  • Länge: 15 Std. 15 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Lübbe Audio
  • Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2012
  • Preis 29,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Die im Vergleich zu den Vorgängern deutlich geradlinigere Geschichte tut dem dritten Band der Reihe merklich gut und sorgt dafür, dass "Flammenkinder" der bisherige Höhepunkt der Joona-Linna-Reihe ist.

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