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Miriam Black hat die Gabe, den Tod einen Menschen vorherzusehen. Als sie dann aber selbst in einer ihrer Visionen auftaucht, gerät ihr ohnehin schon turbulentes Leben völlig außer Kontrolle…

Miriam Black ist Anfang 20 und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Sie ist Einzelgängerin, zieht mehr oder weniger ziellos durchs Land und geht erst recht keiner geregelten Tätigkeit nach. Dabei kommt ihr jedoch ihre außergewöhnliche Gabe zugute, denn Miriam besitzt die Fähigkeit, den Tod eines Menschen vorherzusehen. Sobald sie eine andere Person direkt berührt, sieht sie in einer kurzen Version deren letzte Momente und weiß so genau, wann und wie der Betroffene ums Leben kommen wird. Miriam nutzt diese Informationen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren: Sobald sie einen Menschen mit unmittelbar bevorstehendem Todeszeitpunkt ausgemacht hat, reist sie diesem hinterher und sammelt nach dessen Ableben die hinterlassenen Wertsachen ein, um damit über die Runden zu kommen.

Miriam Black weiß, wann Menschen sterben werden

Als sie dann aber eines Tages zu dem hilfsbereiten Trucker Louis in den Wagen steigt, nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung: Durch eine flüchtige Berührung sieht sie dessen Tod voraus und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass Louis nicht nur in wenigen Tagen brutal ermordet werden, sondern mit seinem letzten Atemzug auch noch Miriams Namen rufen wird. Da Miriam aus früheren Erlebnissen genau weiß, dass sie keinerlei Möglichkeit hat, das Schicksal der Todgeweihten zu ändern, versucht sie sich fortan von Louis fernzuhalten – doch das Schicksal hat offenbar ganz andere Pläne…

Eine fluchende, rauchende, trinkende und prügelnde Protagonistin

Schon nach wenigen Seiten wird man feststellen, dass man es bei Miriam Black, der Hauptfigur in Chuck Wendigs „Blackbirds“, nicht mit einer austauschbaren 08/15-Protagonistin zu tun hat. Denn trotz ihres jungen Alters hat Miriam schon ein bewegtes Leben hinter sich, was sie vor allem ihrer übernatürlichen Fähigkeit zu verdanken hat. Wie so oft ist ihre Besonderheit nämlich gleichermaßen Gabe und Fluch, und so sorgen ihre Visionen nicht nur für ein halbwegs geregeltes Einkommen, sondern haben aus der jungen Frau im Laufe der Jahre auch eine durchaus etwas mitgenommene Persönlichkeit gemacht – was irgendwie nicht verwundert, wenn man Tag für Tag mit dem Tod anderer Menschen konfrontiert wird. Folglich ist Miriam nicht das nette Mädchen von nebenan, sondern raucht wie ein Schlot, ist dem Alkohol alles anderes als abgeneigt und hat ein loses Mundwerk, mit dem man sich besser nicht anlegen möchte. Vielleicht nicht unbedingt die Person, mit der man gerne seine Freizeit verbringen möchte, als Romanfigur kann man sich aber nur schwer eine interessante Figur vorstellen.

Vulgär und brutal…

Ähnlich unangepasst wie die Protagonistin fallen auch Chuck Wendigs Schreibstil und seine Story aus. „Blackbirds“ ist ein selten vulgäres Buch und strotzt förmlich vor derben Flüchen und wilden Beleidigungen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, hat mich beim Lesen aber außergewöhnlich gut unterhalten. Wenn man nämlich regelmäßig über Kapitelüberschriften wie „Everbody’s Fucked“, „Hairless Fucker Dies“ und – meine absoluten Favoriten – „The Sun Can Go Fuck Itself“, gefolgt von „The Sunshine Café Can Go Fuck Itself Equally“, stolpert, so fällt es schwer, Wendigs Buch nicht zu lieben. „Blackbirds“ ist aber nicht nur sprachlich sehr wüst, sondern bietet auch jede Menge Gewalt und einige sehr drastische Szenen, die sicherlich auch nicht jedem gefallen werden.

… aber auch tragisch und bewegend

Umso überraschender war es für mich, dass neben der ganzen Brutalität und heftigen Flüchen trotzdem noch Raum für etwas Tiefgang geblieben ist. Je mehr man nämlich über die einzelnen Charaktere erfährt, desto tragischer wird die Geschichte und man kann nachvollziehen, warum die Figuren so „kaputt“ geworden sind. Da ist es fast schon berührend, wenn Miriam in dem Trucker Louis einen Menschen findet, der sie so akzeptiert wie sie ist und völlig in Kontrast zu dem ganzen Abschaum steht, mit dem sie sich in ihrem Leben sonst umgibt.

Die etwas andere literarische Unterhaltung

Allerdings kommt „Blackbirds“ bei mir auch nicht ganz ohne Kritik davon, denn so unterhaltsam und kurzweilig das Buch auch ist – die Story selbst ist absolut noch ausbaufähig und lebte für mich vor allem von den zahlreichen Rückblenden, in denen man mehr über Miriams Vergangenheit erfährt. Der Rest ist eine wilde Mischung aus Roadtrip und Thriller, die zwar zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lässt, mir aber persönlich manchmal etwas zu geradlinig und simpel gestrickt war. Zudem werden die zahlreichen Todesvisionen auf Dauer ein wenig anstrengend, da diese den Erzählfluss häufig unterbrechen und die geschilderten Szenen für die Story auch nicht immer relevant sind. Diese kleinen Makel ändern aber nichts an der Tatsache, dass man es bei „Blackbirds“ mit einem außergewöhnlichen Buch zu tun hat, das vorbehaltlos allen empfohlen werden kann, die mal Lust auf eine richtig dreckige, vulgäre und brutale Geschichte mit einer originellen Hauptfigur haben. Es lohnt sich!

Fazit:
Derber und brutaler Roadtrip-Thriller mit einer der außergewöhnlichsten und unkonventionellsten Hauptfiguren der letzten Jahre (8/10).

Buchcover
Autor: Chuck Wendig; Deutscher Titel: Blackbirds; Umfang: 384 Seiten; Verlag: Angry Robot; Erscheinungsdatum: 24. April 2012; Preis: Taschenbuch 5,80 €/eBook 5,22 €.

Link zur englischen Ausgabe
Link zur deutschen Ausgabe


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