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Ein ungewöhnlicher Auftrag treibt Miriam Black nach Florida, wo sie sich auch den Schatten ihrer Vergangenheit stellen muss.

Nachdem sie und ihr Freund Louis mal wieder eine Auszeit von ihrer On-Off-Beziehung genommen haben, hat es Miriam Black nach Philadelphia verschlagen, wo sie immer noch mehr schlecht als recht versucht, mit ihrer besonderen Gabe umzugehen. Als ihr Leben nach einem WG-Streit ein weiteres Mal eine unerfreuliche Wendung nimmt, erhält sie überraschend einen ungewöhnlichen Auftrag: Ein reicher Geschäftsmann hat von ihrer Fähigkeit gehört und will sich von Miriam seinen eigenen Tod vorhersagen lassen – natürlich gegen eine äußerst lukrative Bezahlung. Zwar reagiert sie zunächst skeptisch und vermutet hinter dem Auftraggeber einen lüsternen Kerl mit unlauteren Absichten, doch letztlich ist der finanzielle Anreiz zu groß, sodass Miriam Hals über Kopf nach Florida aufbricht, um den Auftrag anzunehmen…

Dritter Band von Chuck Wendigs Miriam-Black-Reihe

„The Cormorant“ ist der dritte Band aus Chuck Wendigs ungewöhnlicher, aber äußerst unterhaltsamer Miriam-Black-Reihe und setzt wie die beiden Vorgänger „Blackbirds“ und „Mockingbird“ zunächst voll auf die Marotten der unkonventionellen Hauptfigur. Für alle, die Miriam noch nicht kennen, hier eine kurze Zusammenfassung: Mitte zwanzig, fluchend, trinkend, rauchend, vögelnd, streitsüchtig und mit der unfreiwilligen Gabe, bei unmittelbarer Berührung den Tod anderer Personen vorhersagen zu können. Nun könnte man meinen, dass die ständigen Beschimpfungen und anderen verbale und körperliche Ausraster im dritten Aufguss langsam langweilig werden könnten – das ist jedoch keineswegs der Fall. Es ist nach wie vor ein großes Vergnügen, die junge Frau durchs Leben zu begleiten und zu beobachten, wie sie sich einen Dreck um die Meinung anderer schert und im Gegenzug kräftig austeilt.

Gute Weiterentwicklung der Todesvisions-Thematik

Auch die Story beginnt stark und nimmt zwar nicht so schnell Fahrt auf wie im Vorgänger, nutzt Miriams Fähigkeit aber zu einer guten Ausgangsidee, indem sie praktisch als Todeswahrsagerin für einen reichen Klienten engagiert wird. Natürlich ahnt man als Leser früh, dass der Job im sonnigen Florida nicht so leicht ist, wie er sich zunächst anhört, und sieht sich dann auch schnell bestätigt, als der Auftrag eine überraschende und dramatische Wendung nimmt. Gut gefallen hat mir hier, dass Chuck Wendig der Thematik um Miriams Gabe ein weiteres Mal frischen Wind verpasst und sogar auf ein ganz neues Level hebt, was zwar logisch nicht immer unbedingt überzeugt, aber den Weg für einige spannende Gedankenspiele frei macht.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Erfreulich ist auch, dass der Autor im Vergleich zu „Mockingbird“ wieder etwas verstärkt auf die kleinen Zwischenspiele setzt, die mehr über Miriams Vergangenheit verraten oder wie in diesem Fall ihre gegenwärtige Situation darstellen – denn „The Cormorant“ wird über weite Strecken rückblickend erzählt. Zwar funktioniert der Roman auch als eigenständige Geschichte, es ist diesmal aber wirklich hilfreich, wenn man zumindest den ersten Band der Reihe gelesen hat. Wendig greift nämlich einige Erzählstränge aus „Blackbirds“ wieder auf und sorgt auch für das ein oder andere Wiedersehen, sodass zumindest vage Vorkenntnisse alles andere als schädlich sind. Besonders gelungen fand ich, dass der Fokus im dritten Teil endlich einmal mehr auf dem familiären Hintergrund der Protagonistin liegt und dabei durchaus mit einigen überraschenden Erkenntnissen aufwarten kann. Da ist es auch verschmerzbar, dass der gutmütige Trucker Louis in diesem Buch einmal aussetzen muss und nur in Miriams Kopf auftreten darf.

Spannend, aber mit kleinen Schwächen in der Story

Allerdings geht der Geschichte in der zweiten Hälfte ein wenig die Luft aus und sie versinkt stellenweise etwas im Leerlauf. Gerade aus der spannenden Ausgangssituation macht Chuck Wendig für meinen Geschmack zu wenig. Zudem fand ich Miriams Gegenspieler im Vergleich zu den ersten Büchern ein wenig schwächer und nicht ganz so bedrohlich wie seine Vorgänger. Auch die Auflösung der „Interludes“ hätte ich mir etwas spannender und spektakulärer gewünscht. Nichtsdestotrotz ist „The Cormorant“ insgesamt betrachtet eine würdige Fortsetzung der Reihe und spinnt die Geschichte um Miriam Black mit einigen frischen Ideen gekonnt weiter, die auch die Vorfreude auf den nächsten Band wieder anheizen. Zwar kommt Teil 3 für mich nicht an „Mockingbird“ heran, liegt aber ungefähr auf einem Niveau mit dem Auftaktband und ist daher auf jeden Fall wieder eine Empfehlung wert.

Fazit:
Gute Fortsetzung der Miriam-Black-Reihe, dessen Story aber etwas hinter dem Vorgänger zurückbleibt (8/10).

The Cormorant
Autor: Chuck Wendig; Umfang: 384 Seiten; Verlag: Angry Robot; Erscheinungsdatum: 31. Dezember 2013; Preis: Taschenbuch 5,80 €/eBook 5,51 €.

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3 Antworten zu diesem Beitrag

  • Hallo!

    Tolle Rezension, wie immer 🙂 Mit dem Gegenspieler in diesem Band gehen wir meinungsmäßig auseinander; ich fand gerade seine „Gabe“ hat ihn zu einer erschreckenden Bedrohung gemacht.

    Liebe Grüße, Janice

Pings: