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Mit seinem letzten Buch hat Vincent Kliesch die Reihe um seinen Ermittler Julius Kern vorerst abgeschlossen. Doch auch in seinem neuem Roman bleibt die deutsche Hauptstadt nicht von grausamen Verbrechen verschont…

Berlin ist in Aufruhr: Eine schreckliche Mordserie sorgt für reißerische Schlagzeilen in der Boulevardpresse, denn fast jeden Tag fordert ein kaltblütiger Serienmörder ein neues Opfer. Drei Tote in vier Tagen lautet die beängstigende Bilanz und die Polizei weiß kaum, wo sie bei ihren Ermittlungen ansetzen soll. Die Mordopfer scheinen vom Täter fast beliebig gewählt: Ein Brandstifter wird beim Zündeln überrascht und findet in seinen eigenen Flammen den Tod, ein Fassadenkletterer stürzt auf makabre Art und Weise ins Verderben und einem weiteren Mann wurde die Zunge abgeschnitten. Nur eines haben die Tatorte gemeinsam: Jede Leiche wurde mit einer Zahl gekennzeichnet, deren Reihenfolge aber scheinbar ebenso willkürlich ist wie die Auswahl der Opfer.

Ein Serienkiller bestraft Sünder mit grausamen Todesarten

Hauptkommissar Severin Boesherz wird mit den Ermittlungen beauftragt und sieht sich kurz nach seinem Umzug aus dem beschaulichen Rheingau schon mit seinem ersten aufsehenerregenden Fall konfrontiert. Gemeinsam mit seiner neuen Kollegin Olivia Holzmann sucht er fieberhaft nach einer Verbindung zwischen den Morden und wird wenig später bereits fündig: Alle Opfer waren kurz vor ihrem Tod in den Medien präsent, und zwar nicht aus besonders erfreulichen Gründen. Hat der Killer die Menschen hingerichtet, um sie für ihre Sünden zu bestrafen? Und wie viele Personen stehen noch auf seiner Todesliste?

Ein neuer Ermittler und ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Drei Bücher hat der Berliner Autor Vincent Kliesch vor dem Erscheinen seines aktuellen Werkes „Bis in den Tod hinein“ veröffentlich und in allen dreien nahm der Ermittler Julius Kern die Rolle der Hauptfigur ein. Mit „Der Prophet des Todes“ war die Geschichte um Kern und den charismatischen Massenmörder Tassilo Michaelis dann aber (zumindest vorerst) zu Ende erzählt und obwohl ich die Trilogie sehr gerne gehört habe, war ich ehrlich gesagt auch ein wenig froh darüber. Umso überraschter war ich dann nach den ersten Minuten von „Bis in den Tod hinein“: Wieder ist die deutsche Hauptstadt der Schauplatz der Handlung und wer Klieschs bisherige Bücher kennt, wird mit Dezernatsleiterin Daniela Castella, Staatsanwalt vom Stein und dem LKA-Beamten Dennis Baum schnell auf einige bekannte Namen stoßen – diese waren nämlich schon Teil der Ermittlungseinheit um besagten Julius Kern. Wie der Autor aber kurz darauf verrät, ist dieser derzeit mit seiner Familie auf großer USA-Rundreise, sodass ein neuer starker Ermittler die Bühne betritt: Hauptkommissar Severin Boesherz.

Kultiviert, charmant und mit Hang zur Arroganz: Hauptkommissar Severin Boesherz

Obwohl Boesherz bei seiner vorherigen Station im Rheingau eher selten mit aufsehenerregenden Verbrechen in Berührung gekommen ist, lässt der selbstbewusste Neu-Berliner keinen Zweifel daran aufkommen, dass er der richtige Mann für die Suche nach dem neuerlichen Serienkiller ist. Dieses fast schon an Arroganz grenzende Selbstvertrauen sorgt vermutlich dafür, dass nicht jeder Leser auf Anhieb mit Boesherz warm werden wird. Jener genießt es nämlich, seinen Kollegen in nahezu belehrender Form die Besonderheiten der Mordfälle aufzuzeigen und „verhört“ sie bei Besprechungen wie ein Lehrer seine Schüler. Trotz dieser Eigenheiten gibt es im Dezernat aber keinerlei Animositäten, denn Boesherz hat auch eine ganz andere Seite: kultiviert, charmant, intelligent und insgesamt durchaus sympathisch. Mir jedenfalls hat der opernliebende Anzugträger deutlich besser gefallen als der meiner Meinung nach weitestgehend blasse Julius Kern aus den vorherigen Kliesch-Büchern, da Boesherz viel mehr Ecken und Kanten vorzuweisen hat. Amüsant ist zudem der sich durch das ganze Buch ziehende Nebenstrang um dessen Liebesleben, das aus den unterschiedlichsten Gründen praktisch nicht existent ist – was seine Kollegin Olivia Holzmann aber energisch zu ändern versucht…

Spannende Story, komplexe Täter-Persönlichkeit

Der Austausch der Hauptfiguren kann bei Vincent Kliesch also schon einmal als gelungen bezeichnet werden. Doch was taugt die Story, die zum ersten Mal ohne das ewige Duell Kern vs. Michaelis auskommen muss? Auch hier kann Entwarnung gegeben werden, denn Kliesch beweist erneut, dass er mittlerweile eindeutig zur Elite der deutschen Thrillerautoren gehört. Die Geschichte ist temporeich, spannend, versehen mit ein paar wirkungsvollen Ekel-Momenten und der ein oder anderen überraschenden Wendung – wie man es von Kliesch also gewohnt ist. Da stört es auch nicht, dass der Täter dem Leser schon gleich zu Beginn präsentiert wird – dies kann mittlerweile ja fast schon als Handschrift des Autors bezeichnet werden, schließlich wurde schon in der Kern-Trilogie immer viel Wert auf die Charakterisierung des Bösen gelegt. Auch diesmal ist der Serienkiller wieder eine sehr interessante Persönlichkeit, die nicht nur als kaltblütiger Mörder, sondern auch als Mensch mit Problemen und Ängsten dargestellt wird. Als besonders unterhaltsam habe ich dabei die regelmäßigen Wutausbrüche über Schandtaten an der deutschen Sprache empfunden, denen der Täter in seinem beruflichen Alltag immer wieder ausgesetzt wird. Wer Bastian Sicks „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“-Reihe mochte, dürfte an der ein oder anderen Stelle durchaus ins Schmunzeln kommen.

Guter Serienauftakt mit kleinen Schwächen

Dennoch kommt „Bis in den Tod hinein“ nicht ganz ohne Schwächen aus. So bleiben Boesherz‘ Kollegen im Vergleich zum dominanten Ermittler weitestgehend blass und dienen oft nur als Stichwortgeber und auch Severins begnadeter Instinkt wird stellenweise etwas überstrapaziert. Zudem fällt die Auflösung für meinen Geschmack ein wenig zu konstruiert aus, denn es ist fast nie ein gutes Zeichen, wenn der Autor am Ende des Buches eine Dreiviertelstunde lang seinen Schlusstwist erläutern muss, weil der Leser zuvor völlig im Dunkeln tappte. Mein größter Kritikpunkt ist aber die qualitativ leider etwas abfallende Nebenhandlung um ein verschwundenes Topmodel, die sich irgendwie nicht wirklich harmonisch in den Gesamtrahmen einfügen will. Nichtsdestotrotz hat Vincent Kliesch mit seinem neuen Buch die Weichen für eine weitere erfolgreiche Thrillerserie gestellt und ich freue mich auf die folgenden Fälle mit Hauptkommissar Severin Boesherz. Wer also schon die Kern/Michaelis-Trilogie des Autors mochte, der wird bestimmt auch Gefallen an „Bis in den Tod hinein“ finden, doch auch wem Julius Kern als Hauptfigur bisher etwas zu blass war, weiß vielleicht mit dem neuen, kantigeren Ermittler etwas mehr anzufangen. Dass die Hörbuchversion von Uve Teschner gewohnt großartig gelesen wird, muss wohl nicht mehr extra erwähnt werden, oder?

Fazit:
Gelungener Auftakt einer neuen Thrillerreihe mit einem interessanten neuen Ermittler, der nicht nur bei Kliesch-Fans für Nervenkitzel sorgen dürfte (8/10).

Hörbuchcover
Autor: Vincent Kliesch; Sprecher: Uve Teschner; Spieldauer: 09 Std. 12 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Random House Audio, Deutschland; Veröffentlicht: 2013; Preis: 19,50 €.

Link zum Hörbuch


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