Autor: Jussi Adler-Olsen
Umfang: 464 Seiten
Verlag: dtv premium
Erscheinungsdatum: 1. September 2010

Klappentext:
»Der Blutdurst der Jäger. Wie würden sie es machen? Ein einzelner Schuss? Nein. So gnädig waren die nicht, diese Teufel, so waren sie nicht …«
Ein Leichenfund in einem Sommerhaus in Rørvig. Zwei Geschwister sind brutal ermordet worden. Der Verdacht fällt auf eine Gruppe junger Schüler eines exklusiven Privatinternats, die für ihre Gewaltorgien bekannt sind. Einer von ihnen gesteht.

Zwanzig Jahre später. Nachdem Carl Mørck aus dem Urlaub zurückkommt, stößt ihn sein Assistent Assad mit der Nase auf die verstaubte Rørvig-Akte. Doch von oberster Stelle werden ihnen weitere Ermittlungen verboten. Carl und Assad ist klar, dass hier etwas zum Himmel stinkt: Die Spuren führen hinauf bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft, in die Welt der Aktienhändler, Reeder und Schönheitschirurgen – und sie führen ganz weit nach unten, in die Abgründe der Gesellschaft, zu einer Obdachlosen: äußerlich hart wie Granit, doch mit einer blutenden Seele …

Zum Roman:
Kaum kehrt Vizekommissar Carl Mørck aus dem wohlverdienten Urlaub zurück in sein Büro, findet er eine zwanzig Jahre alte Akte auf seinem Schreibtisch, von der sich zunächst keiner erklären kann, wie sie dorthin gekommen ist. Die Dokumente befassen sich mit einem aufsehenerregenden Doppelmord aus dem Jahr 1987. In einem kleinen Sommerhaus in Rørvig wurden damals die beiden Kinder eines Kriminalkommissars brutal gequält und ermordet. Der Vater selbst konnte den Tod seiner Kinder nicht verkraften und erschoss sich kurz darauf mit seiner Dienstwaffe. Unter Tatverdacht geriet schnell eine Gruppe Jugendlicher eines privaten Eliteinternats, die mehrfach durch Gewalttaten auffällig geworden ist. Den Schülern konnte man die Taten jedoch nicht nachweisen, erst Jahre später stellte sich einer von ihnen, der Stipendiat Bjarne Thøgersen, der Polizei und legte ein Geständnis ab.

Zwanzig Jahre nach der Tat ist aus den damaligen Jugendlichen die heutige Elite Dänemarks geworden: Ein erfolgreicher Schönheitschirurg, ein international gefeierter Modedesigner und ein bekannter Börsenspezialist. Nur das einzige Mädchen der Gruppe, Kirsten-Marie „Kimmie“ Lassen, hat es nicht in die soziale Oberschicht geschafft und lebt ein trostloses Leben auf den Straßen Kopenhagens. Auch heute noch treffen sich die wohlhabenden Männer regelmäßig, unter anderem zu dubiosen Jagdausflügen, welche durch den Einsatz exotischer Tierarten aufgewertet werden. Allerdings sind auch sie nicht frei von ihrer Vergangenheit, denn die drei bekommen immer mehr den Eindruck, dass Kimmie Lassen zurück in ihr Leben getreten ist und sich auf einem eigenen Rachefeldzug gegen ihre ehemaligen Mitschüler befindet…

Unterdessen geht Vizekommissar Mørck mit seinem Sonderdezernat Q, welches sich mit der Aufklärung lange zurückliegender Verbrechen befasst, den Hinweisen aus der Fallakte noch einmal nach. Neben senem syrischen Assistenten Hafez el-Assad kann er diesmal auch auf seine neue Bürokraft Rose zurückgreifen, wovon Carl aber zunächst alles andere als begeistert ist, denn diese ist etwas eigenwillig und stellt das Nervenkostüm ihres Chefs schnell auf die Probe. Bei seinen Ermittlungen wühlt Mørck erneut im Umfeld der Täter, was seinen Vorgesetzten aber übel aufstößt. Schließlich handelt es sich bei den Tatverdächtigen mittlerweile um angesehene Bürger der Gesellschaft mit großem Einfluss, zudem gilt der Fall offiziell als abgeschlossen, sodass das Sonderdezernat Q seinen Fokus stattdessen auf andere, ungelöste Verbrechen richten soll…

„Schändung“ ist Jussi Adler-Olsens zweiter Roman um den störrischen Vizekommissar Carl Mørck, der lieber weiter seinen „Vize“-Titel trägt anstatt sich mit mühsamen Fortbildungen beruflich weiterzuentwickeln. Auch sein oft skurriler Assistent Assad ist wieder mit von der Partie und sorgt durch seine Art für den ein oder anderen Schmunzler. Denn eigentlich ist der pfiffige Syrer nicht viel mehr als eine Putzhilfe, doch wie schon beim ersten Buch „Erbarmen“ hilft er wieder fleißig bei Carls Ermittlungen und gibt sich bei eigenen Nachforschungen selbstbewusst als Kriminalassistent aus. Auch seine mitunter wilden Vorstöße in diversen Zeugenbefragungen sorgen für so manche humorvolle Situation. Zusammen mit dem rebellischen Mørck ergibt sich so wieder ein interessantes Ermittlerteam, welches sich wohltuend von anderen Kriminalromanen abhebt. Zusätzlich führt Adler-Olsen mit der Figur der Rose Knudsen eine weitere bemerkenswerte Persönlichkeit in das Sonderdezernat Q ein, die sich durch ihr forsches Vorgehen gut in das Ermittlerteam einfügt und für frischen Wind sorgt.

Wie schon der Vorgänger ist auch „Schändung“ wieder gut geschrieben, sodass sich das Buch recht flüssig lesen lässt. Auffällig ist vor allem der immer wiederkehrende Gegensatz der Gesellschaftsschichten, mit dem gewaltbereiten Oberschichten-Trio auf der einen und der fast verwahrlosten Obdachlosen Kimmie auf der anderen Seite. Immer wieder blickt der Leser in die Abgründe der dänischen Gesellschaft, von perversen Machtspielen über politische Verstrickungen, Drogenmissbrauch, Vergewaltigung bis hin zu kaltblütigem Mord. Die Figur der Kirsten-Marie Lassen ist dabei mit Abstand die interessanteste, deckt sie doch fast das ganze Spektrum der oben aufgezählten Aspekte ab. Stellenweise erinnerte mich ihr Charakter sogar ein wenig an die Lisbeth Salander aus den Stieg Larssen-Thrillern. Denn auch Kimmie blickt auf eine von Gewalt geprägte Vergangenheit zurück und ist gleichzeitig Täter und Opfer.

Trotz der gut konstruierten Geschichte ist „Schändung“ in meinen Augen nicht so ein Page-Turner wie „Erbarmen“, was vor allem an dem Kriminalfall selbst liegt. Dieser konnte mich bei weitem nicht so mitreißen wie der Vermisstenfall aus dem Vorgänger. Insgesamt bietet mir die Story zu wenig Überraschung und Abwechslung, denn eigentlich ist der Fall von anfang an klar – vor allem für den Leser, der durch die vielen Perspektivwechsel immer umfassend informiert ist. Hier fehlte mir etwas das „Geheimnisvolle“, welches mich wirklich zum Lesen animiert, denn Täter und Motiv stehen eigentlich schon auf den ersten Seiten fest.

Mein Fazit:
Auch Carl Mørcks zweiter Fall ist ein unterhaltsamer und gut geschriebener Krimi, der jedoch nicht ganz an das Niveau von „Erbarmen“ heranreicht. Zwar glänzt auch „Schändung“ wieder durch das unkonventionelle Ermittlerteam mit dem Vizekommissar und seinen Gehilfen Assad, der Geschichte selbst fehlt aber das gewisse Etwas und sie konnte mich daher nicht wirklich fesseln. Gelungen ist aber auf jeden Fall der Blick auf die Abgründe der dänischen Gesellschaft und die sich daraus entwickelnden Konflikte. Auch die weiterhin oft bissigen und sarkastischen Dialoge zwischen Mørck und seinem Team wissen zu unterhalten. Somit ergibt sich ein guter Kriminalroman, der im Vergleich zum Vorgänger aber etwas schwächer abschneidet.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Schändung“ von Jussi Adler-Olsen ist im dtv premium-Verlag erschienen und hat einen Umfang von 464 Seiten. Das Buch ist für 14,90 € als broschierte Ausgabe erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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