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London hatte „Jack the Ripper“, New Orleans den „Axeman“: Von 1918 bis 1919 kam es in der größten Stadt des US-Bundesstaates Louisiana zu einer blutigen Mordserie. Mindestens sechs Menschen fielen einem Killer zum Opfer, der sich meist mitten in der Nacht in die Schlafzimmer seiner Zielpersonen schlich und diese auf brutale Weise mit einer Axt tötete. Mitunter werden dem Täter noch weitere Morde aus dem Jahr 1911 zugeschrieben, allerdings ist bis heute immer noch ungewiss, ob diese Verbrechen tatsächlich ebenfalls auf das Konto des „Axeman“ gingen. Das liegt auch daran, dass der Serienmörder bis zum heutigen Tag nicht überführt werden konnte und sich ähnlich wie bei „Jack the Ripper“ zahlreiche Theorien um die wahre Identität des Mörders entwickelt haben. Eine weitere Parallele zwischen den berüchtigten Killern ist, dass beide sich in Bekennerschreiben an die Öffentlichkeit bzw. die Polizei gewendet haben, um ihre Jäger zu verhöhnen.

Ein Polizist, eine Sekretärin und ein Mafioso jagen den „Axeman“

Mit eben jenem Brief des „Axeman“ an die „The Times-Picayune“ beginnt auch Ray Celestins Roman „Höllenjazz in New Orleans“, welcher sich auf die realen Ereignisse bezieht und gleich drei grundverschiedene Ermittler auf den geheimnisvollen Serienmörder ansetzt: von offizieller Seite ermittelt Michael Talbot, seines Zeichens Detective Lieutenant bei der Polizei von New Orleans und leitender Ermittler in der grausamen Mordserie. Nachdem bereits mehrere Menschen vom „Axeman“ getötet wurden, sieht sich Talbot dem großen Druck von Öffentlichkeit und Vorgesetzten ausgesetzt, dem Schrecken endlich ein Ende zu setzen und die Stadt wieder sicherer zu machen. Eher inoffiziell beschäftigt sich hingegen Ida Davis mit dem Fall, welche als Sekretärin für die weltberühmte Pinkerton-Detektei arbeitet und sich endlich als vollwertige Ermittlerin beweisen möchte und sich deshalb ohne das Wissen ihres Chefs auf die Suche nach dem Axtmörder macht. Und dann wäre da noch Luca d’Andrea, ehemals Starermittler bei der Polizei von New Orleans, bis er wegen seiner jahrelangen Nebentätigkeiten für die Mafia ausgerechnet von seinem Zögling enttarnt wurde und ins Gefängnis kam – der „Verräter“ war dabei kein geringerer als Detective Lieutenant Michael Talbot. Nun hat d’Andrea seine Strafe jedoch abgesessen und wird von seinen alten Mafia-Kontakten mit der Suche nach dem „Axeman“ beauftragt, da dieser offenbar gezielt italienische Geschäftsleute ins Visier genommen hat und damit die Macht der Mafia unterwandert.

Basierend auf realen Ereignissen und Persönlichkeiten

Wenn man „Höllenjazz in New Orleans“ aufschlägt, wird man gleich einmal mit einem 112 Charaktere umfassenden Personenverzeichnis erschlagen, was im ersten Moment viel geistige Arbeit für die Leser*innen vermuten lässt. Allerdings schafft es Ray Celestin nahezu mühelos, diese Masse an Beteiligten harmonisch in die Handlung zu integrieren und seine Geschichte auf komplexe Weise aus vielen unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen, ohne dass man sich im Figurengeflecht verheddert und den Anschluss verliert. Unter den 112 Namen findet sich übrigens auch eine reale Persönlichkeit von späterem Weltruhm, die zur Zeit der Geschichte im Jahr 1919 aber noch ganz kleine Brötchen backen musste: Louis Armstrong (damals noch „Lewis Armstrong“), der vielleicht berühmteste Jazzmusiker aller Zeiten. Während der „Axeman“-Mordserie schlägt sich dieser jedoch noch als zwar talentierter, aber eher wenig erfolgreicher Künstler mit kleinen Auftritten im Rotlichtmilieu von New Orleans durchs Leben und nimmt in dieser Geschichte die Rolle als Freund und Assistent von Ida Davis, der aufstrebenden Pinkerton-Mitarbeiterin ein. Bezüge wie dieser zu tatsächlichen Ereignissen und Persönlichkeiten verleihen der Handlung einen authentischen Rahmen und lassen einen zudem tief in die Geschichte der Stadt eintauchen.

Eine Stadt irgendwo zwischen Paradies und Wahnsinn

„The Big Easy“ oder die „Wiege des Jazz“, um nur zwei der zahlreichen Spitznamen New Orleans‘ zu nennen, fungiert zugleich als weitere Hauptfigur der Geschichte und wird von Ray Celestin auf sehr anschauliche Weise und in vielen ihrer Facetten beschrieben, wobei sich hier Licht und Schatten immer wieder abwechseln. Auf der einen Seite steht New Orleans für Musik, Lebensfreude oder einen Mix vieler verschiedener Kulturen, auf der anderen Seite ist die Stadt regelrecht zerfressen von Korruption, Gewalt und Rassismus und sieht sich zudem auch noch regelmäßigen den Launen der Natur mit verheerenden Wirbelstürmen oder Überschwemmungen ausgesetzt. Stimmungsvolle Jazz-Kneipen und Restaurants mit aufregenden exotischen Genüssen wechseln sich ab mit heruntergekommenen Etablissements, in denen Frauen jeden Alters und jeder Hautfarbe auf demütigende Weise ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, und je nach ethnischem Hintergrund kann es lebensgefährlich sein, sich zur falschen Zeit im falschen Stadtteil aufzuhalten. So entsteht ein sehr vielschichtiges und lebendiges Bild von New Orleans, welches dieser düsteren Geschichte eine würdige Kulisse verleiht und u.a. mit dem organisierten Verbrechen oder der Voodoo-Kultur interessante Hintergründe für die Geschehnisse liefert.

Packender Auftakt des musikalischen Städte-Quartetts

Insgesamt ist „Höllenjazz in New Orleans“ somit eine spannende Reise in das New Orleans des Jahres 1919, bei der sich die Krimi-Handlung sehr harmonisch in den von den realen Ereignissen vorgegebenen Rahmen einfügt und eine sehr komplexe und zugleich sehr authentisch wirkende Herangehensweise an die mysteriöse „Axeman“-Mordserie liefert. Ob das Buch im Gegensatz zur Realität das Geheimnis um die Identität des Killers lüften kann, sei hier natürlich nicht verraten, Ray Celestin hat hier aber eine sehr schlüssige und geschickt konstruierte Geschichte hingelegt, die in kriminalistischer Hinsicht auf jeden Fall überzeugen kann. Zusammen mit der tollen und ungemein atmosphärischen Kulisse und den sympathischen und alle auf ihre eigene Weise sehr speziellen Charakteren ergibt „Höllenjazz in New Orleans“ einen sehr gelungenen historischen Kriminalroman, der Lust auf mehr macht. Da ist es umso erfreulicher, dass das Buch nur der Auftakt des sogenannten „City Blues Quartet“ ist und noch drei weitere Romane der Reihe folgen werden – nächster Halt: Chicago…

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise von Thalia zur Verfügung gestellt.
Dies beeinflusst jedoch in keiner Weise meine Meinung über dieses Buch.

Höllenjazz in New Orleans – Ray Celestin (City Blues Quartet #1)
  • Autor:
  • Original Titel: The Axeman's Jazz
  • Reihe: City Blues Quartet #1
  • Umfang: 512 Seiten
  • Verlag: Piper
  • Erscheinungsdatum: 1. März 2018
  • Preis Broschiert 16,00 €/eBook 9,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Ray Celestins Auftakt seines "City Blues Quartet" erzählt rund um die reale Mordserie des "Axeman of New Orleans" einen spannenden historischen Kriminalroman, der mit einer packenden und komplexen Story, interessanten und vielseitigen Charakteren und vor allem einer atmosphärischen und detailliert beschriebenen Kulisse überzeugt.

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