Giftzeichner_Rezi

In New York wird eine junge Verkäuferin im Keller einer Boutique plötzlich von einem maskierten Mann überfallen und in einen Versorgungstunnel verschleppt – und nie wieder lebend gesehen. Als wenig später ihre Leiche gefunden wird, findet sich auf dem Bauch der Frau eine eintätowierte Nachricht, die der Polizei Rätsel aufgibt. Besonders verstörend: Für das Tattoo hat der Mörder keine gewöhnliche Tinte, sondern eine extrem giftige Substanz benutzt, die das Opfer innerhalb von nur wenigen Minuten getötet hat. Als der gelähmte Spurenermittler Lincoln Rhyme auf den Fall angesetzt wird, findet seine Partnerin Amelia Sachs am Tatort zudem ein weiteres beunruhigendes Detail: offenbar unbeabsichtigt hat der Täter ein Stück Papier in dem Tunnel hinterlassen, das den Mord mit einem von Lincolns früheren Fällen in Verbindung bringt – und zwar mit jenem Fall, mit dem für Rhyme und Sachs vor vielen Jahren alles begann und der die beiden damals beinahe das Leben gekostet hätte…

Der elfte Lincoln-Rhyme-Thriller als „Best of“ der Reihe?

Wenn man es wie Jeffery Deaver zu einem weltweit erfolgreichen Schriftsteller gebracht hat, dessen Thriller seit mehr als zwei Jahrzehnten die Bestsellerregale füllen, dann darf man sich auch mal die Freiheit nehmen, in gewisser Weise auf sein eigenes Lebenswerk zurückzublicken. So hat es zu Beginn von „Der Giftzeichner“, dem inzwischen schon elften Band der Lincoln-Rhyme-Reihe, fast ein wenig den Anschein, als würde das Buch zu einem kleinen „Best of“ der Serie werden, denn der Thriller spannt früh zu gleich zwei vorherigen Bänden einen Bogen: Die Verbindung zu „Der Knochenjäger“, dem allerersten Fall Lincoln Rhymes, dürfte nicht nur durch die Ähnlichkeit der englischen Originaltitel der Bücher („The Bone Collector“/„The Skin Collector“) naheliegen, sondern wird durch ein Detail am Tatort der aktuellen Ermittlungen schnell auch direkt thematisiert. Eine weitere Hommage Deavers an die eigenen Werke dürfte jedoch überraschender kommen: Zu Beginn der Geschichte erreicht Lincoln Rhyme nämlich die Nachricht vom Tod des sogenannten „Uhrmachers“ – dem Täter, der den Spurenermittler in „Der gehetzte Uhrmacher“ vor seine vielleicht größte Herausforderung stellte. Während Rhyme noch damit hadert, nun nie die faszinierende Psyche des Uhrmachers vollständig entschlüsseln zu können, muss er seine Energie aber auch schon in seinen neuen Fall stecken, denn wenig überraschend bleibt es bei dem wahnsinnigen Mörder, der eine junge Frau in einem Versorgungstunnel regelrecht zu Tode tätowiert hat, nicht bei nur einem Opfer…

Die Berechenbarkeit des Unberechenbaren

Bevor man sich als Fan der Reihe aber nun große Hoffnungen auf neue spektakuläre Erkenntnisse rund um die angesprochenen früheren Fälle macht: Leider wirken die Verbindungen ein wenig erzwungen und werten die Geschichte nicht wirklich auf. Während die kurzen Uhrmacher-Passagen noch recht interessant sind, hätte man die Anspielung auf den Knochenjäger-Fall auch komplett weglassen können, ohne dass die Handlung groß anders ausgefallen wäre. Thriller-Liebhaber kommen aber dennoch auf ihre Kosten, denn auf Jeffery Deaver ist nach wie vor Verlass und so ist auch „Der Giftzeichner“ gewohnt spannend, was vor allem wieder an dem für den Autor typischen hohen Erzähltempo und der wendungsreichen Story liegt. Für Kenner der Reihe liegt aber genau hier auch ein wenig das Problem, denn mittlerweile kennt man einfach das übliche Schema Deavers, was die Geschichte trotz der vermeintlichen Unberechenbarkeit irgendwie vorhersehbar macht. Denn wenn man im Kopf die möglichen mehrfachen Schlusspointen durchspielt, kann man tatsächlich auf die Lösung des Falls kommen, ohne dass die Handlung selbst dafür die nötigen Hinweise liefern muss.

Für sich betrachtet ein packender Thriller, als Fortführung der Reihe aber ein wenig ernüchternd

So ist „Der Giftzeichner“ nicht leicht zu bewerten. Als eigenständiger Roman betrachtet ist das Buch absolut packend und kurzweilig und dürfte Neueinsteiger wohl auch mit den spektakulären Wendungen am Ende überraschen und schocken. Als langjähriger Fan der Reihe habe ich inzwischen aber ein bisschen Angst, dass die Serie ihren Zenit inzwischen überschritten hat, denn mit den üblichen Mitteln kann mich Deaver einfach nicht mehr überraschen und ich finde es mittlerweile fast schon ärgerlich, wenn Lincoln Rhyme rückblickend ständig so tut, als hätte er die Lösung des Falls schon Ewigkeiten vorher gewusst und absichtlich das Spiel des Täters mitgespielt. Zudem findet in Bezug auf die Charaktere diesmal praktisch überhaupt keine Weiterentwicklung der bekannten Figuren statt – wirklich interessante Szenen hat in dieser Hinsicht wohl nur der junge Polizist Ron Pulaski, Lincoln Rhyme und Amelia Sachs hingegen bleiben eher blass. Meine Wertung für den elften Band der Reihe ist somit also ein Kompromiss: für sich genommen ist „Der Giftzeichner“ ein guter Thriller, ich persönlich würde mir aber wünschen, dass Deaver mich mal wieder richtig überraschen könnte – und sei es dadurch, dass er zur Abwechslung mal auf die doppelten und dreifachen Böden verzichtet und einfach nur eine eine spannende und schlüssig konstruierte Geschichte erzählt. An Hörbuchsprecher Dietmar Wunder gibt es aber auch diesmal nichts auszusetzen, dieser passt nach wie vor perfekt zur Reihe und täuscht mit seiner starken Lesung auch über so manche Unzulänglichkeit der Story hinweg.

Der Giftzeichner (Lincoln Rhyme #11)
  • Autor:
  • Sprecher: Dietmar Wunder
  • Original Titel: The Skin Collector
  • Reihe: Lincoln Rhyme #11
  • Länge: 13 Std. 08 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Random House Audio, Deutschland
  • Erscheinungsdatum: 11. September 2015
  • Preis 25,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Auch „Der Giftzeichner“, der inzwischen elfte Band der Lincoln-Rhyme-Reihe, ist wieder ein spannender Thriller voller rasanter Wendungen, die für Deaver-Fans jedoch aufgrund des sich wiederholenden Schemas des Autors inzwischen ein wenig durchschaubar geworden sind. Zudem bleiben die Hauptfiguren der Serie diesmal leider etwas blass.

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