Joshua Profil_Rezi

Der eher mäßig erfolgreiche Thrillerautor Max Rhode würde eigentlich lieber in Ruhe an seinem neuen Roman arbeiten, allerdings macht ihm seine etwas rebellische Tochter Jola mit einer weiteren ihrer schulischen Eskapaden mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Auf dem Rückweg vom unangenehmen Elterngespräch gerät Rhodes Tag aber erst so richtig außer Kontrolle: Er erhält einen Anruf von einem wildfremden und offenbar unter starken Schmerzen stehenden Mann, der vor seinem nahenden Tod ausgerechnet Max persönlich treffen will. Von der Neugier gepackt rast der Autor ins Krankenhaus, wo der nach einem Suizidversuch durch Selbstverbrennung im Sterben liegende Unbekannte bereits auf ihn wartet: offenbar verwirrt redet der Alte auf Max ein und faselt davon, dass er von Joshua auserwählt sei, sich unter gar keinen Umständen strafbar machen dürfe und schnellstens die Stadt verlassen müsse. Bevor Rhode nach weiteren Erklärungen fragen kann, erliegt der Mann seinen schweren Verletzungen. Als der Schriftsteller daraufhin die Klinik verlässt und von der seltsamen Begegnung ein wenig mitgenommen zurück zum Parkplatz stolpert, ist Jola plötzlich spurlos aus dem Auto verschwunden – und ein weiterer Anruf reißt Max den Boden unter den Füßen weg…

Der Fitzek-Oktober mit einem Thriller-Doppelpack der besonderen Art

Der Oktober 2015 dürfte für Sebastian-Fitzek-Fans ein wahrer Festmonat sein, denn wenn die Tage langsam kürzer und die Witterungsverhältnisse draußen immer ungemütlicher werden, können es sich Thriller-Freunde gleich mit zwei Neuerscheinungen des deutschen Bestsellerautors gemütlich machen: Während „Das Joshua-Profil“ wohl schon seit Monaten ganz oben auf den Wunschzetteln vieler Leser stehen dürfte, hat Fitzek zu Beginn des Monats mehr oder weniger still und heimlich schon einen Horror-Thriller mit dem Namen „Die Blutschule“ auf den Markt gebracht – allerdings unter dem Pseudonym Max Rhode. Und eben genau jener Max Rhode ist die Hauptfigur in „Das Joshua-Profil“: ein eher mäßig erfolgreicher Thrillerautor, der seit seinem Debütroman um eine abgelegene Schule mit einem äußerst mörderischen Lehrplan angestrengt versucht, an die Qualität seines Erstlings anzuknüpfen, und der mit seiner 10-jährigen Pflegetochter Jola und seiner Frau Kim in Berlin lebt. Ein kleiner Hinweis direkt vorweg: Falls ihr mit dem Gedanken spielt, sowohl „Das Joshua-Profil“ als auch „Die Blutschule“ lesen zu wollen, solltet ihr vermutlich mit dem Rhode-Buch anfangen, da stellenweise Auszüge davon auch in diesem Buch abgedruckt sind und auch das ein oder andere wichtige Element bezüglich des Inhalts verraten bzw. aufgegriffen wird – für das Verständnis von „Das Joshua-Profil“ ist die Lektüre jedoch nicht zwingend erforderlich.

Ein Thrillerautor & Familienvater als zukünftiger Schwerverbrecher?

Nun aber zurück zur Geschichte, deren Beginn leider zunächst ein wenig gezwungen ausfällt, denn dass ein Thrillerautor aus heiterem Himmel einen Anruf von einem offenbar Verrückten erhält, der sich kurz zuvor selbst in Brand gesteckt hat und auf dem Sterbebett nun panisch seinen verwirrten Besucher davon zu überzeugen versucht, auf keinen Fall straffällig zu werden und sofort die Flucht zu ergreifen, klingt doch eher nach Hollywoodfilm statt realitätsnahem Thrillerplot, allerdings kommt die Geschichte dadurch sofort in Fahrt und legt direkt ein hohes Tempo vor – bei einem Spannungsroman gibt es sicherlich Schlimmeres. Ähnlich rasant geht es auch weiter, wobei die Ereignisse auf den ersten 100 Seiten für Fitzek-Verhältnisse fast schon unspektakulär und Mord und Totschlag erst einmal nicht in Sicht sind. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass „Das Joshua-Profil“ ein brisantes und zugleich hochaktuelles Thema behandelt, das eben genau solchen Taten vorbeugen soll: das sogenannte „Predictive Policing“, die vorausschauende Polizeiarbeit. Darunter versteht man die auf diversen Analyse-Methoden basierende Vorhersage von Verbrechen, sodass diese im Optimalfall noch vor der tatsächlichen Durchführung verhindert werden können. Was wie absurde Science Fiction im Stil des Hollywood-Blockbusters „Minority Report“ mit Tom Cruise klingt, ist in der Realität jedoch bereits weit verbreitet und wird auch in Deutschland z.B. zur Verhinderung von Einbrüchen eingesetzt. Sebastian Fitzek spinnt diesen Gedanken aber noch ein wenig weiter und macht seinen Protagonisten zum Mittelpunkt eines solchen „Predictive Policings“ und schickt ihm gleich mehrere Parteien auf den Hals, während dieser verzweifelt dagegen ankämpft, wie ein zukünftiger Schwerverbrecher behandelt zu werden. Auch wenn das Thema nicht ständig präsent ist und es Max Rhode über weite Strecken mit deutlich handfesteren und akuteren Problemen zu tun bekommt, so bietet dieses Szenario dennoch einen interessanten und vor allem im späteren Verlauf auch zum Nachdenken anregenden Rahmen für die Geschichte.

Durchweg spannend, aber hin und wieder mit Glaubwürdigkeits-Problemen

Wenig überraschend liegt der Schwerpunkt des Romans aber in erster Linie auf dem Unterhaltungsaspekt, und in dieser Hinsicht gibt „Das Joshua-Profil“ fast durchgängig eine gute Figur ab. Die Geschichte ist spannend, die zahlreichen Cliffhanger funktionieren und auch die häufig wechselnden Perspektiven sorgen für stete Abwechslung. Wer wie ich vom teilweise haarsträubend absurden „Passagier 23“ enttäuscht war, für den kann ich an dieser Stelle zudem Entwarnung geben: Die Geschichte wirkt zwar nie wirklich so, als könnte sie sich in dieser Form auch tatsächlich genau so abspielen, man hat allerdings trotz mancher etwas übertrieben erscheinender Momente (welcher verantwortungsbewusste Vater benutzt bitte eine echte Waffe als Briefbeschwerer?) auch nicht ständig das Bedürfnis, vor Entsetzen den Kopf auf die Tischplatte schlagen zu wollen, wie es bei Fitzeks Kreuzfahrt-Abenteuer bei mir fast im Minutentakt der Fall war. Auch die Figuren sind zum Teil mal mehr und mal weniger überzeichnet (man denke hier vor allem an den knallbunten Flipflops-Anwalt Toffi oder Max Rhodes zwischen perversem Monster und nettem Kumpel schwankenden Kinderschänder-Bruder Cosmo), bilden aber insgesamt ein recht abwechslungsreiches und nicht unsympathisches Ensemble.

Ein unterhaltsamer, aber manchmal zu konstruiert wirkender Thriller

Nach rund 350 der 397 Seiten war ich folglich positiv überrascht, allerdings hat der nachfolgende „Epilog“ bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen, da Fitzek der vermeintlich schon abgeschlossenen Geschichte noch einmal einen weiteren Plottwist verpasst, der meiner Meinung nach nicht vollständig überzeugen kann. Zum einen ist diese Wendung zwar nötig, da sie eine noch offene und ganz zentrale Frage beantwortet und somit überhaupt erst die Entstehung der Ereignisse erklärt, andererseits wirkt die durchaus schlüssig konstruierte Wendung aber eben genau so: konstruiert. Ohne hier zu sehr auf Details eingehen zu wollen, weil ich sonst zu viel vorwegnehmen würde: Die Häufung gewisser Geschehnisse (Stichwort: Pädophilie) wirkt zum Ende hin doch sehr unglaubwürdig und hinterlässt einen etwas bitteren Beigeschmack. Trotzdem ist „Das Joshua-Profil“ insgesamt ein guter Thriller, der mit ein paar kleinen Abstrichen in Sachen Glaubwürdigkeit durchweg spannende Unterhaltung bietet und vor allem mit der aktuellen Thematik punktet. Absolut lesenswert sind im Übrigen auch das sehr ausführliche Nachwort, das nicht nur nähere Infos zum „Predictive Policing“ bietet, sondern auch Fitzeks persönliche Meinung zu den zentralen Themen des Buches wiedergibt – interessant z.B für alle, die sich ebenso wie ich fragen, warum es in seinen Thrillern so häufig um das Thema Kindesmissbrauch geht.

Das Joshua-Profil
  • Autor:
  • Umfang: 432 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2015
  • Preis Geb. Ausgabe 19,99 €/eBook 14,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Sebastian Fitzek liefert mit „Das Joshua-Profil“ einen spannenden Thriller rund um das brisante Thema „Predictive Policing“, der allerdings trotz der Aktualität der Geschichte hin und wieder mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen hat und dessen Auflösung diesbezüglich nicht völlig überzeugen kann.

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