Im Augenblick des Todes_Rezi

Auch ein begnadeter Ermittler wie der Kommissar Severin Boesherz von der Berliner Kriminalpolizei braucht einmal eine kleine Auszeit, doch selbst während eines erholsamen Spaziergangs am See bleibt Boesherz von der Arbeit nicht verschont: Ein geheimnisvoller Fremder mit dem Namen Ismael taucht plötzlich mit einer Limousine neben dem Kommissar auf und lädt ihn zum Einsteigen ein – ein skurriles Angebot, das sofort Boesherz’ Neugier weckt und das er daher einfach nicht ablehnen kann. Sein ungutes Gefühl dabei bewahrheitet sich jedoch, als Ismael den Kommissar wenig später an der Praxis des Arztes Dr. Praetorius absetzt, wo sich Severin ein grausiges Bild bietet: Praetorius wurde brutal ermordet, skalpiert und ausgeweidet und seine Leiche sowie der Tatort auf eine äußerst bizarre Weise hergerichtet. Boesherz ist sich der verstörenden Symbolik der Inszenierung jedoch sofort bewusst, denn die Handschrift des Mörders ist ihm nur allzu vertraut: Vor 16 Jahren hat der Ermittler schon einmal einen nahezu identischen Mord untersucht – der bisher einzige Fall, den Severin Boesherz nie aufklären konnte…

Severin Boesherz und die Konfrontation mit seinem größten Scheitern

„Im Augenblick des Todes“ ist der zweite Thriller des Berliner Autors Vincent Kliesch um den exzentrischen Severin Boesherz und beginnt für Fans des eigenwilligen Ermittlers gleich mit einem Paukenschlag: Die erste Szene zeigt Boesherz im angespannten Gespräch mit seiner Kollegin Olivia Holzmann in seiner von der Polizei umstellten Wohnung und endet überraschend mit der Verhaftung des Kommissars. Nach diesem Auftakt mit Knalleffekt geht es ähnlich rasant weiter, denn nach dem verblüffenden Prolog springt Kliesch in der Geschichte zurück und beginnt mit der bizarren Begegnung zwischen Boesherz und dem ominösen Fremden, der ihn an den verstörenden Tatort des Mordes an dem Arzt Dr. Praetorius führt und den Ermittler somit mit dem dunkelsten Kapitel seines Lebens konfrontiert: seinem persönlichen Scheitern in einem fast identischen Mordfall vor vielen Jahren, das Boesherz nicht nur beruflich, sondern auch im privaten Bereich einen Tiefschlag verpasst hat, von dem sich das sonst so perfekt erscheinende Genie insgeheim bis zum heutigen Tage noch nicht völlig erholt hat.

Ein perfides Duell in bester „Holmes vs. Moriarty“-Manier

Wie schon der Vorgänger „Bis in den Tod hinein“ entwickelt sich auch der zweite Band schnell zu einer One-Man-Show des Severin Boesherz, der kaum jemand folgen kann – seine Kollegen schon mal gar nicht und auch als Leser muss man höllisch aufpassen, um dem enormen Tempo von Vincent Kliesch und seinem Protagonisten folgen zu können. Auch diesmal werden sich an Boesherz wohl ein wenig die Gemüter scheiden: Während die einen den oft arrogant und besserwisserischen Kommissar für einen affektierten Lackaffen halten, ist er für die anderen ein begnadeter Ermittler mit einer beeindruckenden Beobachtungs- und Kombinationsgabe, mit der er sich selbst vor einer Kultfigur wie Sherlock Holmes nicht verstecken muss – und auf genau den Vergleich scheint es sein Schöpfer auch anzulegen, denn Vincent Kliesch verwickelt seine Hauptfigur in ein perfides Duell mit einem allwissend und übermächtig scheinenden Gegenspieler, sodass „Im Augenblick des Todes“ in seinen besten Phasen wie eine Neuauflage der ewigen Rivalität zwischen Holmes und seinem Widersacher Professor James Moriarty wirkt – nur eben im Berlin des 21. Jahrhunderts. Die Geschichte überrascht immer wieder mit verblüffenden Wendungen und falschen Fährten und lässt einem auch aufgrund der enormen Geschwindigkeit der Handlung keine Verschnaufpause.

Wahnsinnig spannende Fortsetzung mit einer stark auftrumpfenden Hauptfigur

Allerdings ist ein derart raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel für die Leser auch nicht ganz ohne Nachteile: aufgrund des Charakters der Hauptfigur und der damit verbundenen Erzählweise hat man immer das Gefühl, den Geschehnissen ein wenig hinterherzuhinken, da man sich ständig nachträglich belehren und über Zusammenhänge aufklären lassen muss – dies dürfte sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack sein. Kliesch lässt seinem Publikum aber dennoch noch genügend Raum zum Miträtseln, sodass man bei entsprechend vorausgesetzter Aufmerksamkeit durchaus auch selbst kleinere Erfolgserlebnisse feiern darf. Manch einer mag sich auch an der vielleicht ein wenig überspitzten Story und der ein oder anderen Unglaubwürdigkeit stören, diese darf sich der Autor meiner Meinung nach aber erlauben, da so eine Geschichte eben nur mit einer ebenso überzeichneten Hauptfigur funktionieren kann – und genau diese bietet Kliesch mit dem egozentrischen und unnahbar scheinenden Severin Boesherz, den förmlich ein regelrechter Mythos umgibt. Da ist es umso erfreulicher, dass dessen zweiter Fall deutlich persönlich geratener ist als der Auftaktband und man somit überraschend viel über die Hintergrundgeschichte des Ermittlers erfahren kann, wodurch Boesherz spürbar greifbarer wirkt als im ersten Buch – auch ein noch so intelligentes Genie wirkt eben deutlich menschlicher, wenn es Fehler macht. Zusammen mit der wahnsinnig spannenden Geschichte ergibt sich somit eine grandiose Fortsetzung, mit der Vincent Kliesch einmal mehr seine beeindruckenden Thriller-Qualitäten unter Beweis stellt und die Wachablösung eines Sebastian Fitzek weiter kräftig vorantreibt. Ein starker Thriller mit einer starken Hauptfigur und einem starken Hörbuchsprecher, denn auch Uve Teschner trumpft hier in gewohnter Manier auf und trifft perfekt den scharfen Ton eines Severin Boesherz und macht „Im Augenblick des Todes“ somit ebenfalls zu einem überaus packenden Hörerlebnis.

Im Augenblick des Todes
  • Autor:
  • Sprecher: Uve Teschner
  • Reihe: Severin Boesherz #2
  • Länge: 8 Std. 35 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Random House Audio, Deutschland
  • Erscheinungsdatum: 14. August 2015
  • Preis 17,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Vincent Kliesch liefert mit seinem zweiten Severin-Boesherz-Roman einen rasanten und ungemein spannenden Thriller ab, der nicht nur mit seiner exzentrisch-genialen Ermittlerfigur, sondern auch mit der raffinierten Story und dem perfiden Katz-und-Maus-Spiel wie eine moderne Neuauflage des ewigen Duells „Sherlock Holmes vs. Professor Moriarty“ wirkt.

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