Wozu wir fähig waren_Rezi

Herbst 1978: In einer westfälischen Kleinstadt im Ruhrgebiet genießen fünf Freude die Unbeschwertheit ihrer Jugend und kosten das Leben in vollen Zügen aus, besonders bei den gemeinsamen Band-Sessions im eigenen Party-Keller, bei denen man sich das fehlende musikalische Talent zur Not eben auch irgendwie schönsaufen kann. Als dann aber eines Nachmittags auch noch Drogen ins Spiel kommen und die fünf Heranwachsenden mit LSD experimentieren, endet der unbeschwerte Spaß in einer verhängnisvollen Katastrophe: Eines der Band-Mitglieder verliert im Rausch völlig die Kontrolle über sich und begeht einen Fehler, der nicht nur das eigene Leben, sondern das der gesamten Gruppe für immer verändern und sie noch Jahrzehnte später verfolgen wird…

Fehler, die einen das ganze Leben lang verfolgen…

Krimi- und Thrillerautor Raimon Weber ist im Herzen des Ruhrgebiets aufgewachsen und hat seiner Heimat mit der Romanreihe „Ruhr. Tod.“ ein kleines literarisches Denkmal gesetzt. Zu diesen lose miteinander verbundenen Geschichten zählt auch der Psychothriller „Wozu wir fähig waren“, der wie schon „Wir waren unsterblich“ eine Gruppe Jugendlicher in den Mittelpunkt der Handlung stellt: Wieder sind es fünf Jungen, wieder spielt die Geschichte in den 1970er-Jahren und wieder wird sie auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Während im Jahr 2006 ein Mann aus der Bewusstlosigkeit erwacht und sich gefesselt und ganz allein in einem „Gefängnis“ in beunruhigender Höhe wiederfindet, erzählt Raimon Weber rückblickend die Ereignisse, die über Jahrzehnte hinweg zu diesem Martyrium geführt haben. Dabei beginnt alles mit einem scheinbar harmlosen Drogen-Trip mit ein wenig LSD, der aber schnell in einer Katastrophe endet…

Für einen Thriller zu langatmig, für ein Psycho-Drama zu oberflächlich

Durch Art und Stil der Geschichte wirkt „Wozu wir fähig waren“ ein wenig wie die Ruhrpott-Variante des Teenie-Horror-Klassikers „Ich weiß, was du letzten Sommer getan“ hast: Fünf verantwortungslose Heranwachsende begehen und vertuschen ein Verbrechen und werden in den Jahren danach auf verschiedenste Weise von ihrer Tat verfolgt, ob nun durch panische Angst vor der Aufdeckung der Ereignisse, immer größer werdende Schuldgefühle oder – wie es bei der Gegenwartshandlung den Anschein hat – durch späte Rache eines mysteriösen Fremden. Das Problem dabei ist nur, dass sich Raimon Weber bei seiner Geschichte nicht so wirklich entscheiden zu können scheint, ob sein Roman nun eher Thriller oder Psycho-Drama sein soll. Für einen Thriller ist „Wozu wir fähig waren“ nämlich schlicht nicht spannend genug und hält sich zu oft mit banalen Alltagssituationen auf, für ein packendes Psycho-Drama hingegen mangelt es der Story an interessanten Charakteren mit entsprechendem Tiefgang. Keiner der fünf Jungs verfügt über eine ausgeprägte Persönlichkeit, zudem dürfte es aufgrund des extrem verantwortungslosen Verhaltens der Clique recht schwer sein mit den Beteiligten zu sympathisieren – im Gegenteil: Schon zu einem recht frühen Zeitpunkt wird man für die Charaktere kaum mehr als reine Verachtung übrig haben, sodass man sich richtiggehend wünscht dass diese Personen für ihr Handeln bestraft werden.

Der schwächste von Raimon Webers Ruhrgebiets-Thrillern

Von den vier Ruhrgebiets-Thrillern („Wir waren unsterblich“, „Zwienacht“, „Eis bricht“ und eben „Wozu wir fähig waren“) ist dieses Werk daher meiner Meinung nach am schwächsten. Die Geschichte kann zu keinem Zeitpunkt wirklich mitreißen und baut höchstens zum Ende hin ein akzeptables Spannungsniveau auf, zudem scheint die finale Auflösung der Gegenwartshandlung doch ein wenig haarsträubend und unglaubwürdig. Eine totale Enttäuschung ist Raimon Webers Roman zwar nicht, trotzdem bleibt diese Geschichte über die meiste Zeit hinweg recht belanglos und dürfte kaum länger als ein paar Tage in Erinnerung bleiben. Zudem ist „Wozu wir fähig waren“ mit knapp 9 Euro für ein 140-Seiten-eBook preislich relativ happig bemessen – für dieses Geld bekommt man in dem Genre wahrlich besseres und vor allem spannenderes.

Wozu wir fähig waren
  • Autor:
  • Umfang: 141 Seiten
  • Verlag: Psychothriller GmbH
  • Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2012
  • Preis eBook 8,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
5/10
Fazit:
„Wozu wir fähig waren“ kann weder mit der langatmigen und wenig spannenden Story noch mit den fast schon verachtenswerten Charakteren überzeugen und ist somit leider der schwächste Roman in Raimon Webers Ruhrgebiets-Reihe.

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