Watch Me_Rezi

In der beschaulichen Kleinstadt Eagle Creek in Louisiana wird der Anwalt Sam Galloway auf grausame Weise ermordet: Der Täter verbrennt sein Opfer bei lebendigem Leibe und hält die schreckliche Tat sogar noch auf Video fest, das er anschließend ins Internet stellt und sich so mit dem Mord in aller Öffentlichkeit brüstet. Der örtliche Sheriff steht bei der Suche vor einem Rätsel und bittet den ehemaligen FBI-Profiler und nun freischaffenden Berater Jefferson Winter um Unterstützung: Er soll die Ermittlungen mit der Erstellung eines Täterprofils voranbringen, denn vieles an dem Verbrechen deutet darauf hin, dass es von einem potenziellen Serientäter begangen wurde. Allerdings bleibt Winter für den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Mörders nur wenig Zeit, denn das Internetvideo der Tat wurde mit einem Countdown versehen, der gnadenlos seinem Ablauf entgegentickt – und schon in knapp 13 Stunden droht der Killer erneut zuzuschlagen…

Der zweite Fall für Profiler Jefferson Winter

Als ein weltweit erfolgreiches Profiler-Genie wie Ex-FBI-Agent Jefferson Winter hat man offenbar die Qual der Wahl: Das E-Mail-Postfach quillt schier über vor lauter Hilferufen verzweifelter und überforderter lokaler Polizeibehörden und man kann sich aus den vielen Anfragen den interessantesten Fall aussuchen – oder eben auch den dringlichsten, denn wenn ein Mörder mittels eines Internetvideos seine nächste Tat ankündigt und diese nur noch wenige Stunden entfernt ist, dann muss eine laut persönlicher Profiler-Einschätzung gerade nicht ganz so dringliche Ermittlung in einer Vergewaltigungsserie eben mal ein oder zwei Tage ohne Winters Mithilfe auskommen. Also geht es per Flieger in höchster Eile zum Einsatzort, in diesem Fall das gemütliche Eagle Creek in Louisiana, das nach der grausamen Verbrennung eines ortsansässigen Anwalts unter Schock steht. Und da durch den bedrohlich tickenden Countdown des Killers jede Sekunde kostbar ist, stürzt sich Winter auch ohne zu Zögern mitten in die Suche nach dem Täter.

Ein Profiler, der nach wie vor wenig über sich preisgibt

Das Gute vorweg: Im Vergleich zum zwar spannenden, aber etwas mutlosen und uninspirierten Reihenauftakt „Broken Dolls – Er tötet ihre Seelen“ gewinnt der Star-Profiler in James Carols zweitem Thriller „Watch Me – Ich werde es wieder tun“ diesmal spürbar mehr an Profil. Wir erinnern uns: Jefferson Winter wurde vor allem deshalb zum Ermittler, weil während seiner Kindheit sein Vater als kaltblütiger Serienkiller überführt und später hingerichtet wurde – von diesem belastenden Familienhintergrund war im Vorgänger aber kaum etwas zu spüren. Nun bietet zwar auch die Fortsetzung noch nicht die von mir erhoffte intensive Auseinandersetzung mit dieser für einen Verbrechensbekämpfer durchaus ungewöhnlichen Vater-Sohn-Beziehung, allerdings denkt Jefferson Winter während seines neuen Falls aber nun merklich häufiger an die Zeit mit seinem Vater zurück und bietet der Leserschaft so immerhin ein paar intimere Einblicke in sein Seelenleben. Nicht nur dadurch wirkt der im ersten Band noch so unnahbar perfekte Ermittler diesmal ein wenig menschlicher, auch den elenden Besserwisser lässt er nicht mehr ganz so häufig raushängen. Dennoch: In der Prequel-Novella „Presumed Guilty“ erfuhr man in deutlich kürzerer Zeit deutlich mehr über Jefferson Winters Charakter.

Spannungsarme und oft etwas willkürlich erscheinende Ermittlungen

Also insgesamt ein paar kleine Pluspunkte für die Hauptfigur, dafür schwächelt in „Watch Me“ aber nun leider die Story. Gerade in der ersten Hälfte des Buches entwickelt sich die Geschichte sehr gemächlich und entpuppt sich als deutlich unspektakulärer als man es nach dem grausigen Mord zum Auftakt erhoffen durfte – für Spannung sorgt in dieser Phase einzig und allein der Gedanke an das ablaufende Ultimatum des Täters. James Carol gelingt es hier einfach nicht, den Kriminalfall überzeugend aufzuziehen und den Ermittlungen seines Protagonisten eine sinnvolle Struktur zu verpassen. Meist sieht der Ablauf so aus, dass Jefferson Winter scheinbar willkürlich eine Behauptung über den Täter aufstellt und er und seine Helfer dann die entsprechende Richtung einschlagen – eine echte Spurensuche anhand von gesammelten Indizien und Zeugenaussagen sieht eindeutig anders aus. Es ist als Leser einfach entnervend, wenn der Buchcharakter einem aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer voraus ist und man ständig im Nachhinein mit kleinen Vorträgen aufgeklärt bzw. richtiggehend belehrt wird.

Im Vergleich zum Auftaktband eher ein Rückschritt

Zwar legt die Geschichte im Schlussdrittel dann doch noch spürbar an Spannung zu, allerdings wirken die Entwicklungen auch dann oft eher beliebig. So kann James Carol mit seiner Auflösung zwar überraschen, der Täter und sein Motiv werden einem aber ebenfalls aus heiterem Himmel präsentiert und sind für den Leser anhand der gelieferten Hinweise im Vorfeld schlicht nicht ersichtlich. Hier ist es meiner Meinung nach dringend notwendig, dass Carol die Perfektion seiner Hauptfigur noch weiter zurückfährt und die Geschichten somit nachvollziehbarer macht – denn um das Publikum in Sherlock-Holmes-Manier zu überrumpeln und zum Staunen zu bringen, fehlt der Figur Jefferson Winter einfach der entsprechende Charme, sodass seine Lektionen nicht verblüffen, sondern tendenziell eher verärgern. Somit ist „Watch Me“ für mich im Vergleich zum Vorgänger leider ein kleiner Rückschritt, denn wo „Broken Dolls“ trotz der fehlenden Originalität noch mit einer packenden Story punkten konnte, ist die Fortsetzung nur noch ein sehr durchschnittlicher Thriller, der viel zu viel Potenzial liegen lässt – da hilft auch Dietmar Wunders erneut sehr engagierte Lesung der Hörbuchfassung wenig.

Watch Me – Ich werde es wieder tun
  • Autor:
  • Sprecher: Dietmar Wunder
  • Original Titel: Watch Me
  • Reihe: Jefferson Winter #2
  • Länge: 9 Std. 26 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • Erscheinungsdatum: 1. Juli 2015
  • Preis MP3-CD 15,99 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
James Carol verpasst seinem Profiler Jefferson Winter in „Watch Me“ zwar minimal mehr charakterliche Tiefe als im Vorgänger, allerdings gerät die Story dabei über weite Strecke überraschend spannungsarm und und weiß auch aufgrund der oft eher willkürlich wirkenden Handlungsstruktur nur selten zu überzeugen.

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