Die Puppenmacherin_Rezi

Einige Monate sind erst vergangen, seit der Berliner Kommissar Nils Trojan die Jagd nach dem serienmordenden „Federmann“ nur um Haaresbreite überstanden hat, da steht ihm schon der nächste bizarre und verstörende Mordfall ins Haus: Im Keller eines Mehrfamilienhauses wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden, die auf äußerst grausame Art und Weise getötet wurde – der Täter hat die Atemöffnungen seines Opfers nämlich mit Bauschaum zugesprüht, bis es schließlich qualvoll daran erstickt ist. Trojan und seine Kollegen sind geschockt von der Grausamkeit dieses Verbrechens, doch bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare schnell auf Parallelen zu einem früheren Fall: Damals wurde die Puppenmacherin Josephin Maurer entführt und in einem Keller festgehalten, und als die Polizei die Frau schließlich gerade noch rechtzeitig fand, war ihr Körper ebenfalls zum Teil mit Bauschaum überzogen. Allerdings kam Josephins Entführer seinerzeit während Ermittlungen bei einem Verkehrsunfall ums Leben und die Details des Falls wurden von der Polizei nie an die Öffentlichkeit weitergegeben. Die Möglichkeit eines Nachahmungstäters scheint somit ausgeschlossen, doch ist der wahre Täter von damals vielleicht noch auf freiem Fuß?

Der zweite Fall für Max Bentows Berliner Ermittler Nils Trojan

Als Thriller-Fan mit langjähriger Leseerfahrung glaubt man irgendwann, man hätte an Tötungsmethoden und Mordwaffen mittlerweile alles schon einmal erlebt und sei vor Überraschungen gefeit, doch Max Bentow hat sich bei „Die Puppenmacherin“, seinem zweiten Roman um den Berliner Ermittler Nils Trojan, dann doch noch etwas besonders „Originelles“ einfallen lassen: Dem Mordopfer in Trojans neuem Fall wurde nämlich handelsüblicher PU-Schaum in Nase und Mund gesprüht, bis die Frau schließlich daran erstickt ist – ein zwar unblutiger, aber dennoch überaus qualvoller Tod, der selbst bei hartgesottenen Lesern ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend hervorrufen dürfte. Aufgrund dieses außergewöhnlichen Modus Operandi machen Trojan und Kollegen aber auch schnell Fortschritte und stoßen früh auf Verbindungen zu einem ähnlichen Fall, bei dem das damalige Opfer mit viel Glück gerade noch einmal mit dem Schrecken davongekommen ist. Und so originell die Mordmethode auch war, das Ausgangsszenario des zweiten Bentow-Krimis hat man in abgeänderter Form so schon des öfteren erlebt: Der vermeintliche Täter von damals ist tot und für die Ermittler bleiben so vor allem zwei Theorien: Entweder verfügt ein Nachahmungstäter über extrem gutes Insiderwissen oder die Tat wurde vor Jahren einem Unschuldigen zur Last gelegt – so weit, so bekannt.

Der Zufall hilft mit, wenn der Ermittler über sich selbst stolpert

Das ist auch ein wenig das Motto für den gesamten Roman, denn „Die Puppenmacherin“ ist zwar durchaus kurzweilig und spannend, bietet aber auch wenig frische Ideen und bewegt sich die meiste Zeit auf schon hundertfach ausgetretenen Genre-Pfaden. Da hilft es auch wenig, dass Bentow die verstörende Bauschaum-Methode im Verlauf der Geschichte fast schon ein wenig inflationär einsetzt – mehr ist eben nicht automatisch besser. Zudem hatte ich auch im zweiten Band wieder so einige Probleme mit dem Protagonisten, der sich für mich einfach nicht als kompetenter Ermittler darstellt. Auch in der Fortsetzung muss man wieder stümperhafte Befragungen über sich ergehen lassen, die gefühlt nach dem Prinzip ablaufen, dass man einfach nur oft und unfreundlich genug fragen muss, um dann schließlich eine zufriedenstellende Antwort des Zeugen oder Verdächtigen zu bekommen – raffinierte Verhörmethoden sehen eindeutig anders aus. Darüber hinaus kann sich Nils Trojan wieder einmal auf seinen „Kollegen“ Zufall verlassen, der bei der Aufklärung des Falls gerade zum Ende hin erneut ordentlich mitmischt und einen Großteil der Ermittlungsarbeit zu übernehmen scheint. Ein weiterer Aspekt, mit dem ich bei der Figur Nils Trojan so meine Schwierigkeiten habe, ist dessen persönliche Seite. War ich bei „Der Federmann“ zwischenzeitlich schon ein wenig genervt von den ständigen unbeholfenen Flirts mit seiner Therapeutin Jana Michels, so muss man auch in „Die Puppenmacherin“ wieder einige überflüssige und anstrengende „romantische“ Szenen erdulden – alleine das ständige Hin und Her zwischen Duzen und Siezen hat mich bei den beiden fast in den Wahnsinn getrieben. Zudem ist mir die Ermittlerfigur häufig auch schlicht nicht glaubwürdig genug: Auf der einen Seite kämpft Trojan mit Panikattacken und hat Angst dem eigenen Vater gegenüberzutreten, hat dann aber wiederum kein Problem ohne Sicherung und mit immer noch nicht ganz verheiltem Armbruch ein mehr als 40 Meter hohes Riesenrad zu erklimmen – James Bond lässt grüßen.

Axel Nilberg als engagierter, aber zur Theatralik neigender Sprecher

Die Hörbuchfassung des Thrillers bringt dann noch einen weiteren Punkt ins Spiel, der mich zumindest ein paar Nerven gekostet hat: Sprecher Axel Milberg. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, dass Nils Trojan in meiner Vorstellung exakt wie der Tatort-Kommissar aussieht und muss Milberg auch zugute halten, dass er wirklich mit vollem Einsatz dabei ist und der Geschichte und den Charakteren viel Leben einhaucht. Allerdings bewegt sich der Sprecher dabei immer nah an der Grenze zur Theatralik und wirkt dadurch oft wie ein Märchenonkel, der seinen Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorträgt. Besonders die ständigen Wechsel zwischen normaler Sprecherstimme und Flüsterton sind allein schon aus praktischer Sicht ungünstig, da ich z.B. beim Hören ständig die Lautstärke meines iPods regulieren musste, damit die vielen leisen Sätze bei oft unvermeidbaren Nebengeräuschen nicht untergehen.

Ein solider Thriller mit den schon aus dem Vorgänger bekannten Schwächen

Alles in allem ist „Die Puppenmacherin“ für mich wie schon der erste Band ein zweischneidiges Schwert: Auch der zweite Fall für Nils Trojan ist ein solider Thriller, der zwar weniger Logikfehler aufweist als der Auftaktband, dafür aber abgesehen von der verstörenden Mordmethode wenig Neues bietet und dessen Story zu sehr auf Zufällen basiert. Zudem gibt der Berliner Kommissar auch in seinem zweiten Auftritt nicht immer eine glückliche Figur ab und stolpert über ein paar Unglaubwürdigkeiten und die nach wie vor überflüssige Romanze. Insgesamt also ein klarer Fall von „kann man lesen, muss man aber nicht“.

Die Puppenmacherin
  • Autor:
  • Sprecher: Axel Milberg
  • Reihe: Nils Trojan #2
  • Länge: 9 Std. 15 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 10. März 2014
  • Preis MP3-CD 7,99 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Wie schon der Auftaktband ist auch „Die Puppenmacherin“ von Max Bentow ein solider Thriller „made in Germany“, dessen oft auf Zufällen basierende Story aber kaum Neues und nur wenig Raffinesse bietet und dessen Hauptfigur Nils Trojan nach wie vor nicht ganz ausgereift wirkt.

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