Die Zucht_Rezi

Gerade noch hat der 6-jährige Oleg Schwabe in aller Seelenruhe im Garten gespielt, doch als seine Mutter Helga nach kurzer Ablenkung erneut einen Blick auf ihr Kind werfen will, ist Oleg plötzlich spurlos verschwunden. Panisch macht sich die Mutter auf die Suche nach ihrem Sohn, doch obwohl das Haus der Schwabes abgelegen liegt und die Umgebung dadurch recht überschaubar ist, scheint Oleg wie vom Erdboden verschluckt. Als Hauptkommissar Henry Conroy das Verschwinden des Jungen untersucht, kommt ihm recht schnell der Verdacht, dass Oleg möglicherweise einer Entführung zum Opfer gefallen ist. Da die Schwabes alles andere als wohlhabend sind liegt zudem die Vermutung nahe, dass im schlimmsten Fall ein perverser Triebtäter das Kind verschleppt hat. Für Conroy und seine neue Kollegin Manuela Sperling ist deshalb höchste Eile geboten, denn mit jeder Stunde ohne eine Spur von Oleg sinkt die Wahrscheinlichkeit, ihn lebend wiederzufinden…

Ein kleiner Junge verschwindet im deutsch-tschechischen Grenzgebiet

In seinem neuen Thriller „Die Zucht“ verschlägt der deutsche Bestsellerautor Andreas Winkelmann seine Leser ins deutsch-tschechische Grenzgebiet, wo die zugewanderte Polizistin Manuela Sperling die ersten Ermittlungen an ihrer neuen Dienststelle antritt. Wem der Name der Kommissarin bekannt vorkommt, für den ist „Die Zucht“ wahrscheinlich nicht der erste Winkelmann-Roman, denn die forsche und selbstbewusste junge Frau war auch schon in dessen Büchern „Wassermanns Zorn“ und „Deathbook“ mit von der Partie. Aufgrund ihres beruflichen Neuanfangs kann man sich allerdings auch als Winkelmann-Neuling ohne Probleme in die Geschichte stürzen, denn trotz kleinerer Anspielungen auf Sperlings Vergangenheit sind für das Verständnis keinerlei Vorkenntnisse nötig. Für die Gewöhnung an ihre neue Heimat und ihre neuen Kollegen, allen voran der mürrische und etwas eigenwillig scheinende Hauptkommissar Henry Conroy, bleibt Manuela jedoch keine Zeit, denn der Vermisstenfall um den 6-jährigen Oleg Schwabe erfordert schon gleich nach ihrer Ankunft ihre volle Aufmerksamkeit.

Viele Vermisste in Winkelmanns neuem Thriller

Der Auftakt von Winkelmanns neuesten Thriller ist zwar nicht sonderlich spektakulär, sorgt aber für einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in die Geschichte und baut durch das ungewisse Schicksal des vermissten Kindes auch gleich einmal ein solides Spannungsniveau auf. Zudem spielt sich parallel zu den Ermittlungen der Polizei im Vermisstenfall noch ein zweiter Handlungsstrang ab, in dem es ebenfalls um eine verschwundene Person geht: Mit der jungen Tierschützerin Rieke Schneider ist nämlich ein weiteres Schicksal ungewiss, nachdem diese auf eigene Faust in einem Fall von illegaler Hundezucht ermitteln wollte – womit dann auch der Bezug zum Titel des Buches hergestellt wäre. Denn auch wenn Winkelmann die Zusammenhänge der Ereignisse lange Zeit im Unklaren lässt, so scheinen alle Fäden zu einem versteckten Hof im Wald vor der tschechischen Grenze zu führen, von dem mit blutrünstigen und abgerichteten Hunden jedoch nicht nur von tierischer Seite eine große Gefahr für das Umfeld ausgeht.

Auf eine unspektakuläre erste Hälfte folgt blutiger Nervenkitzel

Für einen Roman von Andreas Winkelmann ist der Ekelfaktor diesmal deutlich größer als bei seinen bisherigen Werken, allerdings hält sich der Autor mit allzu drastischen Szenen noch weitestgehend zurück. Man sollte also schon eine gewisse Toleranz gegenüber solchen Dingen mitbringen, läuft als routinierter Thriller-Leser aber auch nicht unbedingt Gefahr, aufgrund der Lektüre nachts von schlimmen Albträumen heimgesucht zu werden. Denn trotz mancher Schockeffekte lässt der ganz große Nervenkitzel zunächst eine Weile auf sich warten – „Die Zucht“ ist zwar durchweg unterhaltsam und spannend, es fehlt in der ersten Hälfte aber noch der besondere Kick und die großen Überraschungen. Das ändert sich aber schlagartig im zweiten Teil des Buches, in welchem die Handlung dann so richtig in Fahrt kommt und auch die ein oder andere unvorhergesehene und stellenweise wirklich gelungene Wendung bietet – zudem wird dann auch der Ton der Geschichte merklich ruppiger und Winkelmann setzt verstärkt auf den Einsatz von Horror-Elementen.

Spannender Thriller mit unterhaltsamem Ermittler-Duo

So wird aus einem lange Zeit „nur“ soliden dann letztlich doch noch ein richtig guter Thriller, der mit dem ungleichen Ermittlerduo um den mürrischen Henry Conroy und die aufgeweckte Manuela Sperling auch zwei Hauptfiguren bietet, von denen man in Zukunft gerne mehr lesen möchte. Zwar haben die beiden gegensätzlichen Charaktere anfangs ein paar Startschwierigkeiten, die aber nicht zuletzt dank der forschen und sehr sympathischen Art der weiblichen Protagonistin auf oft äußerst amüsante Weise aus dem Weg geräumt werden. Insgesamt ist „Die Zucht“ somit ein weiterer gelungener Roman Andreas Winkelmanns und erneut eine Leseempfehlung wert – gerade diejenigen von euch, die (wie ich) von den letzten Werken eines Sebastian Fitzek enttäuscht wurden, sollten hier unbedingt mal einen Blick riskieren. Denn trotz flotter Story und überraschender Wendungen verliert Winkelmann hier nie die Glaubwürdigkeit seiner Geschichte aus den Augen – etwas, das man von Werken wie „Der Nachtwandler“ oder „Passagier 23“ nun wahrlich nicht behaupten kann. Zu guter Letzt rundet dann auch noch die gelungene und atmosphärische Lesung von Simon Jäger den sehr guten Gesamteindruck von „Die Zucht“ ab.

Die Zucht
  • Autor:
  • Sprecher: Simon Jäger
  • Länge: 12 Std. 37 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Argon Verlag
  • Erscheinungsdatum: 30. Januar 2015
  • Preis 24,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Andreas Winkelmanns neuer Roman „Die Zucht“ beginnt zwar etwas unspektakulär, entwickelt sich aber in der zweiten Hälfte zu einem packenden und wendungsreichen Thriller mit Horror-Elementen und punktet auch mit dem ungleichen, aber höchst unterhaltsamen Ermittlerduo.

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