Jackaby_Rezi

New England, 1892: Die junge Engländerin Abigail Rook ist nach einer langen Reise in der kleinen Hafenstadt New Fiddleham gestrandet – auf der Suche nach dem Abenteuer, das ihr ihr strenges Elternhaus so lange vorenthalten hat und das nun endlich ihren Forschungsdrang befriedigen soll. Nach den vielen Monaten ihres Ausreißerdaseins sind ihre finanziellen Mittel aber restlos ausgeschöpft, sodass Abigail erst einmal Arbeit braucht, um sich in der fremden Stadt halbwegs über Wasser halten zu können. Dabei stolpert sie schließlich über das Stellenangebot eines Mr. Jackaby, selbsternannter Ermittler der unerklärten Phänomene und Inhaber eines kleinen Detektivbüros. Der verschrobene Mann gibt zwar mit seinem skurrilen Äußeren keinen sonderlich seriösen Eindruck ab und scheint auch bei den Einwohnern New Fiddlehams einen eher zweifelhaften Ruf zu genießen, ihre bedauernswerte Situation ohne Geld und Obdach lässt ihr aber keine große Wahl: Sie bewirbt sich bei Jackaby um die freie Stelle – und landet nur kurze später mitten in einem grausigen Mordfall…

Von der abenteuerlustigen Ausreißerin zur Assistentin eines kauzigen Detektivs

Auch wenn besagter Mr. Jackaby die Titelfigur des gleichnamigen Romans von William Ritter ist: Erzählt wird die Geschichte jedoch aus der Sicht der jungen Abigail Rook, die nach einer wahren Odyssee über England, die Ukraine und Deutschland schließlich im fernen Amerika gelandet ist und sich zu Beginn des Romans in einer äußerst misslichen Lage befindet: Kein Geld, keine Unterkunft und nicht mal mehr saubere und unversehrte Kleidung im Gepäck. Allerdings lässt sich die abenteuerlustige Frau davon nicht einschüchtern, schließlich hat sie sich diese Situation nach der Flucht aus ihrem wohl behüteten Elternhaus selbst zuzuschreiben; denn weil ihr Anthropologen-Vater ihr stets die Begleitung seiner aufregenden Expeditionen verwehrt hat, hat Abigail ihre Forscherkarriere selbst in die Hand genommen – mit bisher äußerst überschaubarem Erfolg. Da erscheinen die Ermittlungen in einem schrecklichen Mordfall fast schon wie ein Paradies, auch wenn sie sich dazu mit einem schrägen Kauz wie Mr. Jackaby herumschlagen muss, der zwar freundlich und sympathisch, aber eben auch äußerst eigenwillig, seltsam und verwirrt erscheint. Immerhin scheint ihr neuer Arbeitgeber ungeachtet seines befremdlichen Auftretens über ein beachtliches ermittlerisches Gespür zu verfügen, selbst wenn Jackabys Methoden ähnlich ungewöhnlich wie seine Persönlichkeit sind.

Mr. Jackaby, (skurriler) Ermittler der unerklärten Phänomene

Bis hierhin wirkt „Jackaby“ noch wie ein gewöhnlicher, mit einer Prise Humor versehener historischer Kriminalroman, allerdings wartet William Ritter bei seinem Werk noch mit einem wichtigen Element auf: dem Übernatürlichen. Denn der private Ermittler verfügt über eine besondere Fähigkeit und sieht Dinge, die außer ihm niemand zu sehen vermag – er hat sich schließlich nicht ohne Grund auf die unerklärten (nicht unerklärlichen, wie Jackaby stets betont!) Phänomene spezialisiert. Und auch wenn ihn deshalb keiner erst nimmt und er damit immer wieder die Polizei gegen sich aufbringt: Jackaby lässt sich nicht von seinem Glauben an Feen, Kobolde oder Trolle abbringen. Diese Fantasy-Elemente muss man mögen, um vollen Gefallen an „Jackaby“ finden zu können, allerdings setzt Ritter diese auch sehr wohldosiert ein, sodass man für diesen skurrilen Krimi nun wirklich kein eingefleischter Fantasy-Leser sein muss. Denn trotz Geistern oder in Enten verwandelter Menschen erinnert das Buch in erster Linie an einen ganz Großen der Kriminalliteratur: Sherlock Holmes. Mr. Jackaby ist nicht nur ähnlich exzentrisch wie Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv, sondern setzt ebenfalls auf ungewöhnliche Methoden abseits der üblichen Ermittlungsarbeit, und wenn Abigails Arbeitgeber dann wieder einmal zu einem seiner vielen Streitgespräche mit Detective Inspector Marlowe ansetzt, so erinnern diese amüsanten Neckereien doch sehr stark an Sherlocks Dauer-Auseinandersetzung mit einem gewissen Inspector Lestrade. Zudem weckt nicht zuletzt auch die Erzählweise aus der Sicht von Jackabys Assistentin Assoziationen an die Niederschriften Dr. Watsons.

Sehr amüsanter Fantasy-Krimi für Sherlock-Fans

Wer gerne humorige historische Kriminalromane mit ungewöhnlichen Charakteren mag und dabei auch den erwähnten Fantasy-Elementen offen gegenübersteht, für den bietet William Ritters „Jackaby“ wirklich ein äußerst kurzweiliges Lesevergnügen. Sowohl Abigail Rook als auch Mr. Jackaby sind sehr sympathisch und geben zusammen ein skurriles, aber überaus goldiges Ermittlerteam ab. Da ist es umso erfreulicher, dass dieses Buch nur der Auftakt zu einer neuen Reihe ist und der zweite Band „Beastly Bones“ schon im September diesen Jahres erscheinen soll. Ich freue mich nach diesem gelungenen Auftakt wirklich schon sehr auf weitere übernatürliche Abenteuer der beiden. Würde Tim Burton die Sherlock-Holmes-Romane von Sir Arthur Conan Doyle auf sehr freie Weise adaptieren und Johnny Depp wie z.B. schon in „Sleepy Hollow“ in die Rolle des verschrobenen Ermittlers stecken – das Ergebnis käme dem wohl ziemlich nahe, was William Ritter mit seinem Romandebüt „Jackaby“ abliefert.

Jackaby
  • Autor:
  • Reihe: Jackaby #1
  • Umfang: 299 Seiten
  • Verlag: Algonquin Young Readers
  • Erscheinungsdatum: 16. September 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 13,43 €/eBook 8,97
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
William Ritters „Jackaby“ ist ein hochgradig unterhaltsamer historischer Kriminalroman in bester Sherlock-Holmes-Manier, der mit einem skurrilen Protagonisten und erfrischenden Fantasy-Elementen überzeugt – spannende und vergnügliche Lesestunden sind garantiert!

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