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Als junger und aufstrebender Praktikant hat man es in einer der größten und renommiertesten New Yorker Anwaltskanzleien nicht gerade einfach: Man bekommt die niedersten Aufgaben übertragen, darf für die stinkreichen Partner ohne Lohn oder Anerkennung bis zur totalen Erschöpfung schuften und die Chance auf das Ergattern einer der begehrten Stellen ist vergleichbar mit der eines Lottogewinnes. Trotzdem ist der 25-jährige John Lago bereit, diesen steinigen Weg ohne ein Zeichen von Schwäche bis zum Ende zu gehen und sich im Dschungel der Kanzlei mühsam nach oben zu arbeiten. Seine eigene Karriere ist ihm dabei jedoch völlig egal, denn John hat im Gegensatz zu seinen Mitbewerben keinerlei Interesse an einem Anwaltsposten: Er ist nämlich einer der besten Auftragskiller des Landes und hat das Praktikum in der Kanzlei einzig und allein zu dem Zweck angetreten, um die Identität seiner nächsten Zielperson aufzudecken – und diese dann schnell und effizient zu eliminieren…

Wenn sich der neue Praktikant als Auftragskiller entpuppt…

Shane Kuhn Debütroman „The Intern’s Handbook“ erregt nicht nur mit dem knallgelben Buchcover mit schwarzem Totenkopf Aufmerksamkeit, sondern hat mich auch mit der ungewöhnlich klingenden Geschichte schnell neugierig gemacht: Hauptfigur des Thrillers ist ein 25-jähriger Auftragskiller, der seit seinem 12. Lebensjahr unter der Obhut seines Ausbilders und dessen Organisation „Human Resources, Inc.“ steht und sich hauptberuflich als Praktikant in Firmen einschleusen lässt, um sich dort still und heimlich den oft gut bewachten Zielobjekten zu nähern und diese auszuschalten – denn was gibt es für eine bessere Tarnung als die einer überwiegend unsichtbaren Hilfskraft, der ohnehin niemand Aufmerksamkeit schenkt? Weil man aber nicht bis ins hohe Alter glaubwürdig den Praktikanten geben kann, hat John Lago mit Mitte Zwanzig auch schon das Ende seiner Killer-Laufbahn vor Augen und wird zu einem letzten, aber besonders kniffligen Auftrag abgestellt. Einer von drei Partnern einer der Top-Kanzleien Manhattens soll Tarnidentitäten aus Zeugenschutzprogrammen verkaufen und steht deshalb auf der Todesliste der Auftraggeber von HR, Inc. Was die Sache für John so schwierig macht: Noch weiß niemand, welcher der Partner hinter diesem niederträchtigen Verrat steckt und deshalb eliminiert werden soll.

Mehr launige Komödie als spannender Thriller

Bei einem Roman mit einer derart ungewöhnlichen Story bietet sich natürlich auch eine entsprechende Erzählweise an. Shane Kuhn schildert John Lagos Mission folglich rückblickend als eine Art Memoiren des Killers, die dieser in Form eines Handbuchs für seine Nachfolger als Auftragskiller geschrieben hat, eben „The Intern’s Handbook“. Und da dieses dem FBI in die Hände gefallen ist, werden John Erlebnisse immer wieder durch kurze Mitschnitte aus Abhöraktionen aufgelockert. Dieser Stil funktioniert recht gut, zumal sich der todbringende Praktikant als äußerst launiger Erzähler mit Hang zum Zynismus und zahlreichen Film-Anspielungen entpuppt, sodass der Protagonist trotz seiner zweifelhaften Profession schnell Sympathien gewinnen kann – quasi ein weiterer Vertreter der Kategorie „Netter Serienkiller von nebenan“. Und weil der Autor sein kurioses Szenario selbst nicht ganz so ernst nimmt, unterhält „The Intern’s Handbook“ durchweg sehr ordentlich. Richtig spannend ist der Roman trotz einiger kerniger Actionszenen und eines durchaus fintenreichen Katz-und-Maus-Spiels zwar eher selten, doch als makabre Thriller-Komödie funktioniert Kuhns Erstling insgesamt erstaunlich gut.

Eine kurzweilige Auftragskiller-Story mit Augenzwinkern

Natürlich sind einige Szenen haarsträubend übertrieben, ist John Lago als scheinbar unverwundbare Killermaschine in höchstem Maße unglaubwürdig und die Geschichte mit ihren doppelten und dreifachen Böden schon arg konstruiert, darüber kann man aber auch aufgrund des gerade im Schlussdrittel hohen Erzähltempos leicht hinwegsehen. Ärgerlicher ist da schon die Tatsache, dass die Erzählweise mit ihrem Mix aus Handbuch und Autobiografie trotz des unbestreitbaren Unterhaltungsfaktors nicht immer konsequent wirkt und auch die FBI-Mitschnitte zum Ende hin eher im Sande verlaufen – wenngleich das Ende der Hauptstory trotz angesprochen zweifelhafter Glaubwürdigkeit als gelungen bezeichnet werden kann. Wer also einen eher augenzwinkernden Thriller sucht und Auftragskillerstorys mag, bekommt mit Shane Kuhns „The Intern’s Handbook“ einen unterhaltsamen Vertreter dieser Kategorie geboten – einen realistischen und wirklich ernstzunehmenden Spannungsroman sollte man aber besser nicht erwarten.

The Intern's Handbook
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Töte deinen Chef
  • Umfang: 276 Seiten
  • Verlag: Simon & Schuster
  • Erscheinungsdatum: 8. April 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 15,95 €/eBook 13,67 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Kurzweiliger und amüsant-makabrer Mix aus Thriller und Komödie, die mit launischem Erzählstil und wendungsreicher Story punktet, bei der die Glaubwürdigkeit aber des öfteren auf der Strecke bleibt.

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